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„Baghdad in My Shadow“ von Samir: Mosaik der Emigration

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Hunderttausenden irakischer Migrant*innen haben in Europa ein neues Zuhause gefunden, darunter der Regisseur Samir, gebürtiger Iraker und längst ein bekannter Schweizer Filmemacher. Er fasst in seinem neuen Film unzählige Schicksale zu einer handvoll finktionaler Figuren und Geschichten zusammen. Es geht um Identität, die Freiheit der Kunst und den politische Kampf.

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Arabische Diaspora in Europa

Ein gescheiterter älterer Schriftsteller, eine untergetauchte Frau, ein heimlich schwuler IT-Spezialist. Sie alle sind Exilanten mit irakischem Hintergrund die in der Weltmetropole London gestrandet sind. Sie treffen sich regelmäßig in „Zekis Cafe“ das ein bisschen Heimat-Flair bietet. Ein Hafen der Toleranz, Klatsch und Tratsch auf Arabisch, für alle Ansichten und Geschmäcker.

Filmstills (Foto: Arsenal Filmverleih)
Regisseur Samir über seinen Film:„Ich verstehe mich als moderner Mensch in einer globalisierten Gesellschaft und portraitiere Menschen, die wie ich leben. Den vollen Umfang der Nuancen, werden wohl nur Irakis verstehen. Sie sind mit denselben Problemen konfrontiert, die meine Protagonisten in England haben.“ Arsenal Filmverleih

Film erzählt in Rückblicken

Den filmischen Rahmen bildet das Verhör des älteren Dichters und kommunistischen Aktivisten Taufiq, der schon zu Zeiten Saddam Husseins aus dem Irak nach London geflohen ist. Nachts arbeitet er als Aufseher und Nachtwächter im „British Museum“, wo er sinnbildlich das eigene Kulturerbe bewacht: assyrische Reliefs. Einst wurde er von Saddams Schergen gefoltert. Damals hatte er seinen eigenen Bruder verraten.

Filmstills (Foto: Arsenal Filmverleih)
„Bagdad in My Shadow“ thematisiert gleich mehrere Tabus der arabisch-muslimischen Welt: Atheismus, die Unterdrückung der Frau und Homosexualität. Arsenal Filmverleih

Tabus der arabischen Welt

In seinem neuen, fünften Spielfilm berührt der Schweizer Regisseur Samir, der auch als Dokumentarfilmer bekannt ist, gleich mehrere Tabus der arabisch-moslemischen Welt: Atheismus, die Unterdrückung der Frau und Homosexualität. Ein großer Vorzug dieses facettenreichen Films ist, dass viele Figuren nicht plakativ-abgerundet, sondern in sich widersprüchlich sind.

Stimmungsvoller Film

„Baghdad in my Shadow“ ist atmosphärisch, stimmungsvoll, und von viel irakischer Populärmusik untermalt. Im Zentrum aber stehen die Themen, die dem Regisseur wichtig sind: Identität, Selbstbestimmungrecht der Menschen, die Freiheit der Kunst und der politische Kampf.

Vielleicht sind es ein bisschen zu viele Themen, die Samir behandeln möchte, und auch die Tatsache, dass eben Themen behandelt werden, nicht so sehr poetisch offen gelassen, schränkt das positive Urteil ein. Aber insgesamt ist dies ein zugänglich gemachter Film über ein spannendes, ungewöhnliches, oft übersehenes Thema.

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