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Bereits seit einiger Zeit wurde verhandelt, im Mai 2021 wurde es offiziell gemacht: Der Internetkonzern Amazon hat das Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) für 8,45 Milliarden US-Dollar (entsprechen 6,9 Milliarden Euro) erworben. MGM gehören unter anderem ein Teil der Rechte an der James-Bond-Filmreihe, den Rocky-Balboa Filmen und Klassikern wie „Ben Hur“ und „Doktor Schiwago“. Doch nun will die US-Handelskommission (FTC) den Kauf noch mal kartellrechtlich überprüfen

James Bond als Zugpferd der MGM-Studios

Durch die Corona-Krise musste das bereits seit längerem schwer gebeutelte MGM im vergangenen Jahr noch mehr Verluste hinnehmen — unter anderem der Kinostart für den neuen James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben — No Time to Die“ wurde mehrfach verschoben. Aktuell ist er auf den 30. September 2021 in Deutschland angesetzt — was Amazon auch nicht ändert: Nach Aussage der Bond-Produzent*innen in Vanity Fair, sehen diese sich verpflichtet, die Bond-Filme „weiterhin für ein weltweites Kinopublikum zu machen“.

Bezos is the new Bond? Amazon buys MGM for $8.45 Billion Dollars!!!

Amazon investiert breit in unterschiedliche Projekte, 2017 hatte es für rund 13 Milliarden Dollar die US-Handelskette Wholefoods erworben. Im Film- und Streamingbereich hat Amazon mit seinem Streaming-Angebot Amazon Prime unter anderem am Aufbau eines eigenen Serien-Portfolios gearbeitet, Teil der weltweiten Streaming-Offensive sind in Deutschland etwa die Neuverfilmung als Serie von „Christiane F. — Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“.

Braucht Amazon den Input der Hollywood-Legende?

Größtes laufendes Projekt ist die erste Staffel einer Serie zu „Der Herr der Ringe“, die derzeit produziert wird. Bei MGM wurden wiederum in der Vergangenheit die Hobbit-Filme produziert.

Wie im Wall Street Journal angedeutet wird, könnte der Kauf von MGM auch ein Zeichen sein, dass Amazon es nicht schafft, aus eigener Kraft für ausreichend Streaming-Nachschub zu sorgen.

In einer Presseerklärung am 26. Mai 2021 gaben die beiden Unternehmen bekannt, dass „MGM mit fast einem Jahrhundert Erfahrung im Filmemachen die Arbeit von Amazon Studios ergänzt, die bisher hauptsächlich auf die Produktion von TV-Inhalten gerichtet war.

Amazon solle das Erbe und die von MGM produzierten Filme erhalten helfen und Kund*innen besseren Zugang zu MGM-Werken gewähren.

Die Konkurrenz am Streaming-Markt wächst

Was den Streaming-Markt in Deutschland betrifft, ist Amazon Prime immer noch Marktführer mit einem Anteil von rund 33 Prozent vor Konkurrent Netflix, wie eine Analyse der Daten für 2020 des IT-Portals Golem.de zeigt. Allerdings ist dies ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr, in dem Amazon Prime noch fast 40 Prozent Marktanteil besaß.

Das langsame Anlaufen von Disney+ und die Erweiterung der von Disney im eigenen Portal angebotenen Filme und Serien machen sich auch für den Marktführer bemerkbar.

Filmrechte sind nur bedingt ein garantierter Geldsegen

Besonders schwer wiegen für Amazon auch die Umwälzungen am US-amerikanischen Streaming-Markt, wo der Telekommunikationsgigant AT&T mit seinem Tochterunternehmen Time Warner die Rechte an MGM-Klassikern aus der Zeit vor 1948 hält, wie „Vom Winde verweht“.

Ein Merger von AT&Ts WarnerMedia mit Discovery endete als finanzielles Debakel für AT&T, denn WarnerMedia hat inzwischen an der Börse mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.

Über diese Filme kann sich Amazon Prime jetzt freuen:

Aus den 1924 gegründeten Metro Goldwyn Mayer Studios stammen außer den bereits genannten Filmen noch viele weitere Klassiker der älteren und neueren Kino-Zeit. MGM hält Rechte an 4.000 Filmen, unter anderem an Die 12 Geschworenen, Basic Instinct, Creed, Natürlich Blond, Mondsüchtig, Poltergeist, Raging Bull — Wie ein wilder Stier, Robocop, Das Schweigen der Lämmer, Stargate, Thelma & Louise, Tomb Raider, Die glorreichen Sieben, Der rosarote Panter — außerdem an 17.000 Serien, darunter Fargo, The Handmaid's Tale — Der Report der Magd und Vikings.

Insgesamt hat das Hollywood-Studio mit seinen Werken 180 Oscars bei den Academy Awards gewonnen und 100 Emmy-Awards. 2010 musste es bereits einmal Insolvenz anmelden.

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