Filmstill: 7500 (Foto: Pressestelle, Eclairplay)

Film Klaustrophobischer Cockpit-Thriller –„7500“ mit Joseph Gordon Levitt

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Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
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SWR2

"7-5-0-0" ist in der Funksprache des Flugverkehrs der Code für eine Flugzeugentführung. Genau das passiert in diesem Film einer Passagiermaschine auf dem Flug von Berlin nach Paris. Selbstmordattentäter versuchen, das Cockpit gewaltsam zu stürmen. Regisseur Patrick Vollrath hat einen nervenzerreißenden Thriller gedreht, der komplett innerhalb des Cockpits spielt.

Film spielt fast nur im Cockpit des Flugzeugs

Es beginnt mit Aufnahmen verschiedener Überwachungskameras auf dem Flughafen von Berlin. Man beobachtet die Sicherheitschecks bei der Passagierkontrolle.

Kurz darauf wechselt die Perspektive. Jetzt ist die Kamera dort, wo sie den Rest der 92 Filmminuten bleiben wird: im Cockpit einer mit Passagieren vollbesetzten Linienmaschine auf dem Flug von Berlin nach Paris.

Film „7500“ von Patrick Vollrath

Filmstill: 7500 (Foto: Pressestelle, Eclairplay)
Alltägliche Arbeit im Cockpit eines Airbus A319: Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) bereitet den Start für den Flug von Berlin nach Paris vor. Pressestelle Eclairplay Bild in Detailansicht öffnen
An Bord ist auch die Freundin von Tobias, Flugbegleiterin Gökce (Aylin Tezel). Pressestelle Eclairplay Bild in Detailansicht öffnen
Der Start verläuft reibungslos, ehe die beiden Piloten jedoch plötzlich Geschrei aus der Kabine wahrnehmen. Pressestelle Eclairplay Bild in Detailansicht öffnen
Eine Gruppe junger Männer, unter ihnen der erst 18jährige Vedat (Omid Memar), versucht gewaltsam ins Cockpit einzudringen. Pressestelle Eclairplay Bild in Detailansicht öffnen
Als einer der Terroristen es tatsächlich ins Cockpit schafft, können die beiden Piloten ihn überwältigen. Jedoch nicht, ohne Schaden davonzutragen: der Kapitän ist lebensgefährlich verletzt und von nun an liegt das Schicksal des Fluges in Tobias' Händen. Pressestelle Eclairplay Bild in Detailansicht öffnen
Tobias informiert die Flugbehörde, meldet einen "Code 7500" - eine Flugzeugentführung. Es beginnt ein Kampf zwischen Besatzung und Angreifern, während Tobias eine Notlandung plant. Pressestelle Eclairplay Bild in Detailansicht öffnen
Als die Terroristen jedoch Tobias' Freundin Gökce in ihre Gewalt nehmen und ihm drohen, sie zu ermorden, falls er das Cockpit nicht öffnet, muss Tobias über Leben und Tod entscheiden. Pressestelle Eclairplay Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur Patrick Vollrath wollte sich in "7500" einer der schwersten Fragen unserer Zeit stellen: Wie kann man den Kreis aus Gewalt durchbrechen? "Ich habe versucht, diese Frage in einem minimalistischen und klaustrophobischen Setting zu erforschen - dem Cockpit eines gewöhnlichen Passagierflugzeugs". Imago Christoph Hardt Bild in Detailansicht öffnen

Zunächst business as usual

Zunächst dominiert Routine. Die beiden Piloten gehen Checklisten und Wettervorhersagen durch, man wartet auf einige noch fehlende Passagiere. Während dieser Einsteige- Prozeduren lernt neben den Piloten auch zwei Stewardessen kennen.

Filmstill: 7500 (Foto: Pressestelle, Eclairplay)
An Bord ist auch die Freundin von Tobias, Flugbegleiterin Gökce (Aylin Tezel). Pressestelle Eclairplay

Man versteht, dass die eine – gespielt von Aylin Tezel – mit dem amerikanischen Kopiloten Tobias – gespielt von Joseph Gordon Levitt – liiert ist. Es folgt der Start und die üblichen Durchsagen. Kurz darauf ändert sich alles.

