ARD-Serie

„Bonn – Alte Freunde, neue Feinde“: Seilschaften in der frühen Bundesrepublik

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Karsten Umlauf

Trotz „Ku’damm 56“ und „Ein Hauch von Amerika“ – die 1950er Jahre sind noch nicht so oft im deutschen Fernsehen dargestellt worden. Mit „Bonn – Alte Freunde, neue Feinde“ geht die ARD in die Vollen: eine aufwändig ausgestattete Event-Serie und ein Thriller über die Frühzeit der deutschen Geheimdienste.

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Widerstandskämpfer und Altnazis kämpfen um die Hoheit in der deutschen Sicherheitspolitik

Im Jahr 1950 steht die junge Bundesrepublik noch auf ziemlich wackligen Beinen, gerade in der Sicherheitspolitik. Das neu gegründete Bundesamt für Verfassungsschutz hat mit Otto John einen neuen Chef. Er ist ein ehemaliger Widerstandskämpfer aus dem Stauffenbergkreis, dem vor allem die Verfolgung früherer Nazigrößen am Herzen liegt.

Gedeckt werden diese Nazigrößen teilweise von Johns erbittertem Konkurrenten Reinhard Gehlen, dem Leiter des nach ihm benannten Auslandsgeheimdienstes. Der ehemalige Wehrmachtsgeneral hat die Amerikaner von der Nützlichkeit seines Wissens für den Aufbau überzeugen können.

Sebastian Bloomberg und Martin Wuttke überzeugen auch als moralische Antipoden, der eine nervlich angefasst, der andere abgezockt und berechnend – und versiert darin, alte Vertraute mit guten Posten zu versorgen.

„Bonn – alte Freunde, neue Feinde“ (Foto: Pressestelle, © ARD/Odeon Fiction/Zuzana Panská)
Gerd Schmidt (Juergen Maurer) bringt seine Tochter Toni (Mercedes Müller) mit Reinhard Gehlen (Martin Wuttke) in Kontakt. Sie bekommt eine Stelle als Fremdsprachensekretärin bei der Organisation Gehlen, dem Vorläufer des heutigen Bundesnachrichtendienstes BND. Pressestelle © ARD/Odeon Fiction/Zuzana Panská Bild in Detailansicht öffnen
Bonn, 1954: Die Hauptstadt mitten im Kalten Krieg. Die 20-jährige Toni Schmidt (Mercedes Müller) kehrt nach einem Sprachaufenthalt in London in die Heimat zurück. Der Aufschwung des Wirtschaftswunders ist deutlich spürbar. Pressestelle © ARD/Odeon Fiction/Zuzana Panská Bild in Detailansicht öffnen
Otto John, Leiter des Bundesverfassungsschutzes, ist überzeugt, dass Tonis Chef Gehlen Altnazis unterstützt. Er setzt seinen besten Mitarbeiter Wolfgang Berns (Max Riemelt) auf Toni an, um sie als Spionin für seinen Nachrichtendienst anzuwerben. Pressestelle © ARD/Odeon Fiction/Zuzana Panská Bild in Detailansicht öffnen
Toni (Mercedes Müller) verfügt als enge Mitarbeiterin von Geheimdienstchef Reinhard Gehlen (Martin Wuttke) über streng geheime Informationen und gerät zwischen die Fronten. Pressestelle © ARD/Odeon Fiction/Zuzana Panská Bild in Detailansicht öffnen
Wolfgang Berns (Max Riemelt) untersucht im Auftrag von Otto John die Seilschaften im Altnazi-Milieu. Pressestelle © ARD/Odeon Fiction/Zuzana Panská Bild in Detailansicht öffnen
Toni Schmidt (Mercedes Müller) sehnt sich nach Selbstbestimmung und stellt das für sie vorgesehene Leben in Frage. Pressestelle © ARD/Odeon Fiction/Zuzana Panská Bild in Detailansicht öffnen

Eine junge Fremdsprachensekretärin im Zentrum der Intrigen

Alte Freunde: dazu gehört Gerd Schmidt, der seine Tochter Toni als Fremdsprachensekretärin bei Gehlen unterbringt. Ihre Familie gehört zwar zum größtenteils erfundenen Personal der Serie, sie wird aber zu ihrem emotionalen Zentrum.

Denn in der Familie spiegeln sich, so wie man das von einer historischen Eventserie erwarten kann, die Themen der Zeit: Der Bruder, der immer noch nicht von der Front zurück ist. Der Verlobte, der als Fernseherverkäufer vom Wirtschaftswunder profitieren und eine Familie gründen will. Und Toni selbst, die sich stattdessen bilden und in der männerdominierten Berufswelt ihren eigenen Weg gehen will. Und die nicht ahnt, dass schon bald ein Agent auf sie angesetzt wird, um an Gehlen und seine Naziverbindungen heranzukommen.

„Bonn – alte Freunde, neue Feinde“ (Foto: Pressestelle, © ARD/Odeon Fiction/Zuzana Panská)
Mercedes Müller spielt die 20-jährige Toni Schmidt, die eine Stelle als Fremdsprachensekretärin bei der Organisation Gehlen bekommt. Pressestelle © ARD/Odeon Fiction/Zuzana Panská

Ein frischer und aktueller Blick in die 1950er-Jahre

Erstmal ist „Bonn – Alte Freunde, neue Feinde“ eine toll ausgestattete Serie, die einen frischen Eindruck der Zeit vermittelt, die zwischen Trümmerjahren und 60er-Jahre-Lockerheit liegt. Die Wunden der Nazizeit sind noch nicht ansatzweise verarbeitet, aber die verschiedensten Kräfte blasen schon zur antikommunistischen Aufrüstung, dem neuen Feind.

Zwischen der Ausrichtung der beiden Geheimorganisationen scheint sich der künftige Weg der jungen Westrepublik zu entscheiden. Das macht die kaum bekannte Story aus heutiger Sicht spannend und sogar verblüffend aktuell, denn die Untergrundaktivitäten, die es in den 50ern tatsächlich gab und die ganz bewusst an alten Seilschaften andockten, wirken im Licht von Reichsbürgerputschgelüsten nochmal deutlich heftiger.

Trailer zu „Bonn – Alte Freunde, neue Feinde”:

Gute Unterhaltung ohne gängige Agentenserien-Klischees

Mit ihrem aufgekratzt symphonischen Soundtrack wirft die Serie ein paar ambitionierte Blicke Richtung „Babylon Berlin“, aber auch wenn sie „Bonn“ im Titel führt, und der Name Adenauer ab und zu hindurchweht, spielt hier der Geist des Ortes eine eher untergeordnete Rolle. Als Agentenserie, die nicht die gängigen Schlapphut-Actionklischees bedient, ist sie gute Unterhaltung. Und birgt genug Stoff für eine weitere Staffel.

Neue ARD-Serie „Bonn – Alte Feinde, neue Freunde“: Gründungsgeschichte der BRD-Geheimdienste

Die historische Miniserie ist ein politischer Thriller zwischen rivalisierenden Geheimdiensten und Seilschaften im Altnazi-Milieu. Eine junge Frau gerät zwischen diese Fronten und stößt dabei auf dunkle Geheimnisse, die auch ihre eigene Familie betreffen. Die Drama-Serie beruht auf wahren Begebenheiten im Spannungsfeld des Kalten Krieges.

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