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Der Schweizer Milo Rau gehört zu den auffälligsten und unberechenbarsten Künstlern der Gegenwart. Er begann als Performancekünstler, schreibt und inszeniert fürs Theater und dreht seit 2008 auch Filme. Sein neuer Film versetzt die Jesus-Geschichte in die Gegenwart afrikanischer Migranten in den Gemüseplantagen von Süditalien.

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Das Evangelium als Hollywood-Klassiker

Das Evangelium, „Die größte Geschichte aller Zeiten", so der Titel eines Sandalen-Jesus-Films des Klassischen Hollywood, wurde nicht nur für die Weihnachtszeit immer wieder verfilmt: Zum Beispiel von Pier Paolo Pasolini,  aber auch von Mel Gibson. Aber wie könnte ein zeitgemäßer Jesus-Film, der ernst genommen werden will, heute aussehen?

"Das neue Evangelium" von Milo Rauch (Foto: Pressestelle, Port au Prince Pictures / Fruitmarket Longfilm)
Im italienischen Flüchtlingslager Matera sind tausende Menschen gestrandet, die sich in Europa ein besseres Leben erhoffen. Pressestelle Port au Prince Pictures / Fruitmarket Longfilm Bild in Detailansicht öffnen
In einer Gesellschaft, die von Ungleichheit und Unrecht geprägt ist, tut sich ein junger Mann namens Jesus (Yvan Sagnet) als Prediger hervor. Pressestelle Port au Prince Pictures / Fruitmarket Longfilm Bild in Detailansicht öffnen
Jesus findet in den Lagern von Matera seine Jünger und begründet mit ihnen die "Revolte der Würde", eine politische Kampagne, die für die Rechte von Migrant*innen kämpft. Pressestelle Port au Prince Pictures / Fruitmarket Longfilm Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur Milo Rauch entwirft ein „neues Evangelium“ für das 21. Jahrhundert und zeichnet das Passionsspiel einer zerrütteten Gesellschaft. Pressestelle Port au Prince Pictures / Fruitmarket Longfilm Bild in Detailansicht öffnen
Im Fokus steht die Frage, was Jesus in der heutigen Zeit predigen und wie er sich zum Beispiel zur Ausbeutung von Flüchtlingen positionieren würde. Pressestelle Port au Prince Pictures / Fruitmarket Longfilm Bild in Detailansicht öffnen

Bekannte Geschichte neu erzählt

Regisseur Milo Rau erzählt in seinem Film die bekannte Jesus-Geschichte aus dem Neuen Testament aufs Neue, aber fragmentarisch. Raus Film steht näher an Pasolini, weil er wie dieser größtenteils nicht mit professionellen Schauspielern, sondern mit Laien arbeitet – afrikanischen Migrant*innen, die in Süditalien in Lagern leben, teilweise illegal, und unter ziemlich prekären Bedingungen als Saisonarbeiter*innen.

Vermischung klassischer Kinogattungen

In seiner interdisziplinären Mischung der Elemente, in der bewusst verfremdeten und verfremdenden, ungehobelten Überschreitung der drei Gattungen Spielfilm, Dokumentarfilm und Essayfilm ist dieser Film auch der erste Versuch eines, wenn man so will, post-kinematographischen und post-cinephilen Kinos; fast schon ein „Neues Evangelium" des Mediums. Selten war ein Film so nahe dran an dem, wie ein Kino der Zukunft aussehen könnte.

„Das Neue Evangelium" ist auf der Website des Films zu sehen:

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