STAND
AUTOR/IN

Das Auswandererepos „Der Club der singenden Metzger“ spielt in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs: Der junge Metzger Fidelis Waldvogel beschließt aus seiner schwäbischen Heimat nach Amerika auszuwandern und seine junge Familie nachzuholen.

Der ARD Zweiteiler mit Schauspielstars wie Jonas Nay, Leonie Benesch oder Aylin Tezel wurde vom SWR koproduziert.  Für das Drehbuch hat Regisseurin und Autorin Doris Dörrie den amerikanischen Roman "The Master Butchers Singing Club" umgearbeitet.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR2

Mit einem Koffer voller Würste nach Amerika

Fidelis Waldvogel ist der jüngste Spross einer schwäbischen Metzgerdynastie. Den ersten Weltkrieg hat er irgendwie überlebt.

Weil es für ihn und seine Nachkriegs- Patchworkfamilie kaum Platz zum Wohnen und zu wenig Arbeit gibt, will er sein Glück in Amerika versuchen. Mit einem Koffer voller Würste und einem eigenen Messerset als Geschäftsgrundlage zieht er erstmal alleine los.

Film Schwäbisches Auswandererepos in der ARD: Der Club der singenden Metzger

Filmstill: Der Club der singenden Metzger (Foto: ard-foto s2-intern/extern, ARD Degeto / Walter Wehner)
Nach dem ersten Weltkrieg kehrt der traumatisierte Metzger Fidelis Waldvogel (Jonas Nay) zu seiner Familie in die schwäbische Heimat zurück. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner Bild in Detailansicht öffnen
Dort erfüllt er einem gefallenen Kameraden seinen letzten Wunsch: Er heiratet dessen hochschwangere Verlobte Eva (Leonie Benesch). ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner Bild in Detailansicht öffnen
Weil es jedoch in der Metzgerei seiner Eltern keine Zukunft für Fidelis gibt, beschließt er auszuwandern und seine junge Familie später nachzuholen. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner Bild in Detailansicht öffnen
Mit wenig Gepäck außer dem geheimen Wurstrezept seines Vaters lässt sich Fidelis in Argus, North Dakota nieder. Er eröffnet eine Metzgerei, die sich schnell großer Beliebtheit erfreut. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner Bild in Detailansicht öffnen
Auch die Hamburger Zirkusartistin Delphine (Aylin Tezel) verschlägt es in das Westernstädtchen Argus. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner Bild in Detailansicht öffnen
Zusammen mit ihrem alkoholkranken Vater versucht auch Delphine sich eine neue Existenz aufzubauen. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner Bild in Detailansicht öffnen
Da die Metzgerei gut läuft, kann Fidelis schon bald seine Frau Eva und ihren Sohn Johannes nach Argus holen. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner Bild in Detailansicht öffnen
Durch Zufall lernen sich Eva und Delphine kennen, die beide ihre Heimat Deutschland sehr vermissen. Eva stellt Delphine als Verkäuferin ein, findet in ihr allerdings auch eine Freundin. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner Bild in Detailansicht öffnen
Auch Fidelis ist von Heimweh geplagt. So gründet er kurzerhand einen Männergesangsverein. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner Bild in Detailansicht öffnen

Schwäbische Schaffermentalität für Amerika

Schwäbische Schaffermentalität mitten im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Er zieht aber eben nicht in das große New York oder nach Chicago, sondern in die Provinz von North Dakota an der kanadischen Grenze. Wildwest trifft auf Moderne, Wüste auf Eisenbahn und Autos, der dicke Sherriff auf eine Truppe Desperados aus Europa.

Bestseller von Louise Erdrich als Grundlage

Aus diesem Spannungsfeld hat die deutsch-amerikanische Autorin Louise Erdrich mit ihrer eigenen Familiengeschichte einen Bestseller geschaffen. Doris Dörrie und Lisa Stadler haben den schönen und bildkräftigen Stoff mit viel Detailliebe und sinnvollen Raffungen umgesetzt.

Beziehungsgeflecht unter den Auswanderern

Neben Fidelis und seiner Frau Eva versuchen auch die Hamburger Artistin Delphine und ihr Vater ihr Glück. Versprengte Schicksale, die nicht immer die Chance haben, zum Lebensentwurf zu werden. Schon bald bildet sich ein Beziehungsgeflecht aus Freundschaften, versteckter Liebe, Schicksalsschlägen.

Filmstill: Der Club der singenden Metzger (Foto: ard-foto s2-intern/extern, ARD Degeto / Walter Wehner)
Auch Fidelis ist von Heimweh geplagt. So gründet er kurzerhand einen Männergesangsverein. ard-foto s2-intern/extern ARD Degeto / Walter Wehner

Tradition, Handwerk, Familie und volkstümliches Liedgut

Tradition, Handwerk, Familie und volkstümliches Liedgut. Fidelis Waldvogel schafft sich ein Stück Heimat, in dem er einen bunt gewürfelten Männerchor gründet. Der Film vermittelt damit zweifellos ein konservatives Welt- und Wertebild, schafft aber auch ein Gefühl dafür, was es bedeuten kann, seine eigene Kultur in der Fremde zu pflegen.

Kitsch, Sentimentalität und das Gefühl von Einsamkeit

Kitsch und Sentimentalität kommen in diesen 180 Minuten nicht zu kurz, der Film traut seinen Zuschauern in seiner absehbaren Dramaturgie etwas zu wenig zu. In den besten Momenten fängt er in der bunt gewürfelten Einwanderercommunity des kleinen Städtchen Argus aber auch ein Gefühl von Einsamkeit ein, gepaart mit der Gewissheit, genau am richtigen Ort zu sein.

Hochglanzalbum mit starken Frauenfiguren

Optisch wirkt der Film stellenweise wie ein Hochglanzfotoalbum. Der schwäbische Dialekt ist Geschmackssache, Jonas Nay als Fidelis schafft es aber, ihn nicht zu aufgesetzt wirken zu lassen.

Manche Figuren wirken holzschnittartig, aber gerade in der Darstellung der mutigen und weltoffenen Frauen gewinnt der „Club der singenden Metzger“ Format und wird zu einer sehenswerten Fluchtgeschichte im Gewand eines Unterhaltungsfilms.

Der Club der singenden Metzger in der ARD Mediathek bis zum 26.1. 2020:

STAND
AUTOR/IN