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„Das Netz“: Europäisches Serienprojekt zur umstrittenen Fußball WM in Katar

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Karsten Umlauf

Die anstehende Fußball-WM in Katar ist umstritten, im Sportausschuss des deutschen Bundestags findet dazu Anfang Juli eine Anhörung statt. Mitte November, kurz vor dem Start der WM, geht auch ein europäisches Serienprojekt an den Start, das in verschiedenen fiktionalen Geschichten versucht, die Machenschaften um das Mega-Geschäft Fuball zu beleuchten. Der deutsche Part mit dem Titel „Das Netz - Ein Wintermärchen“ wurde beim Filmfest in München vorgestellt.

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Angst vor den mächtigen Fußball-Funktionären

Lea Brandstädter ist Anwältin und hat mit Fußball eigentlich nichts am Hut. Ihr Freund David arbeitet aber als Talentscout in Afrika und berät den Fußballweltverband, der hier aus rechtlichen Gründen WFA heißt. Und er hat Angst. Was genau sein Geheimnis ist, das erfährt man in den ersten beiden Folgen, die in München gezeigt wurden, noch nicht.

Kurze Zeit später stirbt David bei einem Unfall und Lea, gespielt von Birgit Mincihmayr beginnt einen Kampf gegen den Goliath WFA. Dabei wird sie von ihrer älteren Freundin und Anwaltskollegin (Eva Mattes) unterstützt, und dem Hooligan Marcel (Max von der Groeben), der mit dem gewaltsamen Tod seines besten Freundes in den Fall reingezogen wird.

Filmfest München (Foto: Filmfest München)
Bei der Premiere von „Das Netz- Ein Wintermärchen“ in München (von li.) Raymond Thiry, Birgit Minichmayr, und Regisseur Rick Ostermann Filmfest München

Mehr Wirtschaftskrimi als Fußball-Serie

Wie gut die Geschichte aufgeht, wie stark sich die Charaktere und Figuren noch entwickeln, kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilen. Aufmerksamkeit wird die Serie angesichts der ohnehin äußerst umstrittenen WM im Wüstenstaat Katar sicher bekommen.

Sie ist keine Fußballserie im engeren Sinn, sondern in erster Linie ein mafiöser Wirtschaftsthriller mit starken Frauenfiguren. Regisseur Rick Ostermann erhofft sich, dass auch das zweite Thema der Serie eine größere Öffentlichkeit bekommt: Human Traficking. Die Praxis, sehr junge afrikanische Spieler nach Europa zu locken und im Zweifel wieder fallen zu lassen.

Filmstill (Foto: ard-foto s1, © ARD Degeto/ServusTV/Manuel Markt)
Dreharbeiten der ARD Degeto-Koproduktion "Das Netz - Prometheus" (AT) mit Tobias Moretti, Benjamin Sadler, Ina Weisse, Peter Lohmeyer u.a. Das länderübergreifende Projekt „Das Netz“ basiert auf einer Idee von Matthias Hartmann und Plinio Bachmann. Gestartet wird dieses außergewöhnliche Serienprojekt mit der österreichischen Serie „Das Netz – Prometheus“ (AT). ard-foto s1 © ARD Degeto/ServusTV/Manuel Markt

Den deutschen Part der Serie finanzieren Servus TV und Red Bull mit

Die österreichische Serie mit dem Titel „Das Netz: Prometheus“ wird sich mehr mit dem Thema Doping beschäftigen, im italienischen Ableger geht es um die Wettmafia. Das Gesamtkonzept stammt von dem Ex-Theaterintendanten Mathias Hartmann und seinem Dramaturgen Plinio Bachmann. Und die Dimensionen taugen in der Tat für den ganz großen Auftritt. Über 10 Millionen Euro kostet allein die deutsche Serie. Geldgeber und Initiator ist pikanterweise das Unternehmen Red Bull. Mit seiner Fußballsparte RB Leipzig ist es für viele Fans der Inbegriff für den Einzug des seelenlosen Kapitalismus in den deutschen Fußball.

Fußball ist ein faszinierender Sport, aber auch ein fieses Geschäft mit dem Träumen unzähliger junger Menschen, mit hoher krimineller Energie. Wenn das während und nach der WM auch mit Hilfe dieser Serie noch im Bewusstsein bliebe, wäre schon viel gewonnen.

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