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Furtwängler-Tatort über Sexualmord – „Die Rache an der Welt“

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Karsten Umlauf

In ihrem 30. Fall fahndet Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) zusammen mit Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) in Göttingen nach einem Sexualmörder. Ein Zeuge verdächtigt einen „nicht europäischen“ Täter. Die reale Vorlage für den Furtwängler-Tatort lieferte der Mord an einer Studentin 2016 in Freiburg, der die Stadt schwer erschütterte und politisch instrumentalisiert wurde.

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Ist ein stadtbekannter Serientäter der Mörder?


Eine junge Frau wurde an einer beliebten Joggingstrecke in Göttingen vergewaltigt und ermordet. Schon länger geht ein Sexualstraftäter um, der Frauen mit einem Wikingerdolch bedroht und überall nur „Wikinger“ genannt wird. Kein Wunder, dass Charlotte Lindholm und ihre Kollegin Anaïs Schmitz zuerst an ihn denken, als sie ein Sexualverbrechen aufklären sollen.

Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm ermittelt im ARD Tatort „Die Rache an der Welt“ bereits in ihrem 30. Fall und feiert zuegleich ihr 20-jähriges Dienstjubiläum. (Foto: ard-foto s2-intern/extern, NDR/Christine Schroeder)
Die heile Welt von Göttingen wird erschüttert durch einen Serientriebtäter, der an abgelegenen Ecken Frauen auflauert und sie zu sexuellen Handlungen zwingt. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Eine junge Frau wurde an einer beliebten Joggingstrecke in Göttingen vergewaltigt und ermordet. Charlotte Lindholm untersucht den Fundort der Leiche. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Das Team von Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz berät sich. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz nehmen Elmo, den Freund der Toten, in die Mangel. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Elmo muss die Tote identifizieren. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Auch in der WG der Toten wird ermittelt, doch Mitbewohnerin Jelena blockt. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Der „Wikinger“ bedrängt eine junge Frau. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Issa verhält sich verdächtig. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Charlotte Lindholm ermittelt weiter im Alleingang. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Sie bittet Gerichtsmediziner Nick Schmitz um einen illegalen Gefallen. ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen
Bei ihren Ermittlungen auf dem Fußballplatz rastet Charlotte Lindholm dann aus ... ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder Bild in Detailansicht öffnen

Zeugenaussage aufgrund rassistischer Vorurteile?


Ein Zeuge hat einen verdächtigen Fahrradfahrer gesehen und speist seine Aussage offenbar halb aus Beobachtung, halb aus rassistischen Vorurteilen. Die einer schwarzen Ermittlerin wie Anaïs Schmitz unterzujubeln, ist aber nicht so leicht.

Empörung und Unsicherheit auf der einen, Bemühen um Integration auf der anderen Seite. Ein heikles Thema, gerade für die Polizei. Vorwürfe von Generalverdacht und Rassismus sind schnell zur Hand, wenn es um die Strafverfolgung bei Geflüchteten geht. Unrühmliche Beispiele dafür gibt es leider genug.

Verbotene DNA-Analyse zur biogeographischen Herkunft


Maria Furtwängler alias Charlotte Lindholm ermittelt im ARD Tatort „Die Rache an der Welt“ bereits in ihrem 30. Fall und feiert zuegleich ihr 20-jähriges Dienstjubiläum. (Foto: ard-foto s2-intern/extern, NDR/Christine Schroeder)
Charlotte Lindholm bittet Gerichtsmediziner Nick Schmitz um einen illegalen Gefallen ... ard-foto s2-intern/extern NDR/Christine Schroeder

Charlotte Lindholm wählt einen ungewöhnlichen Weg, um sich abzusichern. Sie möchte eine DNA-Analyse zur biogeographischen Herkunft, was in Deutschland verboten ist.

In diesem Punkt und in etlichen anderen unterscheidet sich der Tatort von dem Mord in Freiburg. Bei dem realen Mord in Freiburg wurde nämlich genau diese spezifische DNA-Analyse von der Polizei eingefordert. Der Fall hätte dann viel schneller aufgeklärt werden können, so die Polizei.

Der Film bemüht sich zumindest um eine differenzierte Sicht, sowohl auf Ermittlungsmethoden als auch auf das pauschale Bild vom alleinstehenden jungen Mann aus Afghanistan, Syrien oder Nordafrika.

Nebenrollen spielen stärker als die kühlen Kommissarinnen

Mala Emde als ehemalige Mitbewohnerin des Opfers oder auch Sascha Alexander Gersak sind Topbesetzungen in den Nebenrollen. Allerdings stellen sie die gewohnt kühlen Kommissarinnen schauspielerisch in den Schatten. Maria Furtwängler kommt immerhin mal kurz aus der Reserve als Charlotte Lindholm von Geflüchteten bedrängt wird

Die gesellschaftlichen Verwerfungen im Freiburger Mordfall 2016 nicht erfasst

Der Tatort „Die Rache an der Welt“ fällt zwar in eine Zeit, in der die Flüchtlingsheime wieder voll sind. Er erfasst aber höchstens ansatzweise die gesellschaftlichen Verwerfungen, die den Freiburger Mordfall 2016 begleitet und geprägt haben.

In seinem Bemühen um Ausgewogenheit vermittelt der Film, dass Sexualverbrechen nicht von Kultur oder Hautfarbe abhängig sind. Das ist löblich, aber als Quintessenz auch ein bisschen anspruchslos. Das fällt umso mehr ins Gewicht, als es im Film zwar ein paar sehr berührende Szenen zur individuellen Situation von Geflüchteten gibt. Aber die Spannungskurve bleibt doch ziemlich flach und so plätschert dieser Tatort mit irreführendem Titel und ein paar staksigen Sätzen zu viel seinem Ende entgegen.

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