STAND
AUTOR/IN

Vater und Tochter spionieren den Ehemann der Tochter aus, der möglicherweise fremd geht. Sofia Coppolas „On the Rocks" ist eine Detektivgeschichte in Form einer Komödie und ein Anti-Problemfilm. 17 Jahre nach „Lost in Translation" bietet ihr neuer Film ein Wiedersehen mit Bill Murray. Keine große Filmkunst, sondern eine kleine Fingerübung für den Streaming-Dienst Apple TV.

Audio herunterladen (4,3 MB | MP3)

Anti-Problemfilm mit Bill Murray

Ein Anti-Problemfilm: In „On the Rocks" haben die Menschen endlich mal keine ernsthaften Sorgen, finanzielle schon gar nicht. Sie leben in schicken Wohnungen und tragen Cartier. Wie in einer Lubitsch-Komödie geht es hier genau genommen um gar nichts, das aber auf souverän unterhaltsame Art und Weise.

Film „On the Rocks“ von Sofia Coppola

"On the Rocks" von Sofia Coppola (Foto: Pressestelle, Apple TV)
Laura (Rashida Jones) hat ihren Mann Dean (Marlon Wayans) im Verdacht, sie mit einer attraktiven Kollegin zu betrügen. Pressestelle Apple TV Bild in Detailansicht öffnen
Bis zu diesem Abend dachte Laura eigentlich immer, dass sie mit ihrem Leben und ihrer Familie sehr glücklich sei. Nun wendet sie sich an einen Mann, von dem sie glaubt, dass er den Durchblick hat: Ihren Vater Felix (Bill Murray). Pressestelle Apple TV Bild in Detailansicht öffnen
Felix ist charmant, impulsiv und besteht darauf, der Sache gemeinsam auf den Grund zu gehen. Pressestelle Apple TV Bild in Detailansicht öffnen
Regisseurin Sofia Coppola (links) mit ihren beiden Hauptdarstellern Rashida Jones (Laura) und Bill Murray (Felix) am Set. 17 Jahre nach „Lost in Translation“ ist „On the Rocks“ die zweite Zusammenarbeit von Coppola und Murray. Pressestelle Apple TV Bild in Detailansicht öffnen

Gatte unter Beobachtung

Laura ist verheiratet. Doch der Mann arbeitet viel, und die zwei Kinder und ihr eigener Hang zu übertriebener Kinderfürsorge sorgen dafür, dass Laura, die eigentlich Bücher schreibt, hier gerade nicht weiterkommt. Dafür hat sie genug Zeit, sich über anderes Gedanken zu machen. Zum Beispiel darüber, ob ihr Mann womöglich mit der attraktive Kollegin ein Verhältnis hat.

Vater-Tochter-Zeit

Der Verdacht ist gar nicht so stark, aber ihr Vater Felix ermuntert Laura, dem Gatten nachzuspionieren. Vielleicht auch nur, weil ihm das Spiel mit den Möglichkeiten Spaß macht, und er so wieder etwas mehr Zeit mit seiner Tochter verbringt. Dieses schnell absurd werdende Versteckspiel treibt die Handlung voran.

Philosophie der Beiläufigkeit

Die Hauptsache aber ist das Zusammensein der beiden Hauptfiguren: Die Gespräche zwischen Tochter und Vater, die Erinnerungen an kleine Momente, die das Leben nicht weniger ausmachen als große Ereignisse und Brüche. So ist dies ein weiteres Kapitel jener Philosophie der Beiläufigkeit, an der Coppola in ihrem Werk seit jeher schreibt. Zugleich ist dies mehr denn je auch ein Film über das Verhältnis zweier Generationen.

Gut bezahlte Fingerübung von Sophia Coppola für Apple TV

Dies ist kein Filmkunstwerk, sondern eine kleine Fingerübung. Man sieht diesen Film tatsächlich an, dass er für einen Streaming-Dienst gemacht ist. Es gibt viel mehr Dialoge als sonst in einem Coppola Film, und es wurde außerordentlich brav geschnitten. Ein Zwischenwerk, gut bezahlt von Apple, wo man sich mit großen Namen schmücken möchte.


Natürlich kann man sich fragen, was uns diese kleine, feine, irgendwie banale, aber gut beobachtete Geschichte en passent über das Verhältnis der Regisseurin Sofia Coppola zu ihrem Vater, dem Hippie Francis Ford, erzählt. Aber derlei Privates ist nur etwas für die Klatschspalten und im Grunde völlig unwichtig.

Film Hypnotischer Rausch – „Ema“ von Pablo Larrain

Tagsüber arbeitet sie als Tänzerin. Nachts zieht sie mit dem Flammenwerfer durch die Straßen oder verliert sich im Rausch des Raggaeton. In „Ema“ porträtiert Pablo Larrain eine ungewöhnliche Frau in einer noch ungewöhnlicheren filmischen Form.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Kinofilm Vom Ursprung des Geldes - „Oeconomia" von Carmen Losmann

Die Regisseurin Carmen Losmann hat sich die Frage gestellt, wo das Geld her kommt, das unsere Wirtschaft überhaupt möglich macht. In Interviews in denen sie dieser und anderen Fragen nachgeht, zeigt sie, dass es sich im Prinzip um ein absurdes Nullsummenspiel handelt, bei dem Zahlen zwischen Soll und Haben hin und hergeschoben werden. "Es funktioniert so lange es funktioniert" - lautet das fatalistische Fazit dieses unterhaltsamen, inhaltsreichen Films.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

STAND
AUTOR/IN