Film Kolumbianischer Drogenthriller "Birds of Passage"

Von Julia Haungs

Der Drogenhandel in Kolumbien hat schon lange vor Pablo Escobar und den blutigen Bandenkriegen begonnen. Der Film "Birds of Passage – das grüne Gold der Wayuu" – schaut zurück auf das Jahr 1968 und damit auf den Moment, in dem ein ganzes Land seine Unschuld verlor.

Leben in der Abgeschiedenheit Kolumbiens

Die Wayuu sind der größte indigene Stamm Kolumbiens. Abgeschieden von der Außenwelt lebt er in einer Steppenregion im Norden nach archaischen Bräuchen. Die erste halbe Stunde von "Birds of Passage" mutet an wie eine ethnographische ARTE-Doku.

Birds of Passage- Das grüne Gold der Wayuu (Foto: © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras   - © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras  )
Zaida (Natalia Reyes). Für ihre Rolle lernte Natalia Reyes die Sprache Wayuunaiki. Um mehr in die Kultur und Lebensweise der Wayuu einzutauchen, machte sie einen viermonatigen Trip nach Guajira und lebte in einer Siedlung in der für die Frauen © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras   - © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras  

Von der Ethnh-Doku zum Mafiafilm

Man sieht die stolzen Wayuu in ihren Stammesgewändern, erlebt ausführlich einen Brautwerbungstanz und erfährt etwas über ihren Glauben an Talismane, Geister und prophetische Träume. Aber bald schon werden die Träume nicht mehr zur Clanchefin Ursula und ihrer Tochter Zaida sprechen. Die ethnographische Herangehensweise des Films wandelt sich zum Gangster- und Drogendrama.

Dealen für das Brautgeld

1968 kommt der junge Wayuu Rapayet zufällig mit ein paar Amerikanern des Friedencorps ins Geschäft. Er soll für sie 50 Kilogramm Marihuana besorgen. Rapayet sieht darin zunächst nur die Chance, das hohe Brautgeld für Zaida zusammenzubekommen.

Birds of Passage- Das grüne Gold der Wayuu (Foto: © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras   - © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras  )
Úrsula (Carmiña Martínez) mit Mitgliedern des Wayuu Stammes © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras   - © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras  

Die Geburtsstunde des kolumbianischen Drogenhandels

Der Deal klappt: Rapayet bekommt die Frau und die Amerikaner als Geschäftspartner, deren Bedarf schnell wächst. In langen Eselskarawanen wird "das grüne Gold" von der Plantage zu den Autos transportiert, die es dann zu kleinen Flugzeugen in der Wüste bringen. Die bringen es dann in die USA – das ist die Geburtsstunde des kolumbianischen Drogenhandels.

Neid und Gier kommen mit dem Wohlstand

Das kolumbianische Regieteam Ciro Guerre und Cristina Gallego erzählt eindrucksvoll, wie dies zugleich der Moment ist, in dem der Stamm der Wayuu seine Unschuld verliert. Das Geschäft läuft bestens, doch mit dem zunehmenden Wohlstand wachsen auch Neid und Gier. Die neue, kapitalistische Logik zerstört das Jahrhunderte alte respektvolle Miteinander der Wayuu. Die Träume bleiben stumm. Freunde und Familienmitglieder zerstreiten sich.

Birds of Passage- Das grüne Gold der Wayuu (Foto: © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras   - © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras  )
Mit dem florierenden Drogenhandel bricht ein brutaler Krieg um Macht und Geld aus und setzt nicht nur das Leben des Stammes, sondern auch ihre Kultur und Traditionen aufs Spiel. © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras   - © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras  

Ungewöhnliche Bildsprache

Obwohl sich Rapayet um Frieden bemüht, eskaliert die Gewalt. "Birds of Passage" zeigt sie als mächtiger Strom, der sich durch nichts aufhalten lässt und die Familie der Selbstauslöschung entgegentreibt. Die Art, wie sich Gier, Rache und ein archaischer Familienehre-Begriff toxisch miteinander verbinden, erinnert an Mafiafilme wie "Der Pate". Allerdings finden Guerre und Galego eine ganz eigene, ungewöhnliche Bildsprache mit Motiven aus der Natur.

Birds of Passage- Das grüne Gold der Wayuu (Foto: © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras   - © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras  )
Die Regisseure Ciro Guerra und Cristina Gallego erzählen in beeindruckenden und surrealen Bildern eine epische Geschichte, in der die Mythen der Wayuu mit den harten Realitäten des Drogenhandels verwoben werden. © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras   - © 2018 Ciudad Lunar, Blond Indian, Mateo Contreras  

Vorboten des Todes

Vögel werden zu Vorboten des Todes, einzelne Heuschrecken deuten die kommende Plage an. Die endlos weite, karge Wüstenlandschaft, durch die immer ein Wind weht, wird als Schauplatz der Apokalypse episch ins Bild gesetzt.

Die Tragödie Kolumbiens

Das Drama der Familie steht in "Birds of Passage" stellvertretend für die Tragödie Kolumbiens, in die der Drogenkrieg das Land ins Elend stürzte. "Wir haben unsere Seele verloren – niemand beschützt uns mehr" heißt es an einer Stelle.

Denn mit den ersten Pflanzen für den Export wurde auch der Samen der Gewalt gepflanzt, die spätestens in den 80er Jahren unter Pablo Escobar landesweit zu einer giftigen Blüte aufging.

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