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„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, der Lebensbericht der Christiane F., konfrontierte viele Ende der 1970er-Jahre zum ersten Mal mit Heroinsucht, Beschaffungskriminalität oder Kinderprostitution. Die neue achtteilige Fernsehserie bei Amazon Prime von Philipp Kadelbach glänzt mit einem großartigem jungen Schauspielerensemble, erinnert aber stellenweise an ein zu lang geratenes Musikvideo, ein stylisher Trip in die Drogenhölle.

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Stylisher Trip in die Drogenhölle

Die Einladung von zwei Stern-Journalisten, die eigene Drogengeschichte zu erzählen, kommt ganz zum Schluss. Da haben wir schon über 400 Minuten Berliner Jugend- und Stricherszene, Familiendramen und gescheiterte Entziehungskuren hinter uns. Das Ganze ist aber nur frei angelehnt an Christiane F.s Bericht und nicht nur aus ihrer eigenen Sicht. Die Serie erzählt die Geschichte einer Clique, mit einigen veränderten oder hinzuerfundenen Figuren, und sie erzählt sie als stylishen Trip in die Drogenhölle.

„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Drehbuchautorin Annette Hess und Regisseur Philipp Kadelbach (Foto: Pressestelle, Amazon Prime Video)
Mit 12 raucht Christiane F. (Jana McKinnon) zum ersten Mal Haschisch, mit 14 Jahren verkauft sie ihren Körper auf dem Kinderstrich am Bahnhof Zoo, um sich ihren Heroinkonsum zu finanzieren. Aber wie kam es zu diesem tiefen Absturz? Pressestelle Amazon Prime Video Bild in Detailansicht öffnen
Im Berlin der 1970er Jahre schließen sich die sechs Jugendlichen Christiane, Stella, Babsi, Benno, Axel und Michi zusammen, um ihren Traum von Freiheit und Glück zu verwirklichen. Pressestelle Amazon Prime Video Bild in Detailansicht öffnen
Um die Probleme mit Schule, Eltern und der eigenen Pubertät zu verdrängen, stürzen sich die Jugendlichen ins Berliner Clubleben, wo sie schnell ihre ersten Erfahrungen mit Drogen machen. Pressestelle Amazon Prime Video Bild in Detailansicht öffnen
Christiane und ihre Freundinnen Babsi (Lea Drinda) und Stella (Lena Urzendowsky) sind auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, doch sie eint das kaputte Elternhaus, von dem sie sich mit aller Kraft loslösen wollen. Pressestelle Amazon Prime Video Bild in Detailansicht öffnen
Als die Clique schließlich mit harten Drogen in Berührung kommt, rutschen alle in die Sucht ab. Von nun an dreht sich das Leben der Gruppe nur noch um Heroin. Pressestelle Amazon Prime Video Bild in Detailansicht öffnen
Bald schon wird die Sucht nach der Droge so stark, dass sich die Jugendlichen neue Wege überlegen müssen, wie sie an Geld für den nächsten Schuss kommen. Pressestelle Amazon Prime Video Bild in Detailansicht öffnen
Christiane und ihre Freunde landen auf dem Kinderstrich des Bahnhof Zoo, wo ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird. Pressestelle Amazon Prime Video Bild in Detailansicht öffnen
Zwischen Teenagerproblemen, Drogensucht und Prostitution zerbrechen ihre Bündnisse und der Sturz in den Abgrund rückt unaufhörlich näher. Pressestelle Amazon Prime Video Bild in Detailansicht öffnen

Keine tiefschürfenden Antworten

Wie kommt ein 13-jähriges Mädchen dazu, anschaffen zu gehen, die Eltern zu belügen und zu beklauen, über den Balkon einer Entzugsklinik zu türmen, nur um sich ein halbes Gramm Heroin zu spritzen? Allzu tiefschürfend sind die Antworten nicht, die diese „Kinder vom Bahnhof Zoo“ geben können.

Möglicherweise erwartet man auch zu sehr die didaktisch heilsamen Schockwirkungen, wie sie Christiane F.s Buch ausgelöst hat oder auch der spätere Film von Uli Edel. Die Stärke der Serie, die sie über die acht Folgen etwas überreizt, ist die emotionale Nähe zu ihren Figuren und ihr ästhetischer Look, der noch den teuflischsten Turkey einigermaßen gut aussehen lässt.

Überzeugendes junges Schauspiel- Ensemble

Keine Frage, das junge Schauspiel- Ensemble ist großartig gecastet, Jana McKinnon als Christiane, Michelangelo Fortuzzi als Benno und vor allem mal wieder Lena Urzendwosky als Stella haben einen starken Auftritt. Mit Locken und Lederjacke, Augen auf Halbmast und „Mir-kann-keiner-was-Attitüde machen sie die späten 70er-Jahre und die Schwierigkeiten des Heranwachsens erlebbar.

Das ist cool, abstoßend, auch berührend, ja. Zu oft erinnert die Serie aber an ein zu lang geratenes Musikvideo, das die Augenhöhe mit den Jugendlichen sucht und dabei den Fokus verliert, irgendwo zwischen „Trainspotting“ und „Keine Macht den Drogen“.

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