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Arte-Serie „Cry Wolf“: Ein weiteres Highlight aus Dänemark

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Karsten Umlauf

Die dänische Autorin Maja Jul Larsen ist mit ihrer Arbeit für die Politserie „Borgen“ bekannt geworden. Auf ARTE läuft jetzt die erste Serie, die sie komplett selbst verantwortet: „Cry Wolf“ handelt von einem Verdacht häuslicher Gewalt. Aber ob die 14-jährige Holly wirklich von ihrem Stiefvater geschlagen wurde, lässt sich nicht beweisen.

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Ein Mädchen schildert häusliche Gewalt

Die dänische Politdrama-Serie „Borgen“ gilt als eine der herausragendsten Serienproduktionen aus Europa und hat auch mit dazu beigetragen, dass die skandinavischen Serien einen so exzellenten Ruf haben.

Daran mitgearbeitet hat auch die Autorin Maja Jul Larsen. Ihre erste Serie als hauptverantwortliche Showrunnerin ist ab heute auf Arte zu sehen. In „Cry Wolf“ geht es um die 14-jährige Holly, die ihren Stiefvater beschuldigt, sie und ihren Bruder geschlagen zu haben.

Ein Fall, der nicht nur die Familie, sondern auch Jugendamtsmitarbeiter Lars an die eigenen Grenzen bringt. Ein Schulaufsatz von Holly bringt alles ins Rollen. Hat sie die häusliche Gewalt, die sie dort schildert, möglicherweise selbst erlebt?

Serie "Cry Wolf" (Foto: Arte)
Dänemark: Sozialarbeiter Lars (Bjarne Henriksen) wird zu einem schwierigen Fall an einer Schule gerufen. Arte Bild in Detailansicht öffnen
Die 14-jährige Holly (Flora Ofelia Hofmann Lindahl) schildert in einem Schulaufsatz Szenen häuslicher Gewalt. Auf Lars wirkt sie verstört, was seinen Verdacht bestätigt, dass ihr etwas angetan wurde. Arte Bild in Detailansicht öffnen
Holly beschuldigt ihren Stiefvater Simon (Peter Plaugborg), sie geschlagen zu haben. Arte Bild in Detailansicht öffnen
Lars findet schnell heraus, dass Simon schon früher Probleme mit Gewaltausbrüchen hatte. Arte Bild in Detailansicht öffnen
Für den Ermittler ist klar: Holly und ihr Bruder Theo müssen unverzüglich in einer Notunterkunft untergebracht werden, um in Sicherheit vor Simon zu sein. Arte Bild in Detailansicht öffnen
Hollys Mutter Dea (Christine Albeck Børge) kann kaum glauben, dass Simon ihre Tochter geschlagen haben soll. Arte Bild in Detailansicht öffnen
Als Holly und ihr Bruder bei einer Pflegefamilie unterkommen, erhärtet sich der Verdacht, dass an der Geschichte etwas nicht stimmt. Arte Bild in Detailansicht öffnen
Was hat Holly also mit der Beschuldigung bezweckt? Arte Bild in Detailansicht öffnen

Beweisen lässt sich nichts

Der Lehrer informiert das Jugendamt. Den Fall bekommt der ruhige und erfahrene Sozialarbeiter Lars, der versucht, mit Holly und ihrem jüngeren Bruder Theo ins Gespräch zu kommen.

Beweisen lässt sich nichts. Aber nachdem Lars bei einem früheren Fall schon einmal zu spät reagiert hat, will er hier unter allen Umständen die Kinder schützen, verlässt sich auf seine Intuition und gibt sie unverzüglich in Obhut zu einer Pflegefamilie.

Die Eltern sind am Boden zerstört. Hollys Mutter, eine liebevolle Kindergärtnerin, darf plötzlich ihre eigenen Kinder nicht mal mehr anrufen. Der Stiefvater Simon ist zwar vorbestraft, offensichtlich impulsiv und nicht immer souverän, aber der Mann mit rotem Vollbart und Bodybuilderfigur streitet alle Vorwürfe ab.

Nur eine Teenie-Rebellion?

Mit ruhigem Blick und viel Zeit erforscht die Kamera die Gesichter, kommt ihnen sehr nah, schleicht sich auch hinter die Figuren, beobachtet sie von allen Seiten als wollte sie Anzeichen suchen, wer in diesem Fall nicht die oder nur einen Teil der Wahrheit sagt.

Holly weint und zittert unter der Last der Situation, aber die wachsenden Zweifel an ihr kann auch Jugendamtsmitarbeiter Lars nicht ignorieren. Auch er macht sich angreifbar.

Steckt dahinter möglicherweise „nur“ eine Teenie-Rebellion, Eifersucht auf den Stiefvater und geht der Kampf um das Kindeswohl gerade in Bezug auf den kleinen Theo nach hinten los?

Eine berührende Serie

„Cry Wolf“ erzählt mit viel Tiefe und Empathie von den verschiedenen Perspektiven in diesem Beziehungsgeflecht. Von dem Versuch, allen gerecht werden, in das bürokratische und brutale Verfahren des Kindesentzugs etwas Menschlichkeit zu bringen.

Es geht um emotionale Abhängigkeiten, Verletzungen und Verdrängungen, um das Gewirr von Liebe und Gewalt, das so viele Familien belastet. Und grundsätzlich um die extreme Herausforderung, sich für jemand anderen verantwortlich zu fühlen.

Dem Schauspielensemble verlangt das viel ab, aber gerade wie Bjarne Henriksen als Sozialarbeiter Lars und vor allem Flora Ofelia Hofmann Lindahl als Holly ihren inneren Zwiespalt zeigen, obwohl sie die meiste Zeit eigentlich schweigen, wie sie einen sprachlos in ihre Gefühlswelt hineinziehen, das ist große Klasse und macht „Cry Wolf“ zu einer berührenden Serie, die einen so schnell nicht loslässt.

„Cry Wolf“ ist in der Arte-Mediathek verfügbar.

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