Lara von Jan-Ole Gerster (Foto: Pressestelle, Verleih StudioCanal Deutschland)

Film Corinna Harfouch und Tom Schilling in „Lara“ von Jan-Ole Gerster

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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR2

Mit der in schwarzweiß gedrehten Tragikomödie „Oh Boy“ landete Jan-Ole Gerster 2012 einen Überraschungserfolg im Kino, gewann diverse Filmpreise und die Herzen von Kritik und Publikum. Sieben Jahre später kommt sein zweiter Spielfilm mit ähnlicher Konstellation ins Kino. Die Hauptfigur allerdings ist kein junger Mann, sondern eine ältere Dame: „Lara“ gespielt von Corinna Harfouch. Auch „Oh Boy“-Star Tom Schilling ist wieder dabei: Laras Sohn Viktor könnte durchaus dessen sieben Jahre ältere Version sein.

In wenigen Film-Minuten erfährt man en passent einiges über Lara Jenkins: Sie wird 60 an diesem Tag, sie ist frühpensioniert; irgendetwas ist offenbar vorgefallen. Ihr Sohn Viktor ist Pianist, am Abend hat er ein wichtiges Konzert, bei dem er erstmals auch eigene Kompositionen vorstellt. Aber auch die Beziehung zu ihrem Sohn ist offenbar in irgendeiner Form gestört.

Film „Lara“ von Jan-Ole Gerster

Lara von Jan-Ole Gerster (Foto: Pressestelle, Verleih StudioCanal Deutschland)
Es ist Laras (Corinna Harfouch) 60. Geburtstag und eigentlich hätte sie allen Grund zur Freude. Pressestelle Verleih StudioCanal Deutschland Bild in Detailansicht öffnen
Ihr Sohn Viktor gibt an diesem Abend das wichtigste Klavierkonzert seiner Karriere. Pressestelle Verleih StudioCanal Deutschland Bild in Detailansicht öffnen
Lara hat Viktors musikalischen Werdegang entworfen und gefördert. Pressestelle Verleih StudioCanal Deutschland Bild in Detailansicht öffnen
Viktor (Tom Schilling) ist schon seit Wochen nicht mehr für seine Mutter erreichbar. Pressestelle Verleih StudioCanal Deutschland Bild in Detailansicht öffnen
Alles deutet daraufhin, dass Lara bei Viktors Konzert nicht willkommen ist. Pressestelle Verleih StudioCanal Deutschland Bild in Detailansicht öffnen
Dennoch kauft sie kurzerhand alle Restkarten auf und macht sich auf den Weg. Nicht ahnend, dass die Geschehnisse noch komplett außer Kontrolle geraten werden. Pressestelle Verleih StudioCanal Deutschland Bild in Detailansicht öffnen

Corinna Harfouch am Rande des Zynismus

Im Folgenden begleitet der Film die Titelheldin auf ihrem Weg durch den Tag, der auch einer durch ihr Leben ist. Auch darin liegt eine Ähnlichkeit zu „Oh Boy“: Ein Tag in Berlin, eine Hauptfigur; diese in ständiger Bewegung, halb getrieben, halb absichtsvoll, driftend, treibend, ausweichend, dann wieder Konfrontation suchend.

Begegnungen und kurze Episoden, die zum Teil zufällig sind, sich aber mit den anderen bald zu einem repräsentativen Mosaik fügen. Corinna Harfouch spielt diese Frau abwägend, souverän als eine Kühle, sarkastisch, am Rande des Zynismus.

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Tragik der Hochbegabten

Erst allmählich beginnt man eine Ahnung zu bekommen: In jungen Jahren war Lara selbst eine hochbegabte Pianistin. Aber sie gab die Musik auf, weil sie sich nicht für „gut genug“ hielt. Als Lara ihren alten Professor trifft muss sie erkennen, dass sie ihre eigenen Chancen vielleicht nur durch Zufall selbst verpasste, und dass sie zugleich die schwarze Pädagogik, die an ihr praktiziert wurde, selbst verinnerlicht und auf ihren Sohn übertragen hat.

Eine kluge Selbstkritik des Bildungsbürgertums

Gerster und seinem Ensemble gelingt es, alle allzu nahe liegenden, oberflächlichen Assoziationen zu überschreiten, und in filmischer Form eine kluge Selbstkritik des Bildungsbürgertums zu präsentieren, die wie jede gelungene Kritik, jederzeit auch eine rettende ist.

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