Kino: Vom Bauen der Zukunft. 100 Jahre Bauhaus Bauhaus-Film mit wenig Bauhaus

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Das von Walter Gropius 1919 gegründete Bauhaus war weit mehr als bloße Schule für neue Architektur und Design – hier versuchte man einen grundlegenden Neuanfang. Die wichtigsten Bauhaus-Vertreter wie Gropius, Wassily Kandinsky, Ludwig Mies van der Rohe, Oskar Schlemmer, Marcel Breuer, Paul Klee und viele mehr prägten die moderne Kunst bis an die Schwelle zum 21. Jahrhundert.

2019 ist das hundertjährige Jubiläum. Aber schon jetzt kommt ein erster Dokumentarfilm ins Kino: "Vom Bauen der Zukunft" von Niels Bolbrinker und Thomas Tielsch.

Visionäre Kunstausbildungsstätte in Weimar und Dessau wird 100

Wer den Titel liest, denkt, jetzt gebe es einen Film über das Bauhaus zu sehen. Und wäre es nicht schön, bereits vor dem hundertjährigen Gründungsjubiläum im Jahr 2019 etwas zu hören und vor allem zu sehen über die Geschichte jener einmaligen visionären Kunstausbildungsstätte in Weimar und Dessau, wo in den Zwanzigerjahren die Welt und der Mensch neu erfunden wurden? Zu erfahren, wie dort Utopie und Praxis, der Geist der Moderne und der Republikanismus der neuen Weimarer Republik zusammenkamen? Wie sich dort liberaler Sozialismus und Weltbürgertum begegneten?

Das Bauhaus ist der wohl bedeutendste Beitrag der Deutschen zur Kultur der Moderne des 20. Jahrhundert. Und während heute im Ausland nur Experten wissen, was Expressionismus war, wirkte das Bauhaus in die ganze Welt hinein: Nach Israel, Istanbul, Argentinien und China. 12 Jahre lang studierten und lehrten hier junge Menschen aus über 100 Ländern. Wenig bis nichts davon erfährt man in diesem Film, insofern ist der Titel eine Mogelpackung.

Video: Vom Bauen der Zukunft – der Kino-Trailer

Dokumentarfilm über Architektur und Stadtplanung statt über das Bauhaus

Immerhin durften die Regisseure Niels Bolbrinker und Thomas Tielsch einen Dokumentarfilm über Architektur und Stadtplanung machen. Das ist aber leider das einzig Positive, was man über diesen Film sagen kann. Denn offensichtlich durften die Regisseure zwar "Bauhaus" in den Titel schreiben, dann aber keinen richtigen Film über das Bauhaus anfertigen. Wahrscheinlich hatte der produzierende Kultursender ARTE Angst vor zu viel Kultur und Theorie. Also peppte man das Ganze lieber mit touristischen Bildern auf. Statt dem Einmaligen das Beliebige, statt Bauhaus: unser Haus. Und schlimmer noch: Grobe Irreführung.

Kinostart 26.04. Vom Bauen der Zukunft – 100 Jahre Bauhaus von Niels Bolbrinker und Thomas Thielsch

Beispielen fehlt der Kontext

Die dänische Designerin einer Schule, aus der Kinder nicht mehr hinaus wollen, ist immerhin interessant und in ihrem Geist vermutlich dem Bauhaus verbunden. Aber auch sie kann nicht erklären, was ihre Schule wirklich damit verbindet, über Klötzchen-Elemente hinaus, und der Film schafft das auch nicht.

So wird der Zuschauer immer wieder allein gelassen, muss sich irgendetwas dazu denken oder auch etwas ganz anderes. Wo es dann doch mal kurz historisch wird, gehen die Fakten wild durcheinander: 1930 kamen die Nazis in die thüringische Landesregierung, drei Sätze später zieht das Bauhaus dann 1925 bereits aus Weimar weg.

Wer, wie, was, warum? Wer diesen öden Film sieht, bleibt dumm

Wer sind Kandinsky, Klee, Itten, Schlemmer, deren Namen hier mal kurz in die Runde geworfen werden? Wer hat das Bauhaus wann wie und warum gegründet? Antwort: Es war im Jahr 1919 Walter Gropius, der nach dem Ersten Weltkrieg die Lebensverhältnisse gerade der armen Unterschichten grundlegend ändern wollte.

Der Film zeigt immerhin eine alte Dame, die bereits als Kind in einem dieser revolutionären Häuser aufwuchs. Die Idee danach zu fragen, was aus den Bauhaus-Prinzipien wurde oder was die Bauhäusler wohl heute bauen würden, ist an sich gut. Die faszinierend pragmatische 100-Euro-Wohnung passt dazu und ist eine attraktive Aktualisierung. Aber das hätte man vertiefen müssen, erklären, eben richtig ernst nehmen, nicht nur streifen und abhaken.

Aus einem Wikipedia-Eintrag erfährt man mehr

Wirklich ärgerlich ist eine groteske veralbernde Vertonung eines Bauhaus-Lehrfilms mit Musik aus dem ZDF-Nostalgierenner "Väter der Klamotte". So ist dieser Dokumentarfilm ein schlechter, öder, langweiliger Film geworden, der nichts vermittelt. Aus einem Wikipedia-Eintrag erfährt man mehr.

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