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„Becoming Charlie": ZDF Miniserie über nonbinäre Jugendliche

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Er? Sie? Oder irgendwas dazwischen? Mit welchem Pronomen sie angesprochen werden wollen ist für ziemlich viele Menschen mittlerweile nicht mehr so eindeutig. Bezeichnungen wie „divers“ oder „nonbinär“ verbreiten sich zwar langsam, aber die damit verbundenen Vorurteile sind immer noch vorhanden. Eine Miniserie im ZDF erzählt jetzt von einer jungen Frau, die merkt, dass sie das genau nicht ist: eine junge Frau.

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Auf der Suche nach der eigenen Identität

Kurze blonde Strubbelhaare, Schlabberpulli und darunter meist zwei enge Sport-BHs. Was sie als Frau kenntlich machen könnte, versucht Charlie zu verstecken. Was das genau bedeutet, checkt die 20-Jährige noch nicht wirklich. Die Attitüde in der Offenbacher Plattenbausiedlung geht Richtung Vorstadt-Hip-Hopper. Aber eher zart als hart.

Filmstill (Foto:  ZDF/ Tatiana Vdovenko / Serviceplan)
Charlie (Lea Dindra) fühlt sich weder als Frau noch als Mann, doch was ist Charlie dann? Das Suchen und Finden der eigenen Nicht-Binarität katapultiert dabei nicht nur Charlie, sondern auch Charlies Umfeld aus der Komfortzone und rüttelt an scheinbar unumstößlichen Wahrheiten. ZDF/ Tatiana Vdovenko / Serviceplan

Die Serie „Becoming Charlie" findet den richtigen Ton im Umgang mit ihrem Thema

Drehbuchautor*in Lion Lau und die Regisseurinnen Kerstin Polte und Greta Benkelmann jagen Charlie so ein bisschen durch das Labyrinth von Erwartungen, Sehnsüchten und Gefühlen und unterlaufen damit die Gefahr, dass die eigene Identität zum Kampfplatz wird. Das Format von sechsmal 15 Minuten gibt den Rhythmus vor, schnelle Schnitte und eine verspielte Bildgestaltung nehmen dem Ganzen wohltuend die Schwere, ohne das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen.

Filmstill (Foto:  ZDF/ Tatiana Vdovenko / Serviceplan)
Die Psychologiestudentin Ronja (Sira Anna Faal, r.) wird für Charlie (Lea Drinda, l.) immer wichtiger, nicht nur, weil sie weiß, dass die Welt der Sexualität größer ist, als Charlie ahnt. ZDF/ Tatiana Vdovenko / Serviceplan

Hauptdarstellerin Lea Dindra überzeugt in der Titelrolle

Die junge Hauptdarstellerin Lea Dindra ist nach einem bemerkenswerten Auftritt bei der Neuauflage von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ hier in ihrer ersten richtigen Hauptrolle zu sehen. Und sie schafft eine großartige Balance, ist draufgängerisch und verletzlich, spielt mit Blicken, Bewegungen, Stimmlagen, die das scheinbar Weibliche, und vermeintlich Männliche in der Schwebe halten. Charlie tastet sich vorsichtig voran an die Frage wer oder was sie eigentlich ist.

Kein Abdriften in den Sozialkitsch

Queere und Transgender-Themen sieht man nun häufiger in Fernsehserien. Im Vergleich zu internationalen Topserien wie „Queer as Folk“ oder „Pose“ wirken deutsche Geschichten zu häufig noch belehrend oder driften ab in Sozialkitsch. „Becoming Charlie“ ist anders - die Serie trifft einen guten Ton, glänzt mit einem tollen Ensemble, zerredet nichts und macht Queerness nicht zum „Problemfall“, sondern feiert, wie „krass“ und vielfältig die Natur sein kann. Das sollten sich alle Geschlechter unbedingt anschauen

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Diversität ist TV-Trend, in letzter Zeit starteten gleich mehrere Serien mit vor allem schwulen Protagonisten wie „It’s a Sin“ aus England oder „All You Need“ in der ARD. Jetzt zieht das ZDF nach, mit der Studentin Hanna und ihrem Liebesleben in der Serie „Loving Her“. Die Folgen sind nur 10-15 Minuten lang und erzählen jeweils die Geschichte einer vergangenen Beziehung Hannas. „Loving Her“ ist der Beweis: Deutsches Fernsehen ist auch in der Lage, leichthändig von lesbischer Liebe zu erzählen.  mehr...

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Serie Arte Serie „Wild Republic" – Herr der Fliegen in den Alpen

Die Story erinnert an den Kult-Roman aus den 1950er Jahren, „Herr der Fliegen“ von William Golding: In der Serie „Wild Republic“ wird ein Erlebniscamp für straffällige Jugendliche von einem Mord überschattet. Die Truppe begibt sich auf die Flucht durch die Alpen. Ein Selbsterfahrungstripp, bei dem alle ihre Rolle finden müssen und schnell mit der Frage konfrontiert sind, wofür sie selbst stehen wollen. Ab 19. Mai ist die erste Staffel der Serie in der Arte Mediathek zu sehen.  mehr...

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Serie „Die Schlange von Essex“: Historische Liebesschnulze mit einer Prise Mystery

Claire Danes ist bekannt geworden als CIA-Ermittlerin mit bipolarer Störung in der Serie „Homeland“. Jetzt ist sie in der Apple TV+ Serie „Die Schlange von Essex“ zu sehen, als Witwe im viktorianischen England, im Jahr 1893. Sie betätigt sich als Hobby- Wissenschaftlerin und geht dem Gerücht nach, an Englands Küste treibe eine riesige Seeschlange ihr Unwesen. In der Provinz trifft sie auf viel Aberglauben, unglückliche junge Mädchen und einen Pfarrer, von dem sie nicht mehr loskommt.  mehr...

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