Musik-Biopic Vier Oscars für Queen-Film "Bohemian Rhapsody"

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Der Film Queen-Film "Bohemian Rhapsody" gewann bei der Oscar Verleihung 2019 mit vier Oscars die meisten Auszeichnungen: für den "besten Tonschnitt", den "besten Ton" und den "besten Schnitt". Wenig überraschend kam noch die Auszeichnung für den "besten Hauptdarsteller" dazu: Rami Malek als ikonischer Bandleaders Freddie Mercury. Der amerikanische Regisseur Bryan Singer erzählt die Geschichte von "Queen" und Freddy Mercury als klassisches Musik-Biopic.

Unser Filmkritiker Rüdiger Suchsland fand diesen Film dagegen eher langweilig. Und dann irgendwie doch nicht, denn da ist ja die Musik ... bisher reichte das immerhin für eine Oscarnominierung als bester Spielfilm.

Wenig überraschende Erzählweise

Der Film "Bohemian Rhapsody" über die Geschichte von Queen und Freddy Mercury setzt im London von 1970 ein. Mit dem "Swinging London" ist es allmählich vorbei, die Beatles lösen sich auch auf – Zeit für etwas Neues. Dieser Anfang ist ein bisschen langweilig, nicht weil das alles uninteressant wäre, aber weil überhaupt nichts passiert, das irgendwie überrascht. Der junge Freddy hat Ärger mit den Eltern. Die indisch-stämmigen Parsen, die aus Sansibar nach London gekommen waren, wollen, dass aus dem Jungen was Anständiges wird und er nicht immer in so bunten Kleidern herumläuft – na, so was.

Jede Konvention des Musik-Biopics wird abgehakt

Auch danach versucht Bryan Singer so ziemlich jede Konvention des Musik-Biopic abzuhaken. Es gibt viele Schwierigkeiten zu überwinden und auf jede Schwierigkeit folgt eine Lösung. Sie brauchen Geld. Also verkauft "Queen" den Band-Wagen und setzt alles auf eine Karte – mit Erfolg. Die Band braucht einen Manager. Da ruft der Manager von Elton John an und verschafft ihnen einen BBC-Auftritt, dann eine USA-Tournee. In amerikanischen Filmen ist die USA-Tournee für eine europäische Band immer das Nonplusultra, auch sehr langweilig.

Trailer zu "Bohemian Rhapsody"

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Freddy Mercury im Mittelpunkt

Dann wird die neue LP "A night in the Opera" mit dem Titelsong "Bohemian Rhapsody" produziert. Wieder glaubt keiner an diese schrille, neuartige Musik, außer die Musiker selbst. Dann haben sie noch mehr Erfolg, werden noch reicher und bleiben doch die netten Jungs, die sich nie streiten.

Vor allem glaubt Mercury an sich: "We'll find a way", "Wir finden einen Weg", sagt er wieder und wieder. Geht es nach diesem Film, dann war "Queen" eine One-Man-Show, wo es doch tatsächlich eine höchst gleichberechtigte Band war – etwa in der Szene, in der Gitarrist Brian May "We Will Rock you" erfindet.

Pluspunkt: die Musik!

Bitte nicht missverstehen: Das kann man sich alles sehr gut angucken. "Bohemian Rhapsody" ist ein unterhaltsamer Film und die Musik von Queen ist großartig. Es wird hier klar, das ist einer der Vorzüge von "Bohemian Rhapsody", dass Freddy Mercury in erster Linie ein großartiger Künstler war. Originell, mit energetischen, charismatischen Bühnenauftritten und dem Mut, sich immer neu zu erfinden. Rami Malek spielt den Sänger engagiert – an die Wirkung des echten Freddy Mercury, kommt er aber nicht heran.

Der Film ist manchmal auch witzig. Etwa in der Szene, in denen eine berühmte Passage aus "A night in the opera" wieder und wieder eingespielt werden muss, um das "Galileo!" noch höher klingen zu lassen.

Letzte Konvention: Krise, Streit, Abstieg, Comeback

Gegen Ende folgt die letzte Konvention: Krise, Streit, Abstieg, also symbolischer Tod und Wiedergeburt. Freddy will eine eigene Platte aufnehmen. Das läuft nicht, was nicht ganz der historischen Tatsachen entspricht. Er lebt in München, hat einen bösen Freund, der ihn verrät, bekommt AIDS und kehrt geläutert nach London und zur Band zurück. Gegen Ende haben sie einen triumphalen 20-Minuten-Auftritt beim Live-Aid-Konzert für Afrika im Wembley-Stadion 1985. Dass Freddy Mercury danach noch über sechs Jahre lebte und drei LPs aufnahm, erfährt der, der es nicht weiß, nur aus dem Nachspann.

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