Kino: "Isle of Dogs" von Wes Anderson Hunde-Helden auf der Müllinsel

Filmkritik von Julia Haungs

Er ist 2019 nominiert für einen Oscar als bester Animationsfilm: Im Februar 2018 eröffnete Wes Andersons "Isle of Dogs – Ataris Reise" als erster Animationsfilm überhaupt die Berlinale. Im Mai 2018 kam der Film des Regisseurs von "Grand Budapest Hotel" in die deutschen Kinos. Die Handlung führt in ein düsteres Japan der nahen Zukunft.

Eben noch der beste Freund des Menschen, dann verbannt auf eine Gefängnis-Insel vor der Stadt. In Wes Andersons dystopischer Vision vom Japan der nahen Zukunft leben die Hunde wie Aussätzige auf einer vermüllten Insel: Krank, verdreckt und abgemagert kämpfen sie um jedes Stück Abfall, das sie finden und bemühen sich doch, ihre Würde zu bewahren.

Nah am berühmtesten Hund der Filmgeschichte

Der 12-jährige Atari kommt auf die Insel, um seinen Hund Spots zu suchen. Wie es sich für vorbildliche Leinwandhunde gehört, unterstützt ihn die Insel-Gang bei seinem Abenteuer.

Diese Underdogs mögen zwar nicht so glänzend gekämmt sein wie Lassie. An Edelmut und Aufopferungswillen stehen sie dem berühmtesten Hund der TV-Geschichte aber in nichts nach.

xxxAbgefilmte Puppenstuben

Die Filme von Wes Anderson erinnern in ihrem ausgeprägten Stilbewusstsein und der Liebe zur verspielten Ausstattung zuweilen an abgefilmte Puppenstuben. Auch "Isle of Dogs" besticht durch einen überbordenden Reichtum an Ideen.

Jedes Szenenbild ist mit unzähligen Details ausgeschmückt, die man beim ersten Sehen nur ansatzweise wahrnimmt. Setzte zuvor die Realität Anderson noch gewisse Grenzen, so lassen die Möglichkeiten des Animationsfilms seine Phantasie ins Uferlose wachsen.

xxxSchleppende Story

Für die Story wird es über all den Einfällen allerdings mitunter schwer, einen Fokus zu finden und von der Stelle zu kommen. "Isle of Dogs" geht ganz in der japanischen Kultur auf, mit einer Hommage an die Ästhetik großer Filmemacher wie Akira Kurosawa.

Zwar spielt der Film in einer nahen Zukunft. Doch Anderson drückt auch dieser futuristischen Welt seinen Retro-Stempel auf. Schon allein durch das eigentümliche Ruckeln der Stop-Motion-Animation bekommt der Film einen nostalgischen Touch. In 130.000 handgefertigten Standbildern kreiert der Regisseur sein eigenes Universum, inklusive einer endzeitartigen Märchenlandschaft aus weggeworfenen Dingen.

Düsterer Blick in die Zukunft

Mag die Ästhetik von "Isle of Dogs" verspielt sein, verniedlichend ist sie im Gegensatz zum Gros der animierten Tierfilme nicht. Andersons Vision der zukünftigen Gesellschaft ist eine düstere, die Farben überwiegend dunkel, die Charaktere hart, ihre Gesichter kalt und fratzenhaft.

In seinem letzten Film „Grand Budapest Hotel“ beschäftigte sich Anderson mit der Welt von gestern, dem Aufstieg des Totalitarismus. Sein aktueller Film spannt den Bogen zur Welt von morgen, in der die Demokratie nur noch eine leere Hülle ist.

Der hundehassende Bürgermeister von Megasaki ist ein typischer Populist: Machtgierig, skrupellos und manipulativ. Immer eine Lüge zur Hand, um die Bevölkerung mit dem Schüren hysterischer Ängste unter Kontrolle zu halten.

Ein ernsthafter Film trotz Witz und Poesie

So ist "Isle of Dogs" bei allem Witz und aller Poesie ein sehr ernsthafter Film, der einem Unbehagen am Zeitgeist Ausdruck verleiht.

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