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Der Prozess des Strukturwandels des Kinos von der privilegierten Spielstätte zu einer unter vielen ist nicht mehr aufzuhalten. Jetzt ist die Kulturpolitik gefordert. Um das Kino zu retten muss man es neu erfinden, findet SWR2 Filmkritiker Rüdiger Suchsland.

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Das Stuttgarter Metropol-Kino ist Symbol der Krise

Es gibt eben auch einen grundsätzlichen Strukturwandel der Kino- und Filmkultur in Europa, für den das Ende des Stuttgarter Metropol-Kino nur in Beispiel unter sehr vielen ist: Schon lange vor der Pandemie haben die Digitalisierung und der Aufstieg der Streaming-Dienste dem Kino enorm zugesetzt.

Zuschauer*innen blieben weg, die Dreiteilung des Publikums in junge Spektakelsüchtige, Wellness-Film-Publikum im Seniorenalter und kunstinteressierte Cinephile führte auch zur Verspartung der Filme. Als klassische Verwertungsstätten für Filmproduktionen spielen Kinos eine immer geringere Rolle.

Corona als Katalysator des Wandels

Dann kam Corona mit seinen strengen Einschränkungen aller Kulturinstitutionen, erst recht unter den Bedingungen des Lockdowns, die für viele einem politisch verordneten Kulturverbot gleichkommen. Corona ist da vor allem ein plötzlich auftretender Verschärfer einer lange andauernden Entwicklung.

Hinzu kommt die Tatenlosigkeit einer Politik, die bei Banken und Agrarwaren, aber auch bei Bühne und Museum Subventionen mit der Gießkanne ausschüttet, das Kino aber vernachlässigt.

Drängende Probleme der Filmbranche

Allein in der Filmbranche gibt es gleich ein Dutzend Baustellen: Eine unzeitgemäße Filmförderung, die schlechte Dominanz der Fernsehsender, die Lage der Produzent*innen, die gerade Drehs im Dutzend abbrechen oder verschieben müssen, und die Filmverleiher*innen, die bisher von den Soforthilfen vergleichsweise vernachlässigt wurden, etwa.

Müssen die Kinos eigentlich etwas von den 75 Prozent Corona-Hilfen an andere, zum Beispiel Verleiher*innen, abgeben? Im Extremfall dürfte es zumindest einzelne Kinos geben, die sich durch Corona geradezu gesundstoßen.

Mitunter ist Corona aber auch auf dem Feld der Filmförderung und Filmkultur nur ein durchsichtiger Vorwand für das was in kalter Ökonomensprache Marktbereinigung heißt.

Wie kann es mit den Kinos überhaupt weitergehen?

Der Kampf gegen Mediatheken und Streamingdienste ist der falsche Weg. Mit vergleichsweise wenig Geld, könnte man zumindest in größeren Städten öffentliche Kinos errichten oder vorhandene Spielstätten umwandeln, um Kino-Bibliotheken und Filmmuseen zu errichten. Auf den alten eingefahrenen Bahnen wird dieser Kulturort nicht überleben können.

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