Dokumentation

Oscar-nominierte Animationsdoku: „Flee“ von Jonas Poher Rasmussen beim Trickfilm Festival Stuttgart

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Der für drei Oscars nominierte animierte Dokumentarfilm „Flee“ des dänischen Regisseurs Jonas Poher Rasmussen ist eines der Highlights beim 29. Internationalen Trickfilm Festival Stuttgart. Er erzählt die Geschichte eines Freundes von Rasmussen, der als Kind aus Afghanistan fliehen musste. Obwohl sich dieser in Dänemark ein erfolgreiches Leben aufgebaut hat, machen ihm die Schatten der Vergangenheit das Leben schwer.

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„Es ist die wahre Geschichte von Amin Nawabi, den seine Vergangenheit auch in seinem erfolgreichen Leben als Akademiker und offen homosexuell lebender Mann nicht loslässt.“

„Der Ursprung der Geschichte liegt in unserer Freundschaft“, sagt Regisseur Jonas Poher Rasmussen. Er habe Amin kennengelernt, als er 15 war, in seinem kleinen dänischen Dorf. Amin war ganz allein, und natürlich sei schon damals diese Frage aufgekommen, wie und er dort in Dänemark gelandet war. „Aber er wollte damals noch nicht darüber sprechen.“, erzählt Regisseur Jonas Poher Rasmussen.

Flee von Jonas Poher Rasmussen (Foto: Pressestelle, FinalCutforReal)
Amin Nawabi: „Wenn du als Kind flüchtest – braucht es Zeit, bis du Menschen vertraust. Du bist ständig auf der Hut. Immer. Auch wenn du an einem sicheren Ort bist, bist du weiter auf der Hut.“ Pressestelle FinalCutforReal

Hybride Form aus Animationen und Archivmaterial

Jahrelang hatte Rasmussen die Idee begleitet, die Geschichte seines Freundes zu erzählen. Um dessen Anonymität zu wahren, setzte er sie schließlich ohne dokumentarisches Originalmaterial aus seinem Leben um. Erinnerungen, Albträume, Ängste werden mit Hilfe von Animationen sichtbar, die ein Team von Animator*innen von Hand gezeichnet haben. Zwischen die Erinnerungen mischen sich kurze Ausschnitte mit Filmarchivmaterial der 70er bis 90er Jahre, darunter Bilder aus Amins Heimat Kabul und aus Russland, wohin die Familie fliehen musste, nachdem der Vater verschleppt wurde.

Flee von Jonas Poher Rasmussen (Foto: Pressestelle, FinalCutforReal)
Es ist die wahre Geschichte von Amin Nawabi, den seine Vergangenheit, auch in seinem erfolgreichen Leben als Akademiker und offen homosexuell lebender Mann, nicht loslässt. Pressestelle FinalCutforReal

Animationen können Erfahrungen darstellen, zu denen es keine Bilder gibt

Das Archivmaterial erinnert daran, dass der Film im Kern eine Dokumentation ist – keine Fiktion. Durch den hybriden Aufbau können auch Erfahrungen dargestellt werden, von denen es sicher kaum Bilder gibt – die Flucht selbst, Misshandlung durch Menschenhändler, der Abschiedsschmerz von der Heimat.

Kindheits-Erinnerungen schemenhaft skizziert

Der Zeichenstil wird umso abstrakter, je weniger Erinnerungen Amin an die Erlebnisse hat – weil sie etwa aus der frühen Kindheit stammen, oder sie besonders schmerzhaft sind – wie der Tag, an dem sein Vater abgeholt wird. Manchmal bleiben nur schemenhafte Skizzen.

Der ungewöhnliche Stil lässt die Geschichte aber nicht weniger eindringlich wirken. Manchmal irritieren die Wechsel zwischen Archivmaterial und den zum Teil fast abstrakten Bildern – sie erreichen aber, dass man sich dem Protagonisten fast noch näher fühlt – als könnte man direkt in seinen Kopf schauen.

Trailer: Flee (mit deutschen Untertiteln)

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