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Die Serie „Sex“ erzählt in Kurzfilmepisoden die Geschichte einer jungen Frau, die zwischen ihrem langjährigen Freund und der Affäre mit einer Kollegin hin und her gerissen ist. Eine sehr zärtliche, leichthändig erzählte Beziehungsgeschichte mit toller Musik, die die Atmosphäre setzt, die Bilder trägt oder einfach mal als Trostpflaster dient.

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Beziehungskrise bei Cathrine und Simon

Cathrine und Simon sind ein Pärchen Anfang 20, sie leben zusammen in Kopenhagen, er ist Musiker, sie arbeitet bei der Sexinfo-Hotline einer Jugendberatungsstelle. Die beiden sind sehr vertraut, witzeln, essen Pizza im Bett. Nur mit ihrem gemeinsamen Sex haut es nicht so richtig hin, Cathrine will mehr, Simon lieber nur kuscheln.

"Sex" von Amalie Fick (Foto: ard-foto s2-intern/extern, Degeto)
Eine laue Sommernacht auf einem Hausdach stürzt die 22-jährige Catherine (Asta Kamma August) in ein Beziehungschaos, das ihre Welt aus den Angeln hebt. ard-foto s2-intern/extern Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Aus einer Sektlaune heraus kommt es zu einem Kuss mit Catherines Kollegin Selma (Nina Therese Rask). ard-foto s2-intern/extern Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Catherine kann den Kuss mit ihrer lesbischen Kollegin nicht vergessen. Immer mehr erotische Fantasien kreisen um Selma. ard-foto s2-intern/extern Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Dabei hat Catherine eigentlich im Musiker Simon (Jonathan Bergholdt Jørgensen) ihren Traummann gefunden. Die beiden führen eine harmonische Beziehung. ard-foto s2-intern/extern Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Doch während Catherine gerne mehr Sex mit ihrem Freund hätte, kommt ihm die Lust immer mehr abhanden. ard-foto s2-intern/extern Degeto Bild in Detailansicht öffnen
Vor ihrer besten Freundin Nanna (Sara Fanta Traore) kann Catherine kaum verbergen, dass bei ihr etwas vor sich geht. ard-foto s2-intern/extern Degeto Bild in Detailansicht öffnen

Flirt mit der Kollegin

Bei einer abendlichen Aufräumaktion im Büro mit Sekt und Zigaretten auf der Dachterrasse kommt sie mit ihrer Kollegin Selma ins Gespräch. Der Abend ist lau, das Reden über Intimes fällt leicht. Gesucht haben sich die beiden nicht, aber sie finden sich.

„Sex“ ist erst mal gar nicht das, wonach es klingt, es ist im Grunde eine sehr zärtliche, leichthändig erzählte Beziehungsgeschichte. Mit toller Musik, die die Atmosphäre setzt, die Bilder trägt oder einfach mal als Trostpflaster dient. Im Zentrum eine junge Frau, die sich eigentlich mehr Nähe zu ihrem Freund wünscht und plötzlich nicht anders kann als an Selma mit den kurzen roten Haaren und den Sommersprossen zu denken.

Über Sex reden ohne rot zu werden

In Dänemark lief die Serie im Rahmen einer Aufklärungswoche im Fernsehen. Ein bisschen Sexualpädagogik passiert tatsächlich, nebenbei, nicht zuletzt während der Telefonate in der Beratungsstelle. Wichtige Erkenntnis: Man kann auch über Sex reden, ohne rot oder vulgär zu werden. Gleichzeitig spielt „Sex“ aber auch mit den Geschlechterklischees, lässt zum Beispiel den Mann, Simon, den körperlich zögerlichen Part spielen. Und Cathrine eine echte „Buddy“-Beziehung mit ihrer Freundin Nanna ausleben.

Keine Quoten-Serie zum Thema Homosexualität

Autorin Clara Mendes und Regisseurin Amalie Næsby Fick hätten sich in ihrer Jugend – vor ihrem eigenem Coming Out – ähnliche Serien oder Filme gewünscht, die offen und vorurteilslos queere Geschichten erzählen. Dennoch wollten sie mit „Sex“ keinen Debattenbeitrag zum Thema Homosexualität liefern.

