Filmkritik: "A Star Is Born" von Bradley Cooper Oscar für den "besten Filmsong" für Lady Gaga

Von Rüdiger Suchsland

Der "beste Filmsong" der Oscars 2019 kam von Lady Gaga. Sie schrieb das Stück "Shallow" zum Musikfilm "A Star Is Born". 1937 schuf William Wellman diesen Klassiker des Hollywood-Kinos. In dem märchenhaften Stoff darf Hollywood ganz narzisstisch von sich selbst erzählen: Unbekannte Sängerin, scheinbar ein hässliches Entlein, verwandelt sich mit Hilfe eines berühmten Stars in einen strahlenden Schwan. Das neueste Remake stammt von Bradley Cooper, der damit sein Regiedebüt präsentiert. Cooper spielt auch die Hauptrolle, gemeinsam mit Pop-Megastar Lady Gaga.

Klassische Dramaturgie: Absteigender Alt-Star entdeckt verkanntes Talent

Es ist ein schicksalhaftes Zusammentreffen: Eines Abend geht Jack, ein Rock-Star, der sich schon auf dem absteigenden Ast befindet und ein Alkoholproblem hat, in eine Transvestiten-Bar, um sich die Kante zu geben.

Aber so benebelt kann er gar nicht sein, dass er nicht merkt, dass die junge Frau, die da zwischen all den Drag-Queens "La Vie en Rose" singt, eine Super-Stimme hat. Jack ist hingerissen und schafft es, die Frau kennenzulernen. Ally und Jack sitzen den Rest des Abends unter dem Nachthimmel, flirten und singen sich Lieder vor.

Nach einem seiner Konzerte landet Jack in einer Bar, wo die Bedienung Ally (Lady Gaga) einen französischen Chanson singt. Begeistert von ihrem Talent und ihrer Bodenständigkeit verbringt Jack die Nacht mit Ally philosophierend und liedtextend auf einem Parkplatz.

Nase zu groß für Erfolg im Showgeschäft

Ally, die blendend aussieht, gesteht Jack auch, dass sie sich nicht wohl fühlt in ihrer Haut. So ziemlich jeder, mit dem sie im Showbusiness in Kontakt kam, habe ihr gesagt, das ihre Nase zu groß sei und sie schon deswegen den Durchbruch nicht schaffen würde. Natürlich verlieben sie sich auch. Und so nimmt alles seinen Anfang.

Bewährter Hollywood-Klassiker "A Star Is Born"

Schon dreimal ist "A Star Is Born" verfilmt worden, am berühmtesten ist immer noch das Original von William Wellman, in dem Judy Garland die junge Sängerin spielt, die von einem Star entdeckt wird und diesen dann bald überstrahlt. Zuletzt wurde dieser Hollywood-Klassiker 1976 mit Barbra Streisand und Ryan O'Neill verfilmt.

Kinostart 04.10. A Star Is Born von Bradley Cooper

Zu seinem Konzert am nächsten Abend lässt er Ally kurzerhand per Privat-Jet einfliegen. Ohne dass Ally vorher etwas wusste, holt er sie auf die Bühne und die beiden singen ein Duett. (Foto: Warner Bros. -)
Zu seinem Konzert am nächsten Abend lässt er Ally kurzerhand per Privat-Jet einfliegen. Ohne dass Ally vorher etwas wusste, holt er sie auf die Bühne und die beiden singen ein Duett. Warner Bros. - Bild in Detailansicht öffnen
Das Video vom Auftritt der beiden geht viral und Ally wird über Nacht zum Star. Warner Bros. - Bild in Detailansicht öffnen

Perfekter Kinostart für Lady Gaga

Diesmal ist es Lady Gaga, die über Nacht in den Pop-Olymp aufsteigt. Ein perfekter Part für den Pop-Star in ihrer ersten Leinwandhauptrolle. Sie ist komplett ungestylt zu bewundern. Der Film selbst ist ein überlanger Videoclip, konventionell und sauber durcherzählt, mit starken Musiknummern und megakitschigen Emotionen: Mit schönen Menschen inszenierte Hippieträume vom gemeinsamen Fahren auf dem Motorrad durch sonnenüberströmte Prachtlandschaften. Im Zentrum steht einmal mehr der amerikanische Traum, dass jeder es schaffen kann, dass in einem Aschenputtel eine Cinderella steckt.

Regiedebüt von Bradley Cooper

Bradley Cooper spielt in seinem Regie-Debüt die männliche Hauptrolle, darum steht er auch mindestens so sehr im Zentrum wie die Titelfigur. Ein Mann, der seine Trinkerei nicht in den Griff bekommt. Torturen fürs Männer-Ego und dann eine sehr narzisstische Selbstaufopferung.

Aber während Ally jedoch immer mehr zum Popstar avanciert, befindet sich Jack weiter auf dem absteigenden Ast und droht an der Liebe zur erfolgreichen Ally kaputt zu gehen. (Foto: Warner Bros. -)
Jack (Bradley Cooper) und Ally (Lady Gaga) Warner Bros. -

Höhen und Tiefen des Star-Daseins

En passent ist dies aber auch ein Film, der uns vieles über das Star-Sein an sich erzählt. Über Menschen, die immer unter Beobachtung stehen, beschimpft und gefeiert werden und allmählich verhärten.

Der Starbetrieb ist ein vampirischer Betrieb, es gilt nur: "ganz oder gar nicht". Stars sind Handelnde und Opfer zugleich. Die schlimmste Einsicht: Hinter ihrem Image ist: Nichts. So sieht man, wie sich das private Wesen in einen Star verwandelt, man sieht alles was dazugehört: Die Hysterie, den Stress, die Drogen und das Zusammenreißen.

Zusammenreißen in der Öffentlichkeit

Dieses Zusammenreißen in der Öffentlichkeit ist die entscheidende Erfahrung, die "A Star Is Born" vermittelt. Der Kontrast zwischen dem Auftritt in der Öffentlichkeit und dem Abgrund im Privaten, beide Sphären getrennt nur durch eine hauchdünne Firnis, wird hier sichtbar gemacht.

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