Film „Frau Stern“ - Low-Budget-Film feiert das Leben

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Sendedatum
Sendezeit
18:40 Uhr
Sender
SWR2

Anatol Schuster gehört zu den interessantesten deutschen Nachwuchs-Regisseuren. In seinem Langfilmdebüt „Luft“ erzählte er eine Liebesgeschichte zwischen zwei Mädchen. In seinem zweiten Film „Frau Stern“ geht es um eine 90-jährige Jüdin in Berlin, die permanent am Sterben gehindert wird.

„Ein schneller Abgang“ - das ist das einzige, was sich Frau Stern mit 90 Jahren noch wünscht vom Leben. Aber das ist gar nicht so einfach, wie sie feststellt. Denn selbstbestimmtes Sterben ist ein Tabuthema in Deutschland.

Film „Frau Stern“ von Anatol Schuster

Frau Stern von Anatol Schuster (Foto: Pressestelle, mm Presse / Neue Visionen Filmverleih)
Frau Stern (Ahuva Sommerfeld) ist 90 Jahre alt, Jüdin und hat ein bewegtes Leben geführt. Sie hat viel gesehen, viel erlebt und auch die Herrschaft der Nazis überstanden. Pressestelle mm Presse / Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Jetzt allerdings hat Frau Stern beschlossen, dass es Zeit ist, aus der Welt zu gehen. Sie möchte sterben. Pressestelle mm Presse / Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Doch das funktioniert nicht so, wie Frau Stern das gerne hätte: der Arzt will ihr nicht helfen, an eine Waffe kommt sie nicht, aus der Badewanne rettet sie ein Räuberpärchen und auf den Bahngleisen wird sie auch aufgesammelt. Pressestelle mm Presse / Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Ihre Enkelin Elli (Kara Schröder), zu der Frau Stern ein sehr inniges Verhältnis hat, will ihrer Großmutter lieber zeigen, wie schön das Leben auch im Alter ist. Pressestelle mm Presse / Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
So gerät Frau Stern in den Freundeskreis von Elli, singt auf Karaokeabenden oder raucht Joints in der Clique. Pressestelle mm Presse / Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
So schön bunt das Leben in Neukölln auch sein mag, mit ihrer Entscheidung bleibt Frau Stern weiter allein. Pressestelle mm Presse / Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Das große Ziel von Regisseur Anatol Schuster war es, gleichzeitig mit Respekt, Wahrhaftigkeit und doch auch mit viel Humor von der letzten Entscheidung eines Menschen zu erzählen. Pressestelle mm Presse / Neue Visionen Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen

Ein Troll schlappt durch Berlin

Die alte Frau hat etwas von einem Troll, wie sie winzig klein, mit schulterlangem schlohweißem Haar durch Berlin-Neukölln schlappt. In der Hand immer eine Zigarette, die Augen im runzligen Gesicht hellwach. Und im Herzen den brennenden Wunsch, an eine Pistole zu kommen.

Minimales Budget, maximale künstlerische Freiheit

Anatol Schusters Film ist völlig ohne Fördermittel entstanden. Das heißt der Regisseur war mit minimalem Budget, dafür aber mit maximaler künstlerischer Freiheit, ausgestattet.

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Figuren lassen sich durch Berlin treiben

Beides sieht man dem Film an: Vieles in „Frau Stern“ wirkt improvisiert. Die Szenen folgen keiner strengen Dramaturgie. Wie seine Figuren gestattet sich der Film den Luxus, sich einfach durch Berlin treiben zu lassen.

Frau Stern von Anatol Schuster (Foto: Pressestelle, mm Presse / Neue Visionen Filmverleih)
Jetzt allerdings hat Frau Stern beschlossen, dass es Zeit ist, aus der Welt zu gehen. Sie möchte sterben. Pressestelle mm Presse / Neue Visionen Filmverleih

Film über den Tod feiert das Leben

Das Ergebnis sind viele gute Momentaufnahmen, die den Film über den Tod zu einer Feier des Lebens machen. Während Frau Stern bis zum Schluss mit ihrem Todeswunsch scheitert, hat die Schauspielerin Ahuva Sommerfeld den schnellen Abgang tatsächlich hingelegt. Kurz nach der Premiere des Films beim Max Ophüls Festival ist sie Anfang des Jahres mit 81 Jahren gestorben.

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