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Die BBC-Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ war Ende der 1970er Jahre auch bei uns ein Riesenerfolg. Nun überzeugt die Serie in ihrer siebenteiligen neuen Version auf Sky mit freundlich witzigem Charakter. Die Yorkshiredales im Norden Englands strahlen im üppigen Grün, die Menschen sind skurril und die Retro-Kostüme haben in England sogar einen Modetrend ausgelöst.

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Liebevoll gestaltete Serie vor spektakulär schöner Natur-Kulisse

Die Serie „Der Doktor und das liebe Vieh“ hat zwei Hauptdarsteller, die in keiner Besetzungsliste vorkommen: einmal die Yorkshire-Dales, das dünn besiedelte Gebiet im Norden Englands, dem die Serie ihre Fahrten durch fast surreal grüne Täler und Hügellandschaften verdankt. Und dann die Mode: zum Beispiel die zumindest für Tierärzte eigentlich viel zu elegant wirkenden Tweet-Anzüge mit hohen Lederstiefeln.

Die Hauptfigur, Assistenzveterinär James Herriott, trägt anfangs allerdings noch unpassend graues Flanell und flache Lederschuhe, Farmerin Helen hingegen punktet in waldgrüner Cordhose. Aus diesem ersten Treffen wird der Beginn einer wunderbaren Romanze.

"Der Doktor und das liebe Vieh" von Andy Hay  (Foto: Pressestelle, Sky Media )
Yorkshire Dales, 1930er Jahre: Der junge Schotte James Herriot (Nicholas Ralph) tritt einen neuen Job als Tierarzt an. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Er arbeitet von nun an in der Praxis des exzentrischen Dr. Siegfried Farnon (Samuel West), der den jungen Schotten sehr fordert. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Die bodenständigen Bürger*innen misstrauen dem jungen Arzt zunächst noch, ihr Vertrauen muss er sich verdienen. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Und auch Dr. Farnon verlangt James Herriot viel ab: Er möchte schon bald sehen, ob Herriot wirklich das Zeug zum Tierarzt hat. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Außerdem kommt Herriot immer wieder der Bruder seines Chefs in die Quere. Tristan Farnon (Callum Woodhouse) ist besessen von seiner Arbeit. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen
Eine willkommene Abwechslung bietet die treue Haushälterin Mrs. Hall (Anna Madeley), die sich um das leibliche Wohl der Tierärzte kümmert. Pressestelle Sky Media Bild in Detailansicht öffnen

Aufgefrischt und trotzdem originalgetreu

Kein Wunder, dass viele Zuschauerinnen und Zuschauer in Großbritannien bei der Neuauflage der Erfolgsserie „Der Doktor und das liebe Vieh“ aus den 1970er und 1980er Jahre sofort auf die Kostüme geflogen sind: Die den 1930er Jahren abgeschauten Kleidungsstücke in Rot-, Braun- und Grüntönen transportieren Bodenständigkeit und Eleganz, ein Statement von schwerem Stoff und Handmade Quality.

"Der Doktor und das liebe Vieh" von Andy Hay  (Foto: Pressestelle, Sky Media )
Nicht nur im Stall, auch auf der Dinnerparty funkt es zwischen Tierarzt James Herriot (Nicholas Ralph) und Farmerin Helen Alderson (Rachel Shenton). Pressestelle Sky Media

Zusammen mit den Autos von MG mit ihren hohen Kotflügeln stehen sie für ein England, dem ein „Make Britain great again“ ziemlich am Auspuff vorbei gehen dürfte. Die launigen, nicht allzu anspruchsvollen Stories lassen einen Brexit, Pandemie und überhaupt das ganze anstrengende Leben da draußen schnell vergessen.

Echte Erlebnisse eines Tierarztes als Grundlage

James Herriott ist das Pseudonym des Autors und Tierarztes Alf Wight. Erlebnisse aus der eigenen Praxis speisen seine Geschichten. Seit ihrem Erscheinen 1970 waren die Bücher in England Bestseller und sind durch die BBC-Serie weltberühmt geworden. In der Gegend gibt es mittlerweile auch einen James Herriott-Wanderweg zu den Drehorten der Serie.

Auch in der Neufassung heuert James, ein gebürtiger Schotte aus Glasgow, bei dem launischen Veterinär Siegfried Farnon an. Und er lernt mit ihm nicht nur, Kälbchen auf die Welt zu bringen oder Pferdehufe zu untersuchen, sondern sich selbst zu behaupten in dem kleinen Kosmos von Yorkshire und seinen harmlos bis skurrilen Bewohnerinnen und Bewohnern.

"Der Doktor und das liebe Vieh" von Andy Hay  (Foto: Pressestelle, Sky Media )
Um das leibliche Wohl der Tierärzte kümmert sich die treue Haushälterin Mrs. Hall (Anna Madeley). Pressestelle Sky Media

Mischung aus heimeligem Gemeinschaftsgefühl mit Cottage-Fetisch

„Der Doktor und das liebe Vieh“ ist eine Nostalgieserie – und dennoch mehr als bloße Rosamunde Pilcher-Unterhaltung. Nicht nur wegen der hübschen Kleidung: Yorkshire ist eine Art Retro-Fantasie des Gemeinwesens, mit Familie, Freundschaft und Nachbarschaftshilfe als Leitwährungen.

Das ist natürlich arg rosarot oder – wenn man so will – auch wiesengrün überzeichnet. Aber in der Pandemiezeit, in der viele im Grunde jede Art von Gemeinschaft vermissen, trifft die Serie tatsächlich einen Nerv. Es ist der Einheit von Landschaft und Leuten zu verdanken und dem britischen Understatement , dass das überwiegend sympathisch und nicht reaktionär rüberkommt.

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