Liebe öffnet neue Wege

Leider ist der lakonische Charakter der Miniminiserie im Kurzfilmformat in der ARD-Mediathek nicht erhalten geblieben, die Geschichte läuft einfach gut 70 Minuten durch. Aber das tut der Erkenntnis keinen Abbruch, dass Liebe und körperliche Anziehung kein überhitztes Beziehungsdrama auslösen müssen. Aber die Verwirrung, die sie stiften, bis hin zur Identitätskrise, kann viel kaputt machen. Oder neue Wege eröffnen.

Skandinavien bietet mehr als gute Krimis

„Sex“ widerspricht dem Vorurteil, dass man aus Skandinavien in erster Linie nur gute Krimis zu sehen bekommt. Hauptdarstellerin Asta Kamma August bringt ein bisschen Promiglanz mit, sie ist die Tochter von Oscarpreisträger Bille und Schauspielerin Pernilla August. Ihre sehr natürliche und authentische Art macht „Sex“ zu einer sympathischen Ergänzung zu Serien wie „Normal People“ von Sally Rooney oder „Sex Education“. Nur haben diese Titel die deutlich höheren Chancen, bei einer Google-Suche direkt gefunden zu werden.

Serie „Normal People“ — Potential für die beste Serie des Jahres

Die irische Autorin Sally Rooney ist der Shooting Star der englischsprachigen Literatur und gilt als die „wichtigste Stimme der Millennials“. Ihr zweiter Roman „Normal People“ spielt im Irland der späten Nullerjahre. Die hochgelobte Serienadaption ist in Deutschland über den Anbieter Starzplay verfügbar.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Film Ärger im Paradies – „On the Rocks" von Sophia Coppola

Vater und Tochter spionieren den Ehemann der Tochter aus, der möglicherweise fremd geht. Sofia Coppolas „On the Rocks" ist eine Detektivgeschichte in Form einer Komödie und ein Anti-Problemfilm. 17 Jahre nach „Lost in Translation" bietet ihr neuer Film ein Wiedersehen mit Bill Murray. Keine große Filmkunst, sondern eine kleine Fingerübung für den Streaming-Dienst Apple TV.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Serie „Ethno“: Postmigrantische Youtube-Serie von RebellComedy und WDR

Hat man es als junger Mensch mit Zuwanderungsgeschichte besonders schwer im Comedygeschäft? Oder besonders leicht, weil man sich ja immer hinter seinem „Migrationshintergrund“ verstecken kann? Die Miniserie „Ethno“ erzählt die Geschichte von Ben, der dringend Geld verdienen muss, seinen marokkanischen Vater nicht enttäuschen will und dann aus Versehen zum Youtube-Star wird.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Reihe: Sex

Gesellschaft Was guter Sex ist – Eigene Normen setzen (4/4)

Schlechten Sex zu haben ist keine Kunst. Sex wird besser, wenn man nicht nur sich, sondern auch den Partner oder die Partnerin spürt. Guter Sex fängt mit Kommunikation an. Auch nonverbaler.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Gesellschaft Wie wir Sex haben wollen – Die eigene Lust bestimmen (2/4)

Erwachsene können noch eine Menge über Sex lernen. Dass Frauen immer selbstbewusster ihren Körper und ihre Lust entdecken, darüber reden, sich dabei filmen, ist eine Chance, auch für Paare.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Gesellschaft Wann wir Sex haben – Sich selbst erfahren (1/4)

Sex ist überall: im Internet, in Pornos. Doch die gezeigte Vielfalt macht es Jugendlichen nicht leichter, ihre sexuelle Identität zu entwickeln. Gute Aufklärung kann helfen. Und die nimmt zu.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Gesellschaft Warum wir Sex ausprobieren – Grenzen überschreiten (3/4)

Sex hat eine irrationale, unvernünftige Seite. Was wir mögen, hängt oft tief vergraben mit unserer Kindheit zusammen. Manche überschreiten deshalb Grenzen, suchen Rausch, Schmerz, Dominanz.  mehr...

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