Entführer dringen ins Cockpit vor

Drei bewaffnete Entführer versuchen, in die Kabine einzudringen. Es kommt zu einem Kampf, während dem eine Stewardess getötet wird. Aber die Sicherheitstür ist wieder verschlossen.

Im Cockpit sind nun Kopilot Tobias, der schwer verletzte Kapitän und einer der Entführer, der betäubt am Boden liegt und von Tobias zur Sicherheit gefesselt wird. Draußen vor der Tür sind die zwei anderen Entführer und die in Panik versetzten Insassen.

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Klaustrophobischer Thriller

Der nun auf diese dramatische Exposition folgende Mittelteil ist das Herzstück des Films. Ein klaustrophobischer Thriller, der sein Katz und Maus Spiel in verschiedenen Stadien entfaltet. Tobias beruhigt die Passagiere. Er versorgt den Kollegen, dessen Zustand zunehmend schlimmer wird. Er kommuniziert mit der Flugkontrolle am Boden.

Sieben fünf null null ist der internationale Funkcode für bewaffnete Flugzeugentführung. Danach muss Tobias entscheiden, was er tut. Durch einen Schwarz-Weiß-Monitor kann er sehen, was im Vorraum vor sich geht. Die Bodenkontrolle schlägt die schnellste Landemöglichkeit vor.

Film setzt auf Thriller-Elemente

Die Entführer, deren Ziele zunächst vollkommen unklar sind, wollen keine Landung, sondern verlangen Zugang zum Cockpit. Als dies verweigert wird, drohen sie, einen Passagier zu töten. Und als Tobias weiterhin, gemäß den internationalen Vorschriften, die Tür zum Cockpit nicht öffnet, ermorden sie tatsächlich den ersten Passagier.

Im Folgenden lebt der Film von der reinen Thriller-Spannung. Zugleich wirkt manches wie künstlich aufgebauscht. Denn im Prinzip ist es von Anfang an klar, dass Tobias kaum Handlungsalternativen hat.

Er muss das Flugzeug so schnell wie möglich auf die Erde bringen. Er darf die Tür nicht öffnen. Und es war richtig, den einen Passagier zu opfern, um nicht das Leben aller Passagiere unmittelbar aufs Spiel zu setzen.

Spannung hält sich in Grenzen

Die Spannung hält sich auch deswegen in gewissen Grenzen, weil man annimmt, dass ein Mainstreamfilm nicht zeigen könne, dass ein Flugzeug komplett abstürzt. Der Film wird auch nicht zeigen, dass ein Flugzeug in eine Stadt hineinfliegt, was sich als Ziel der Entführer entpuppt.

Schließlich scheint es auch klar, dass Kopilot Tobias nicht sterben wird, jedenfalls nicht vor der Landung. Ebenso konstruiert ist die Anwesenheit von seiner Lebensgefährtin. Denn erst durch sie und die Gefahr, die ihr droht, entsteht ein ethisches Dilemma: Soll er sie retten, auf die Gefahr hin, das Leben vieler zu opfern?

Filmstill: 7500 (Foto: Pressestelle, Eclairplay)
Die Terroristen nehmen Tobias' Freundin Gökce in ihre Gewalt. Pressestelle Eclairplay

Inszenierung leidet unter dem bescheidenen Budjet

"7500" ist formal interessant und konsequent. Die Inszenierung ist, wenn man die vergleichsweise bescheidenen Mittel berücksichtigt, die dieser österreichisch-deutsche Film hatte, ohne Frage eine Leistung der Regie und der Produktion.

Aber die Idee, einen kompletten Film aus der Cockpit-Perspektive zu erzählen, ist vielleicht ein besserer Einfall, als dass sie tatsächlich ein Thriller über Spielfilmlänge tragen könnte.

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