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Ende März 2003 begann George W. Bush den Irak-Krieg mit dem Ziel, das Regime von Saddam Hussein zu beenden. Drei Jahre später wurde Saddam hingerichtet, der Krieg im Irak dauert weiter an. Die BBC-Serie „Bagdad nach dem Sturm“ nach dem Roman „Baghdad Central“ erzählt Zeitgeschichte aus der Sicht einer irakischen Familie, als hartes actionreiches Krimidrama mit melancholischen Momenten.

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Ignorante Besatzer statt Befreier

Der Einmarsch der US-Truppen war für den Ex-Polizisten Muhsin al-Khafaji und seine Töchter mit vielen Hoffnungen verbunden. Denn das Saddam-Regime war letztendlich verantwortlich für den Tod seiner Frau und seines Sohnes. Aber die amerikanischen Befreier entpuppen sich mehr und mehr als ignorante Besatzer. Plötzlich ist seine Tochter Sawsen, von der er dachte, dass sie brav studiert, wie vom Erdboden verschluckt

Bagdad nach dem Sturm von Ben A. Williams (Foto: Pressestelle, ARTE)
Bagdad, 2003: Nach dem Sturz Saddam Husseins versinkt das Land im Chaos, Gewalt und Ungewissheit sind an der Tagesordnung. Pressestelle ARTE Bild in Detailansicht öffnen
Der irakische Ex-Polizist Muhsin al-Khafaji (Waleed Zuaiter) hat allerdings mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Pressestelle ARTE Bild in Detailansicht öffnen
Seine älteste Tochter Sawsan al-Khafaji (Leem Lubany) ist spurlos verschwunden. Pressestelle ARTE Bild in Detailansicht öffnen
Bei der Suche nach Hinweisen über ihren Verbleib macht Muhsin eine Entdeckung, die ihn ein größeres Komplott vermuten lässt. Pressestelle ARTE Bild in Detailansicht öffnen
Bei seinen Nachforschungen gerät er jedoch ins Visier der Amerikaner: Sie halten Muhsin für einen versierten Ermittler und möchten ihn für sich gewinnen. Pressestelle ARTE Bild in Detailansicht öffnen
Im Gegenzug versprechen sie Muhsin die so dringend benötigte medizinische Versorgung für seine Tochter Mrouj (July Namir), die an einer Nierenerkrankung leidet. Pressestelle ARTE Bild in Detailansicht öffnen
Schon bald wird Muhsin am eigenen Leib erfahren, dass seine Tätigkeit für die Amerikaner sehr gefährlich ist. Pressestelle ARTE Bild in Detailansicht öffnen

Der Irak-Krieg als Familiendrama

„Bagdad nach dem Sturm“ ist erstmal ein Familiendrama: die Suche eines Vaters nach seiner Tochter, in einer Stadt, in der Milizionäre einzelne Stadtviertel kontrollieren. In der sich Söldner, Militärs, Geheimdienstler oder einfache Verbrecher Abends gute Nacht sagen und Frauen nicht selten entführt oder missbraucht werden, andererseits aber auch bereit sind, im bewaffneten Widerstand mitzumachen.

Authentische Einblicke

Es ist verwunderlich, dass es so lange gedauert hat, bis der Irak aus der Innensicht erzählt wird. Lange Dialoge auf arabisch mit Untertiteln vermitteln einen authentischen Eindruck. Auch wenn die Vorlage von einem amerikanischen Professor für arabische Literatur stammt. Auch wenn Drehbuchautor Stephen Butchard und Regisseurin Alice Troughton waschechte Briten sind.

Verloren zwischen Diktatur und Besatzung

Die Serie fängt mit tollen Figuren und einem spannenden Plot das irakische Gefühl ein, heimatlos geworden zu sein. Verloren zwischen der Vergangenheit der Diktatur und der Gegenwart einer Besatzungsmacht, die das Land zwar schnell erobern konnte, aber nicht zuletzt an der verlässlichen Versorgung mit Wasser, Strom oder öffentlicher Sicherheit scheiterte. „Bagdad nach dem Sturm“ weitet so die Perspektive auf ein Stück Zeitgeschichte, das noch lange nicht vorbei ist.

Karlsuhe

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