Film „Gloria - das Leben wartet nicht“ mit Julianne Moore

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6:00 Uhr
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SWR2

Der tragikomische Film über eine Frau Ende 50, die sich gegen die Zumutungen des Alters behauptet - der Film "Gloria" von Sebastián Lelio begeisterte bei der Berlinale 2013 Publikum und Kritik gleichermaßen. Jetzt hat der Regisseur den gleichen Film noch einmal gedreht, als US-amerikanisches Remake mit Julianne Moore in der Hauptrolle.

Julianne Moore als geschiedene Endfünfzigerin

Ab einem gewissen Alter werden Frauen in der Gesellschaft gefühlt unsichtbar. Diese Lebensphase hat die Versicherungsangestellte Gloria mit Ende 50 längst erreicht. Aber sie sieht es gar nicht ein, ihre Lebensfreude zurückzuschrauben.

Seit ihrer Scheidung vor 12 Jahren lebt Gloria allein. Zu ihren zwei erwachsenen Kindern hat sie ein gutes Verhältnis, akzeptiert aber auch, dass sie als Mutter für die unabhängigen Kinder nicht so zentral ist wie die Kinder umgekehrt für sie.

Ab 22.8. „Gloria“ von Sebastian Lelio

Gloria von Sebastian Lelio (Foto: Pressestelle, FilmPressKit)
Eigentlich ist die geschiedene Gloria (Julianne Moore) zufrieden mit ihrem Leben: ihre zwei erwachsenen Kinder gehen ihren Weg und sie fühlt sich nur gelegentlich einsam. Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
Tagsüber hat die temperamentvolle Gloria einen langweiligen Bürojob, doch nachts streift sie durch die Clubs von Los Angeles und genießt ihr Leben. Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
Besonders auf den Tanzflächen von Single-Partys fühlt sich Gloria wohl. Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
In einer dieser Nächte trifft sie auf Arnold (John Turturro), der genau wie sie geschieden und single ist. Die beiden verlieben sich sofort ineinander. Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
Doch nach der ersten Verliebtheitsphase muss sich das Paar schon bald den wichtigen Themen des Lebens, wie Familie und Verbindlichkeit stellen. Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
Gloria fragt sich immer wieder, ob sie überhaupt für eine neue Liebe bereit ist und sich auf einen Partner mit emotionalem Gepäck einlassen kann. Vielleicht hält das Leben ja auch ganz andere Überraschungen für sie parat... Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur Sebastian Lelio: "Ich werde oft gefragt, warum ich meinen eigenen Film noch einmal neu gedreht habe. Und ich könnte stundenlang das Warum erläutern, aber es gibt eine ganz simple Antwort darauf: Aus Bewunderung für Julianne Moore." Pressestelle FilmPressKit Bild in Detailansicht öffnen

Oldies im Auto mitsingen und Singlebars gegen die Einsamkeit

Um sich nicht allein zu fühlen, besucht sie allerlei Kurse. Im Auto singt sie aus voller Kehle ihre liebsten Oldies mit. In den meisten geht es um die Liebe. Abends zieht sie oft durch Single-Bars.

Eines Abends trifft sie dort den Ex-Militär Arnold. Anders als Gloria hat sich Arnold von seiner Familie noch nicht wirklich abgenabelt.

Ungestörtes Date – Fehlanzeige

Schon beim ersten Date bekommt sie einen Vorgeschmack darauf, wie es ist, wenn seine großen Töchter ständig anrufen, weil sie Geld, Hilfe oder einfach nur Aufmerksamkeit brauchen.

Regisseur Sebastián Lelio konzentriert sich in seinem feinfühligen Film ganz auf seine Hauptfigur. Er stellt eine Frau in den Mittelpunkt, die für alle anderen in ihrem Leben nur eine Nebenrolle spielt.

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Äußerliche Herzlichkeit, innere Ängste

Ungewöhnlich ist Gloria vor allem durch ihre positive Einstellung. Ihre Ängste behält Gloria für sich. Nach außen begegnet sie allen mit großer Herzlichkeit und Anteilnahme.

Der Freundin, die um ihre Rente fürchtet, dem alleinerziehenden Sohn, der sich nicht helfen lassen will oder ihrer schwangeren Tochter, die in Kürze zu ihrem Surfer-Freund nach Schweden ziehen wird. Auch wenn es Gloria fast das Herz bricht.

US-Remake ohne politische Ebene des Originals

Lelios Original von 2013 war in Chile angesiedelt. Es ging auch um das schwierige Erbe der Pinochet-Diktatur, Klassenunterschiede, die vielen jungen Menschen, die auswandern.

Diese politisch-gesellschaftliche Ebene fehlt dem Remake. Es spielt in Los Angeles und streift aktuelle Zeitfragen nur ganz am Rande. Filmisch orientiert sich die US-Version allerdings stark am Original.

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Julianne Moore trägt den Film

Das geht bis zu einzelnen, zentralen Einstellungen. Dennoch lohnt es sich, auch diesen Film anzusehen. Das liegt vor allem an Julianne Moore in der Hauptrolle. Sie porträtiert Gloria mit zurückhaltender Eindringlichkeit. Unter ihrer ruhigen Art liegt eine große Entschiedenheit und Sicherheit darüber, wer sie ist und was sie will vom Leben.

Als Gloria merkt, dass Arnold es nicht schafft, sich aus seinem selbstgeschaffenen Familien-Gefängnis zu befreien, zieht sie die Konsequenzen.

Auch jenseits der 50 keine Kompromisse

Lieber allein sein als sich mit einem Kompromisskandidaten abzufinden. Auch jenseits der 50 muss das möglich sein. Der Film denkt viel über das Altern nach, aber auch darüber, was es heißt, Eltern zu sein.

Wie geht man mit der schmerzhaften Erkenntnis um, dass jeder sein eigenes Leben leben muss? Gloria entscheidet sich dafür, zu tanzen und das Leben zu umarmen.

Lelios Remake: Vom Bossa Nova zum Discohit

Das chilenische Original sollte laut Regisseur Sebastián Lelio die Aura eines Bossa Nova ausstrahlen: elegant, poetisch und bittersüß.

Die Coverversion ist eher ein Discohit: weniger geheimnisvoll, dafür heiter, eingängig und groovy.

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