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„Bergman Island“ im Kino: Mia Hansen-Løve lotet Grenzen zwischen Realität und Fiktion aus

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Die Insel Fårö in der Ostsee: Drehort und Lebensmittelpunkt von Regielegende Ingmar Bergman bis zu seinem Tod 2007. Hier entstand unter anderem „Szenen einer Ehe“. In Mia Hansen-Løves Film „Bergman Island“ begibt sich ein Künstlerpaar auf die Insel, wo bald die Grenzen von Realität und Fiktion verschwimmen. Der Film mit Vicky Krieps, Tim Roth und Mia Wasikowska hat seinen deutschen Kinostart am 4. November 2021.

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Zwei Filmschaffende im Bergman-Heiligtum

Zwei Filmemacher, ein Paar — Chris, die junge Frau, Tony, der 25 Jahre ältere Mann, gespielt von Vicky Krieps und Tim Roth. Er erfolgreich, für einige gar schon Kult. Sie in den Anfängen ihrer Karriere. Beide wollen auf Fårö ihre Drehbücher weiter schreiben. Er ist schon sehr weit — die Arbeit geht ihm leicht von der Hand. Bei Chris ist das Schreiben eine Quälerei. Tonys Ratschläge empfindet sie als nicht hilfreich. Und dann immer Bergman, Bergman überall: in den Häusern, bei den Fans, die mit dem Bus auf Bergman-Tour gehen. Sein Geist ist für Chris eine Tortur.

„Bergman Island“ von Mia Hansen-Love (Foto: Pressestelle, EclairPlay)
Chris (Vicky Krieps) und der deutlich ältere, erfolgreichere Tony (Tim Roth) sind Filmemacher. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Ohne ihre Tochter reisen sie auf die kleine schwedische Insel Fårö, wo Regie-Legende Ingmar Bergman mehrere Filme gedreht und seinen Lebensabend verbracht hat. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Tony geht das Schreiben auf Fårö leicht von der Hand, Chris hingegen ist sich bei ihren Ideen nicht sicher und hadert auch mit sich selbst. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
„Findest du es nicht zu nett, zu schön. All dieser Frieden. Ich finde es bedrückend“, beschreibt sie Tony ihre Gefühlslage. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Als chris anfängt, Tony von ihrem Drehbuch zu erzählen, verschwimmen langsam die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen

Der Film im Film

Chris' Schreibblockade belastet die Beziehung zu Tony, den das kaum anrührt. Doch dann, eines Tages in diesem flirrenden Sommer in dieser wunderschönen Insellandschaft, bei einem Spaziergang, beginnt Chris ihren Film zu erzählen. Und wie in einer sanften Bewegung begeben wir uns aus dem Film in den Film im Film. Der erzählt die Geschichte einer Jugendliebe, die sich nie dauerhaft zur Beziehung werden konnte. Gespielt wird dieses Paar, das keines ist, von Mia Wasikowska – wunderbar! - und Anders Danielsen Lie. Die treffen sich nach Jahren wieder auf einer Hochzeitsfeier, die auf der Bergman-Insel Fårö stattfindet.

Und dann sind wieder bei Chris und Tony: Sie fragt verunsichert und verzweifelt, ob das ein Film werden könne. Tony meint daraufhin nur lakonisch: „Hängt ganz von dir ab. Ich meine, sieh dir was lang genug an, und es wird interessant. Hat mal jemand gesagt. Du musst nur ein Ende finden, sonst nichts.“

Der Trailer zu „Bergman Island“:

Wie schmerzhaft ist Realität, wie schön Fiktion?

Der filmische Kosmos in Mia Hansen-Løves Film „Bergman Island“ wird zu einem Multiversum, einem Gebäude mit vielen Dimensionen, Ebenen, Schichten. Film über einen Film, Film in einem Film. Die Geschichte einer Filmemacherin. Chris? Oder Mia Hansen-Løve selbst? Denn auch die französische Regisseurin war in dem Stipendium-Programm auf Fårö. Ein Fluss mit Übergängen, Überlappungen der Dimensionen. Die Regisseurin Chris erwacht aus einem Nickerchen, und vor ihr steht die Figur aus ihrem Film.

IMAGO  ZUMA Wire (Foto: imago images, IMAGO / ZUMA Wire)
Regisseurin Mia Hansen-Løve (r.) mit den Darsteller*innen aus „Bergman Island“ beim 74. Filmfestival in Cannes. IMAGO / ZUMA Wire

Das alles aber wirkt in „Bergman Island“ aber nicht wie eine kühle oder hölzerne oder verschwurbelte ästhetische Konstruktion, sondern zeigt sich ungeheuer sinnlich. Spannend wird's – wie hier – immer im Kino, wenn wir nicht mehr wissen, wo der Traum anfängt und die Realität endet. Und noch ein Geheimnis des Kinos, das Chris, Mia Hansen-Løves Figur, in „Bergman Island“ enthüllt, wenn sie über die Filme des Gurus Ingmar Bergman sagt: „Filme können entsetzlich traurig sein, aber letztendlich tun sie dir gut. — Seine nicht? — Nein, sie verletzen mich nur. — Warum siehst du sie dir dann an? — Weil ich sie liebe, ich weiß nur nicht warum.“

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