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Von Rüdiger Suchsland

Die Bestseller-Krimis von Jussi Adler-Olsen stehen für düstere, gut konstruierte Krimis aus Dänemark. Mit "Verachtung" kommt jetzt ein Film des Regisseurs Christoffer Boe in die Kinos, in dem sich das Ermittlerteam vom Kopenhagener Sonderdezernat Q mit einem alten, ungelösten Fall beschäftigt.

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Ein strenges Mädcheninternat in Dänemark 1961

Dänemark im Sommer 1961: Ein junges Paar küsst sich am Strand, von ihrem strengen Vater ist die Rede und dann ist er auch schon da, und unterbricht das Liebestreffen. Die Tochter namens Nete muss auf ein Mädcheninternat, das auf einer einsamen Insel gelegen ist und überaus streng geführt wird. Dann springt die Filmhandlung in die Gegenwart.

 

Aggressiver Sonderermittler

Carl Mørck ist ein scheinbar herzloser Polizist, Sonderermittler im Dezernat Q der Polizei von Kopenhagen. Seine Aggressionen hat er nicht gut unter Kontrolle. Gemeinsam mit seinem Assistenten Assad übernimmt er einen besonderen Fall: Ein ganzes Zimmer in einer alten Wohnung war zugemauert.

Horrorkabinett mit Leichen

Als es geöffnet wird, entdeckt man ein Horrorkabinett. Drei mumifizierte Leichen, zwei Frauen und ein Mann, die um einem gedeckten Esstisch herum sitzen. Die Spur führt die Ermittler auf die Mieterin der Wohnung, Gitte Charles. Wie die drei Toten, lebte sie vor vielen Jahren in einer Klinik für sogenannte "schwierige Mädchen" auf der Insel Sprogø.

Die Spur führt zu Ärzten in Kopenhagen

Immer wieder wechselt die Zeitebene in diesem Film. Einerseits folgt der Film der jungen Nete und ihrem grausigen Schicksal in der Anstalt. Andererseits geht es um die Ermittlung: Zeugen werden befragt, alte Akten gesichtet, Puzzleteile und Indizien geordnet. Könnte eine Insassin des Internats sich an dem Personal gerächt haben?

Die Spur führt weiter zu Ärzten in Kopenhagen, die in einer geheimen Verschwörung noch heute diesen grausamen Plan verfolgen könnten. Im Laufe der Zeit erkennen Mørck und Assad, dass im Internat eine Art faschistischer Geheimbund das Sagen hatte und seine Ideologie einer Herrenrasse in die Tat umsetzte.

Zwangssterilisationen in Dänemark

Junge Frauen wurden von den Ärzten missbraucht, Zwangssterilisierungen wurden praktiziert. Tatsächlich wurden in Dänemark in den Jahren zwischen 1933 und 1962 11.000 Frauen zwangssterilisiert, so informiert der Abspann des Films. Die Zahl der Vergewaltigungen in Mädchenheimen ist nicht bekannt.

Der Stil: braves Bebildern, gewürzt mit ein wenig Gesellschaftskritik

Nacht und Regen, Wind und Kälte, und entsättigte Farben prägen die Kulissen. Der Stil ist braves Bebildern, gewürzt mit ein wenig Gesellschaftskritik. Regisseur Christoffer Boe hat vor 16 Jahren mal mit "Reconstruction" ein beachtliches Debüt hingelegt, seitdem aber vor allem routinierte Fernseharbeiten veröffentlicht. 

Abgestandene Fernsehkost 

So ist "Verachtung" eigentlich nichts anderes als ein ZDF-Fernsehkrimi, gefördert mit Geldern der Filmförderung Hamburg-Schleswig-Holstein. Das mag für Hamburger Patrioten und Mainzelmänner schon Grund genug sein, den Film gut zu finden. Ansonsten bleibt eher der ranzige Nachgeschmack abgestandener Fernsehkost.

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