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Im Sommer 2021 gab der Mord an dem Afroamerikaner George Floyd in den USA der „Black Lives Matter“-Bewegung neuen Schwung, weltweite Proteste gegen Rassismus waren die Folge. Der sympathische ARD-Film „Herren“ von Dirk Kummer war da schon fertig. Es ist das erste Mal, dass in einem deutschen Fernsehfilm alle Hauptrollen von Schwarzen Darstellerinnen und Darstellern gespielt werden.

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Ein Capoeira-Meister in Berlin

Ezequiel ist Brasilianer — ein echter Capoeira-Meister in Berlin. Bei seiner Capoeria-Schule hat er aber gekündigt, weil er bei der Neubesetzung der Schulleitung übergangen wurde. Auf Aushilfsjobs hat er eigentlich keine große Lust, aber ein Jobangebot als Fahrer im „Denkmalschutz“ interessiert ihn.

Der „Denkmalschutz“ entpuppt sich aber als Witz. Rinaldos Kleinstunternehmen reinigt nämlich historische Pissoirs. „Denkmalhygiene“ für die sogenannten „Café Achtecks“ von Berlin — schmiedeeiserne Relikte aus der Kaiserzeit, reine Herrentoiletten.

„Herren“ von Regisseur Dirk Kummer (Foto: Pressestelle, BR)
Capoeira unterrichten, das ist das Leben von Kampfsport-Meister Ezequiel (Tyron Ricketts), der den Sport mehr als alles andere liebt. Pressestelle BR Bild in Detailansicht öffnen
Als er bei einer Beförderung jedoch übergangen wird, kündigt er kurzerhand in der Kampfsport-Schule und begibt sich auf neue Jobsuche: Alles andere als einfach für einen Einwanderer ohne Ausbildung. Pressestelle BR Bild in Detailansicht öffnen
So landet er erstmal als "Fahrer für Denkmalschutz" bei dem Kleinunternehmer Reynaldo (Komi Mizrajim Togbonou) und dessen jungem Kollegen Jason (Nyamandi Adrian Mushayavanhu). Pressestelle BR Bild in Detailansicht öffnen
Obwohl "Denkmalschutz" nach einem spannenden Job klingt, verbringen die Männer ihre Zeit meistens mit dem Reinigen von öffentlichen Toiletten. Pressestelle BR Bild in Detailansicht öffnen
Für Ezequiel ist die Tätigkeit deutlich unter seiner Würde, weshalb er sie seiner Frau Marta (Dalila Abdallah) und seinem Sohn Stevie (Pablo Grant) verheimlicht. Pressestelle BR Bild in Detailansicht öffnen
Als Ezequiel dann erfährt, dass sein Sohn lieber eine Friseurlehre beginnen möchte, als zu studieren, versteht er die Welt nicht mehr. Pressestelle BR Bild in Detailansicht öffnen

Männerfreundschaft statt Integrationsfragen

Tyron Ricketts, Nyamandi Adrian und vor allem Komi Mizrajim Togbonou als Rinaldo sind hervorragende Darsteller und sie dürfen hier Figuren spielen, bei denen es kein bisschen um Integrationsfragen geht. Eher um Männerfreundschaften und Berliner Kiez-Romantik. Diese „Herren“ suchen nicht das große Drama, bestenfalls ruhen sie in sich: lässig, selbstironisch und auch ein bisschen stolz.

People of Colour mit Humor dargestellt

Man kann dem Film von Dirk Kummer vorhalten, dass er die rassistischen Angriffe oder den frustrierenden Alltag schwarzer Menschen in deutschen Großstädten mit netten Chansonmelodien entschärft und konventionelle Fernsehdramaturgie bedient. Aber er testet auf sehr sympathische Weise die Möglichkeiten, People of Colour mit Humor darzustellen — jenseits der stereotypen Rollen als Geflüchtete oder Drogendealer. Und gibt ihnen damit eine Selbstverständlichkeit, die man so im deutschen Fernsehen noch nicht gesehen hat.

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