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Drei TV-Journalistinnen von Fox News beschuldigten Roger Ailes, den mächtigen Chef von Donald Trumps Lieblingssender, 2016 der sexuellen Belästigung. Ein Skandal, der den rechtspopulisitschen Medienkonzern erschütterte. Im Film „Bombshell“ von Regisseur Jay Roach geht es aber nicht nur um toxische Maskulinitäten, sondern auch um einen toxischen Newsroom, der die vermeintlichen Heldinnen zu Mittäterinnen an einem reaktionären Frauenbild macht.

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Sie sind blond, langbeinig und ehrgeizig: Medienfrauen, die beim erzkonservativen Fox News Channel, Teil des Rupert Murdoch-Imperiums und Donald Trumps Lieblingssender, Karriere machen. Sie tragen kurze Röcke als „Berufskleidung“, weil sie wissen, dass ihre Einstellung mitunter weniger nach Kompetenz als nach Körperbau erfolgt.

Damit spielt auch dieser Film. Drei großartig aussehende Hauptdarstellerinnen triggern die Lust des Publikums — und nicht nur des männlichen Teils. Gläserne Tische — denn die Beine müsse man sehen, Fernsehen sei ein visuelles Medium – stelle die äußeren Reize der Darstellerinnen genüsslich aus.

Sexismus als Realsatire

Regisseur Jay Roach hat sich für einen Zugang entschieden, der sich an Politsatiren wie „The Big Short“ orientiert. Der quirlige Montagerhythmus und die Komik reduzieren den moralisierenden Ansatz und machen aus dem ernsten Thema eine Satire – so wie „Big Short“ aus der Finanzkrise.

Dies ist trotzdem eine wahre Geschichte. „Bombshell“ erzählt von einem Skandal, der 2016 den Medienkonzern Fox News erschütterte, der nicht nur zu den reaktionärsten Medien-Organisationen der USA gehört, sondern auch zu den mächtigsten.

Bombshell - Das Ende des Schweigens

Bombshell - Das Ende des Schweigens  (Foto: Wild Bunch Germany)
Megyn Kelly (Charlize Theron) in der Männerdomäne von Fox News Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen
Megyn Kelly (Charlize Theron) vor der Kamera Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen
Megyn Kelly (Charlize Theron), Gretchen Carlson (Nicole Kidman) und Kayla Pospisil (Margot Robbie) im Aufzug bei Fox News Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen
Kayla Pospisil (Margot Robbie) mit ihrer Kollegin Jess Carr (Kate McKinnon) bei einer Besprechung von Fox News Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen
Kayla Pospisil (Margot Robbie) Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen
Megyn Kelly (Charlize Theron) bei der Arbeit mit ihrer Assistentin Lily (Liv Hewson) Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen
Megyn Kelly (Charlize Theron) mit Roger Ailes (John Lithgow) Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen
Der allmächtige Geschäftsführer von Fox News: Roger Ailes (John Lithgow) Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen
Gretchen Carlson (Nicole Kidman) zieht in den Kampf gegen Roger Ailes Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen
Oscar-prämierter Maskenbildner Kazu Hiro bei der Arbeit Wild Bunch Germany Bild in Detailansicht öffnen

„Bombshell“ folgt dem Weg dreier Frauen, die den Aufstand wagen gegen den mächtigsten aller alten weißen Männer der Medienbranche, gegen Fox News-Chef Roger Ailes.

Drei Frauen gegen einen Medienmogul

Charlize Theron spielt Megyn Kelly, die bekannte, keineswegs linke Anchorfrau, die Donald Trump im Wahlkampf wegen seiner Frauenfeindlichkeit anging und nun unter dem Zorn des Präsidenten leiden muss. Nicole Kidman ist Gretchen Carlson, die in diesem Unternehmen seit Jahren konstant unter sexueller Belästigung leidet. Sie geht mit der persönlichen Klage gegen Ailes das größte Risiko ein.

Margot Robbie spielt die Jüngste: Keyla Pospisil, eine ehrgeizige Novizin, die der allmächtige Boss als neuestes Opfer auserkoren hat und deren Erlebnisse zum Auslöser des Geschehens werden.

Frauenverachtung im Newsroom

Die Figur von Ailes ist die eines Mannes, der seine Position benutzt hat, um alles zu bekommen, was er haben wollte. Er hatte die Macht, um jede Frau zu einem Star zu machen.

Ein verlockendes Angebot, auf das nicht wenige eingegangen sind. Man spricht hier gern von „toxischer Männlichkeit“. Das ist aber zu einfach. Denn „Bombshell“ zeigt: Toxisch ist nicht nur dieser Mann. Toxisch ist genauso der Newsroom selbst.

Darin liegt die eigentliche Sprengkraft dieses Films. Denn der Blick hinter die Kulissen von Fox News bietet auch ein treffenden Einblick in einen Medienbetrieb, in dem nicht Tatsachen berichtet, sondern Meinungen gemacht werden.

Keine Heldinnen, sondern Mittäterinnen

Toxisch sind deswegen auch die Frauen, die keineswegs nur Opfer sind. Sie sind Propagandistinnen reaktionärer Ideen und eines erzkonservativen Frauenbildes, das vom Verhalten von Männern wie Roger Ailes nicht einfach zu trennen ist.

Einige US-Kritiker haben den Film dafür kritisiert, dass er ausgerechnet diese Frauen heroisiert und zu feministischen Heldinnen macht. Das sind sie nicht. Sie sind Opfer. Und sie sind Täterinnen, indem sie stramm rechte Ideologien beförderten, in denen Frauen zu bloßen Objekten degradiert und als Menschen zweiter Klasse gezeichnet werden.

Die Opfer sind nicht frei von Schuld

Man muss das eine nicht gegen das andere ausspielen. Die Tatsache, dass sie Opfer sind, spricht sie nicht von ihrer Mitschuld frei oder von ihrer Doppelmoral, die sie lange mitmachen und – im Fall von Carlson – ihre Aufzeichnungen erst nach der Kündigung veröffentlichen ließ.

Wäre der Film mutiger gewesen, hätte er den Zwiespalt stärker in den Mittelpunkt gerückt, die innere Zerrissenheit gezeigt, unter der diese Frauen in helleren Momenten leiden müssen. So hat dieser Film in Mut und Qualität Grenzen.

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