Filmkritik Dauerbekiffter Althippie in "Beach Bum" von Harmony Korine

AUTOR/IN

Harmony Korine zählt zu den wichtigsten Autorenfilmern Hollywoods. Er ist ein Filmemacher, der verstört und aneckt. Nach "Spring Breakers", seinem letzten Film vor sechs Jahren, kommt nun sein neues Werk ins Kino: "Beach Bum", eine Farce über den American Dream und den Kapitalismus. 

Hauptsache Spaß: Drogen, Drinks und Mädchen

Moondog hat in seinem Leben viel Spaß. Eigentlich ist er Dichter, der gelegentlich Lesungen vor seinem grölendem Publikum hält. Die meiste Zeit aber verbringt er mit Bootstrips auf dem Meer oder hängt einfach am sonnenverwöhnten Küstenstrand von Florida ab, in Gesellschaft von Mädchen, Drogen und vor allem von Margharita-Drinks.

Erbe mit Auflage

Verheiratet ist er mit Minnie. Die hat genug Geld, um das Leben ihres Gatten so nebenbei mitzufinanzieren. Doch dann stirbt sie überraschend. Moondog erbt zwar, aber bevor er das Geld bekommt, muss er die einzige Bedingung des Testaments erfüllen und endlich sein Buch fertig schreiben.

Dauerbekiffter Althippie als Hauptfigur 

So weit der großartige Plot dieses faszinierenden, einmaligen Films. Im Zentrum steht aber nicht die Handlung, sondern die Figur selbst und ihr Leben. Harmony Korine erzählt von einem Hippie, einem dauerbekifften, antibürgerlichen Satyr.

Kinostart 29.03. "Beach Bum" von Harmony Korine

Matthew McConaughey als Hippie Moondog in Beach Bum (Foto: ConstantinFilm -)
Der liebenswürdige Moondog ist ein Lebenskünstler, der es sich in den Keys von Florida gut gehen lässt. Seine Hauptbeschäftigungen sind Frauen, Alkohol und Gras rauchen. ConstantinFilm - Bild in Detailansicht öffnen
Eigentlich ist er ein begnadeter Poet, doch seine erfolgreichen Tage liegen lange zurück. Außer Feiern kommt Moondog wenig in den Sinn. ConstantinFilm - Bild in Detailansicht öffnen
Rundum ist Moondogs Leben sehr entspannt. Er kann sich auf den finanziellen Polstern seiner wohlhabenden Frau Minnie ausruhen, die in Miami lebt. ConstantinFilm - Bild in Detailansicht öffnen
Als seine Frau Minnie (Isla Fisher) jedoch bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, verändert sich Moondoogs Leben schnell: in ihrem Testament hat sie verfügt, dass ihr Mann nur dann erbt, wenn er ein Buch fertigstellt. ConstantinFilm - Bild in Detailansicht öffnen
Was Moondog zum Buch fehlt, ist die nötige Inspiration. Bei nächtlichen Eskapaden begibt er sich auf die Suche, tagsüber sitzt er an der Schreibmaschine. ConstantinFilm - Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur Harmony Korine hatte großen Spaß daran, die Figur des Moondog zu gestalten: "Ich liebe Figurenbögen, die keinen traditionellen Mustern folgen. Moondog ändert sich nicht. Die Welt um ihn herum verändert sich: sein Geld, sein Ruhm, seine Familie, seine Freunde. Er selbst bleibt gleich, schwebt durch seine Welt. Er ist der Poet seines eigenen Lebens." ConstantinFilm - Bild in Detailansicht öffnen

 

Lebenskünstler mit Hang zum Exzess

Matthew McConaughey spielt ihn frech und selbstgefällig, ein Lebenskünstler, der mit seinen Exzessen für die Zuschauer zur faszinierenden, aber auch gelegentlich abstoßenden Figur wird.

Faszination "White Trash"

Der "White Trash", der "weiße Müll", also jene Unterschichten Amerikas, die keiner besonderen Minderheit angehören, sondern dem, was einmal Mehrheit war, haben diesen Regisseur schon immer seltsam fasziniert.

Matthew McConaughey als Poet Moondog in Beach Bum (Foto: ConstantinFilm -)
Was Moondog (Matthew McConaughey) fehlt, ist die nötige Inspiration. Ein fertiges Buch ist allerdings Bedingung für sein Erbe. ConstantinFilm -

Es geht um Hedonismus, um das Glück im Hier und Jetzt, ohne den Glauben an Gott und ein Morgen. Moondog will überhaupt nichts, außer Spaß. Seine Philosophie erklärt dieser moderne Dandy als ein "halluzinatorisches Verhältnis zur Welt"; so kann man nur in Florida oder in Kalifornien leben und das nötige Geld mitbringt. La Dolce Vita in Florida.

Kapitalismus-Farce 

Man kann das Dekadenz nennen oder als als ein mit sicherem Gespür erstelltes Portrait unserer Zukunft beschreiben. Man kann darin auch eine ziemlich präzise Momentaufnahme der geistigen Situation unserer Epoche erkennen und eine Farce über den Stand des Kapitalismus. 

Natürlich ist überhaupt nichts falsch daran, einfach nur Spaß haben zu wollen. Aber provozierend ist das schon. Harmony Korine zeigt damit das Provozierende an unser aller Leben. Korine ist außerdem ein großartiger Stilist, ein Künstler der Montage.

Hemmungslos düsterer und witziger Film

So oder so ist Harmony Korines "Beach Bum" ein hemmungsloser, düsterer und witziger Trip von einem Film. Das ist, so scheint es, auch ein Film zu #MeToo: Frauen finden ihn doof, Männer lustig, so zeigen die ersten Reaktionen. Nur die amerikanischen Kritikerinnen sind da mehr auf Männerlinie. 

Ein ungewöhnlicher und schon darum sehenswerter Film ist dies auf jeden Fall. Der Rest liegt mal wieder im Auge der Betrachterin.

AUTOR/IN
STAND