STAND
AUTOR/IN

Als „Tatortreiniger“ hat er eine große Fangemeinde, jetzt spielt Bjarne Mädel in seinem Regiedebüt „Sörensen hat Angst“ einen Kommissar, der sich wegen einer Angststörung von Hamburg in die friesische Provinz versetzen lässt. Dort wird er prompt mit einem Mordfall konfrontiert Alles andere als ein harmloser Dorfkrimi mit viel schwarzem Humor und ernstem Untergrund. Und einem großartigen Schauspielensemble mit Peter Kurth, Matthias Brandt und Anne Ratte-Polle.

Audio herunterladen (3,9 MB | MP3)

Mitten im Kopf von Sörensen

Irgendwie fliegt die Landschaft viel zu schnell vorbei, das Radio plärrt und das Ticken der Uhr kommt einem vor wie ein kleines nerviges Hämmern. Und zack, sind wir drin im Kopf von Sörensen, dem eine Angststörung das Leben zur permanenten Herausforderung macht und zu dessen Eigenarten es gehört, dass wir seinen Vornamen nie erfahren.

„Sörensen hat Angst“ von Bjarne Mädel (Foto: ard-foto s2-intern/extern, NDR / Michael Ihle)
Kriminalhauptkomissar Sörensen (Bjarne Mädel) hat genug von Hamburg. Er lässt sich ins friesische Katenbüll versetzen, wo er auf ein ruhigeres Arbeitsleben hofft - auch, weil er unter einer Angststörung leidet. ard-foto s2-intern/extern NDR / Michael Ihle Bild in Detailansicht öffnen
Doch Katenbüll ist grau und trostlos, außerdem regnet es ununterbrochen. Und die Einheimischen haben nicht gerade auf Sörensen gewartet. ard-foto s2-intern/extern NDR / Michael Ihle Bild in Detailansicht öffnen
Immerhin findet Sörensen in Streuner-Hund Cord einen Freund. ard-foto s2-intern/extern NDR / Michael Ihle Bild in Detailansicht öffnen
Kurz nach der Ankunft Sörensens sitzt der Bürgermeister von Katenbüll tot in seinem eigenen Pferdestall: Er wurde ermordet. ard-foto s2-intern/extern NDR / Michael Ihle Bild in Detailansicht öffnen
Seinen Revierwechsel hatte sich der resignierte Sörensen irgendwie anders vorgestellt. ard-foto s2-intern/extern NDR / Michael Ihle Bild in Detailansicht öffnen
Seiner Angststörung zum Trotz beginnt er die Ermittlungen im Mordfall. ard-foto s2-intern/extern NDR / Michael Ihle Bild in Detailansicht öffnen
Schon die ersten Einblicke in die Kleinstadt Katenbüll machen Sörensen klar, dass hier nichts so ruhig ist, wie es scheint. ard-foto s2-intern/extern NDR / Michael Ihle Bild in Detailansicht öffnen

Tapsige Gehversuche in der nordfriesischen Provinz

Es ist sein lakonischer Humor, seine irgendwie tapsige und dann doch wieder sensibel schlagfertige Art, die diesen Sörensen von Anfang an sympathisch und interessant macht. Sehr dicht begleitet die Kamera Bjarne Mädel bei seinen ersten Schritten in der nordfriesischen Provinz, kriecht ihm quasi unter die Haut. Nach der Trennung von Frau und Tochter und einer nervenaufreibenden Zeit beim LKA in Hamburg sucht Sörensen den stillen Winkel Katenbüll und trifft auf die Kollegin Jenny, den Azubi Malte und einen ermordeten Bürgermeister.

Fans des Tatortreinigers werden nicht enttäuscht

Fans der NDR-Reihe „Der Tatortreiniger“ werden sich mit der schwarzhumorigen und zugleich hintergründigen Gangart schnell zurecht finden. Allerdings ist in diesem nordischen Kosmos die Wortwahl knapp, die Probleme doch etwas krasser und manche Einwohner doch etwas unsympathischer als man so meinen möchte.

Großartiges Ensemble um Bjarne Mädel

Peter Kurth als fieser Fleischfabrikant, außerdem Matthias Brandt in einer herrlich kaputten Rolle als geschasster Kurdirektor. Aber auch Katrin Wichmann als geduldige Kollegin Jenni und Anne Ratte Polle als verkorkste Bürgermeistergattin. Es ist vielleicht einer der größten Pluspunkte von Bjarne Mädels Regiedebüt, dass er seine Kolleginnen und Kollegen glänzen lässt. Und dabei nicht nur als Darsteller, sondern auch als Regisseur ein gutes Händchen für Timing und Dialogführung beweist.

Kein harmloser Dorfkrimi

„Sörensen hat Angst“ ist kein harmloser Dorfkrimi. Dazu wirkt die „Störung“ viel zu sehr als eine verhältnismäßig natürliche Reaktion auf eine selbstvergessene, skrupellose Gesellschaft. Dass der Heilungsprozess gelingt darf man also bezweifeln. Trotzdem oder gerade deshalb würde man ihm dabei gerne noch für ein paar weitere Fälle zusehen.

Gespräch Bjarne Mädel: „Ich spiele keine Witze, sondern Situationen“

In dem ARD-Filmprojekt „Feinde“ von Ferdinand von Schirach spielt Bjarne Mädel einen Kommissar, der einen Angeklagten foltert, um den Aufenthaltsort des Opfers zu erfahren. In einem zweiten Film muss er sich dafür vor Gericht verantworten. In SWR2 erzählt der Schauspieler, der vor allem für komische Rollen wie den „Tatortreiniger“ bekannt ist, warum er Komödien mit derselben Ernsthaftigkeit spielt wie Dramen.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

STAND
AUTOR/IN