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Lange war die Darstellung von schwulen Männern im deutschen Fernsehen entweder tabu oder krampfig. Mittlerweile gibt man sich zwar in vielen Filmen und Serien divers und tolerant, aber erst 2021 macht eine Serie aus Deutschland schwule Beziehungen zum Hauptthema: „All you need“ ist eine fünfteilige Dramedy mit komödiantischem Unterton, deren Dramafaktor eher gegen Soap Opera tendiert.

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All you need (is love)

Die Freunde und Mitbewohner Vince und Levo brauchen offensichtlich unterschiedliche Dinge: der eine verschickt intime Bilder übers Internet, der andere beschließt, die WG zu verlassen und mit Tom, dem Mann seiner Träume, zusammen zuziehen. Der hat sich erst mit Anfang 40 geoutet, Frau und Sohn verlassen. Und steht nun zwischen den beiden best friends.

Filmstill (Foto: ard-foto s1, UFA Fiction)
Der Medizinstudent Vince (Benito Bause) lebt mit dem Webdesigner Levo (Arash Marandi) in einer WG (hier mit Nachbarin Sarina (Christin Nichols)). Die beiden sind beste Freunde und dennoch unterschiedlich. ard-foto s1 UFA Fiction Bild in Detailansicht öffnen
Vince (Benito Bause) hatte mit Ende zwanzig noch nie eine Beziehung und lernt Männer auf Dating Apps oder in Clubs kennen. ard-foto s1 UFA Fiction Bild in Detailansicht öffnen
Als Levo in die spießige Vorstadt zu seinem neuen Partner Tom (Mads Hjulmand) zieht, beginnt sich auch bei Vince etwas zu ändern. ard-foto s1 UFA Fiction Bild in Detailansicht öffnen
In einem Club lernt er den Fitnesscoach Robbie (Frédéric Brossier) kennen. Der ist nicht nur dreist, sexy und geheimnisvoll, sondern auch komplett anders als zunächst gedacht. ard-foto s1 UFA Fiction Bild in Detailansicht öffnen
Der Statuswechsel von „Single“ zu „Beziehung“ stellt Vince und Robbie ebenso wie Levo und Tom vor Herausforderungen. Wieviel Freiheit darf die Sicherheit kosten? ard-foto s1 UFA Fiction Bild in Detailansicht öffnen

Sympathisch unspektakulärer Blick auf eine schwule Hipster-Community

„All you need“ wirft größtenteils einen sympathisch unspektakulären Blick auf eine schwule Hipster-Community in Berlin, bei der ein guter Body oder ein auffälliges Outfit auch zur Selbstermächtigung dienen und zum Schutz vor blöden Sprüchen und abschätzigen Blicken. Gegen den Alltagsrassismus hilft das dem Schwarzen Vince allerdings auch nicht viel, so dass er seine Homosexualität in der Öffentlichkeit lieber versteckt.

Schauspieler hätten bessere Dialoge verdient

Die Serie zeigt zwischen Herrenklo und Küchentisch so viel Schwulensex wie es in den letzten 40 Jahren zusammen im Fernsehen gab. Aber sie gibt ihren Figuren zu wenig Raum. Möglicherweise liegt das an der Form der Dramedy, mit der einiges aufgewirbelt, von einem komödiantischen Unterton aber schnell auch wieder glattgezogen wird.

Nur ein nett anzusehende Schwulenpanorama

Die guten Schauspieler um Benito Bause und Frederic Brossier hätten lebendigere Dialoge verdient. So bleibt der Eindruck, dass hier ein nett anzusehendes Schwulenpanorama entworfen wird, dessen Dramafaktor eher Richtung Soap Opera tendiert. Und damit ist wenig geholfen.

Dennoch muss man auch im Jahr 2021 leider erstmal den Mut loben, eine solche Serie überhaupt zu produzieren und ins öffentlich rechtliche Angebot zu bringen. Gegenüber England oder den USA sind wir da immer noch weit hinterher.

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