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„Alles in bester Ordnung“ – Komödie mit Corinna Harfouch, Daniel Sträßer und einer vollgestopften Wohnung

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Minimalistischer Aufräumfanatiker trifft auf sammelwütige Horterin: Zusammen müssen sie es in einer vollgestopften Wohnung aushalten. „Alles in bester Ordnung“ ist eine Komödie über das Festhalten-Wollen und Loslassen- Müssen. In den Hauptrollen eine famose Corinna Harfouch und eine Wohnung, die einem lebendigen Organismus gleicht. Ein kleiner, feiner Film und das Regiedebüt der Schauspielerin Natja Brunkhorst.

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Lebendiger Organismus als Wohnraum

Wenn Ordnung das halbe Leben ist, dann lebt Marlen in der anderen Hälfte. In ihrer Wohnung stapeln sich die Bücher meterhoch. Von der Decke baumeln Klamotten. Nur noch schmale Gänge führen durch das wilde Sammelsurium an Dingen, von denen sich die ältere Frau nicht trennen kann. Eine Messiewohnung ist es trotzdem nicht. Das vermeintliche Chaos ist sorgfältig arrangiert, und jedem Gegenstand bringt Marlen Wertschätzung entgegen.

In ihrer verrückten Fülle gleicht die Wohnung einem lebenden Organismus, den Marlen sorgfältig nach außen abschirmt. Eigentlich. Denn nach einem Wasserschaden in der Oberwohnung zieht ausgerechnet der ordnungsfanatische IT-Techniker Fynn bei ihr ein. Dessen persönliches Eigentum passt in einen Koffer mit maximal 100 abgezählten Dingen. Jedes Zuviel macht ihn nervös.

Filmstill (Foto: ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau)
Marlen (Corinna Harfouch) ist früher durch die Welt gereist, draußen strahlt sie, aber ihre Wohnung hat sie mit Gegenständen vollgestellt. ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau Bild in Detailansicht öffnen
Sie ist eine leidenschaftliche Sammlerin. Alles ist zu wertvoll, zu bedeutend, um es wegzuschmeißen. ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau Bild in Detailansicht öffnen
Fynn (Daniel Sträßer) dagegen will mit nur 100 Dingen durch die Welt gehen. ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau Bild in Detailansicht öffnen
„Ordnung ist das halbe Leben!“, sagt er. „Willkommen in der anderen Hälfte!“, antwortet sie. ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau Bild in Detailansicht öffnen
Das ist der Humor und der Kampfstil, den sie von jetzt an pflegen. ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau Bild in Detailansicht öffnen
Marlen und Fynn- stärker könnten die Gegensätze nicht sein. Doch Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau Bild in Detailansicht öffnen
Regisseurin und Drehbuchautorin Natja Brunckhorst über die Idee zu „Alles in bester Ordnung“: „Der Film ist eine Hommage an meine Mutter... Sie war sehr humorvoll, sehr charmant, auch eine schöne Frau, und sie hatte zu viele Dinge. Ich glaube, es wäre gut für sie gewesen, wenn so ein Fynn bei ihr vorbeigekommen wäre.“ ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau Bild in Detailansicht öffnen

Corinna Harfouch und Daniel Sträßer überzeugen

Was Marlen und Fynn verbindet, ist ihre Einsamkeit. Ansonsten könnten sie gegensätzlicher nicht sein. Regisseurin und Drehbuchautorin Natja Brunckhorst hat ihnen zusammen mit Martin Rehbock witzige Dialoge geschrieben, in denen ihre Lebenseinstellungen aufeinanderprallen. Corinna Harfouch als spröde Marlen und Daniel Sträßer als sympathisch-analytischer Fynn spielen sich die Bälle schnell und platziert zu. Die Frage, was unser Verhältnis zu den Dingen eigentlich über uns selbst aussagt, wird so in einem leichten, aber nie oberflächlichen Ton verhandelt.

Filmstill (Foto: ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau)
Regisseurin und Drehbuchautorin Natja Brunckhorst über die Idee zu „Alles in bester Ordnung“: „Der Film ist eine Hommage an meine Mutter... Sie war sehr humorvoll, sehr charmant, auch eine schöne Frau, und sie hatte zu viele Dinge. Ich glaube, es wäre gut für sie gewesen, wenn so ein Fynn bei ihr vorbeigekommen wäre.“ ©FILMWELT, Foto: LICHTBLICK/Niklas Lindschau

Gelungenes Kino-Debüt von Natja Brunckhorst

„Alles in bester Ordnung“ ist ein kleiner, feiner Film. Die Figurenkonstellation bewegt sich zwischen Ablehnung und Annäherung zwar in vorhersehbaren Bahnen. Trotzdem wartet die melancholische Wohlfühlkomödie mit einigen originellen Einfällen auf. Der heimliche Star des Films ist sowieso Marlens Wohnung, die Bühnenbildnerin Zazie Knepper als faszinierenden Mikrokosmos in Szene setzt. Am Ende präsentiert sich dieser nochmal von einer ganz anderen Seite. Manchmal muss man gar nicht radikal ausmisten, um das eigene Leben neu zu sortieren.

Trailer „Alles in bester Ordnung“, ab 26.5. im Kino

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