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„Alles ist Eins - außer der 0.“: Dokumentarfilm zum Chaos Computer Club (CCC)

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Hacker - sie haben noch immer bei vielen Menschen einen zweifelhaften Ruf. Und wenn man sich dann noch Chaos Computer Club nennt, sehen manche nur Chaoten am Werk.

Dabei ist der Chaos Computer Club (CCC) längst ein wichtiger Helfer der Behörden geworden, etwa wenn es um Elektronische Gesundheitskarte, Überwachung im öffentlichen Raum oder die Corona-Warn-App geht, aber eben auch ein nützlicher kritischer Begleiter dabei, dass Bürgerfreiheiten nicht durch solche an sich nützlichen Techniken gefährdet werden.

Jetzt erzählt ein Dokumentarfilm die Geschichte des CCC, vor allem seiner Anfänge um 1980.

Wau Holland als Pionier der Bürgerrechte

Die Welt bestehe aus Materie und Information. Information sei unbegrenzt. Deshalb müsse sie frei sein - der das sagt auf einem grisseligen, verpixelten alten Video in schlechtem Englisch ist einer der Wortführer der frühen deutschen Hackerszene: Wau Holland oder „Dr.Wau“.

Alles ist eins - außer der Null (Foto: Pressestelle, Neue Visionen Filmverleih)
Dr. Wau sieht aus wie ein Waldschrat, wie ein Inbegriff des Klischees vom Computernerd und bürgerlich heißt er Herwart Holland-Moritz. Von ihm und von seinem besten Einfall erzählt dieser Film. Pressestelle Neue Visionen Filmverleih

Früher waren sie Bürgerschrecks, vierzig Jahre später gehören sie zu den letzten Mohikanern der Grund- und Bürgerrechte im klassischen Verständnis. Der "Chaos Computer Club", kurz CCC.

Eine Alternativkultur der Nach-68er

Der CCC ist eine Gründung aus der Alternativkultur der sogenannten Nach-68er. Die neuen Öffentlichkeiten mit ihren eigenen Regeln, schneller Kommunikation, selbstgebastelten Programmen und dezentraler Technik ohne große Kosten und Hierarchien sollten der Raum für eine Gegenöffentlichkeit und die Veränderung der Gesellschaft werden.

„Computerfreaks“ nannten sie noch lange all diejenigen, die das für Spinnerei oder Utopismen hielten. Was wirklich dahinter steckt, und warum dies eine der interessantesten Episoden der neueren deutschen Kulturgeschichte ist, zeigt jetzt der Dokumentarfilm von Klaus Maeck und Tanja Schwerdorf.

Man war schlauer und nutzte andere Mittel wie die 68er

Der Film taucht zunächst ein in eine vergessene und bis heute schwer verständliche, nur Eingeweihten erschlossene Welt. Es ist die Welt der Sub- und Gegenkultur, die ausgehend von den Hippies, den Spontis und der kulturellen Revolte von 1968 weite Teile der deutschen Jugendkultur mitprägte, und die ersten deutschen Hacker beeinflusst hat.

Plötzlich war Science-Fiction interessant, man las Perry Rhodan statt Karl May, Philip K. Dick statt Hermann Hesse aber auch Fantasyromane wie „Herr der Ringe“ und Konspiratives wie die „Illuminatus“-Trilogie, sowie den „Whole Earth Catalogue“.

Aus diesen Denk- und Lebenswelten gründete sich der CCC. Der Geist der Anarchie und des Widerstandes war derselbe wie der der 68er, aber man war schlauer, und versuchte es mit anderen Mitteln.

Problematiken rund um Kontroll- und Sicherheitstechnik sollten addressiert werden

Der Film greift auf wunderbares Archivmaterial zurück und zeigt die gewitzten Aktionen der Hacker, ergänzt durch Interviews aus der damaligen Zeit.

Als Kommunikationsguerilla wollte man subversiv Sicherheitslücken anprangern und auf die Problematik einer allmählich immer krakenhafter um sich greifenden Kontroll- und Sicherheitstechnik eingehen.

Im Laufe seiner gut 40-jährigen Geschichte hat der Chaos Computer Club immer wieder mit spektakulären Hackeraktionen die von Industrie- und Geheimdienstlobbyisten vollmundig angepriesenen digitalen Sicherheitskonzepte in ihren Schwächen entlarvt.

Witz trifft auf Aufklärungswillen

Dabei lag ein Stück Witz direkt neben dem ernsthaften Aufklärungswillen und der Sorge über einen allmächtigen Überwachungsstaat.

So entsteht ein präzises, treffendes und sehr unterhaltsames Porträt des rebellischen Geistes um 1980, des Kampfes um freien Zugang zu Informationen und demgegenüber der heutigen Lage im World Wide Web, in der von den einstigen Träumen nicht mehr viel übrig ist.

19.11.1984 Chaos Computer Club wird öffentlich bekannt

19.11.1984 | Der Chaos Computer Club ist heute eine anerkannte Nichtregierungsorganisation, die sich für Datensicherheit engagiert. 1984, als der CCC erstmals öffentlich bekannt wurde, war er vielen Menschen suspekt: Leute, die die Daten anderer Leute anzapfen! Das Wort „Hacken“ war damals noch kaum geläufig. Gegründet wurde der Chaos Computer Club schon 1981 in Berlin in den Redaktionsräumen der taz. Aber dann ging es in Hamburg weiter. Öffentlich bekannt wurde der Chaos Computer Club 1984, als er in einer spektakulären Aktion ein Benutzerkonto der Hamburger Sparkasse knackte.  mehr...

Zeitwort 12.9.1981: Hacker gründen in Berlin den Chaos Computer Club

Das Treffen fand in den Redaktionsräumen der taz statt: „Wir reden über internationale Netzwerke – Kommunikationsrecht - Programmiersprachen –…und was auch immer“.  mehr...

SWR2 Zeitwort SWR2

SWR2 Feature Magier der digitalen Welt – Wer bezahlt die Hackerszene?

Hacken als autoritätskritischer Widerstand gegen Datenkraken und Überwachungsstaat. Doch wie passt die Finanzierung der Hackakivisten zu diesem Bild? Viele lassen sich von Militär und Regierungen bezahlen.  mehr...

SWR2 Feature SWR2

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