The Irishman von Martin Scorsese (Foto: Pressestelle, Netflix)

Film „The Irishman“– Spektakulärer Mafia-Abgesang von Martin Scorsese

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Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Er wurde sehr lang erwartet: der neue Film von Martin Scorsese. „The Irishman“ erzählt die wahre Geschichte über das spektakuläre Verschwinden des Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa. Die drei Hauptdarsteller Robert De Niro, Joe Pesci und Al Pacino spielen dank digitaler Verjüngungs-Technik ihre Figuren über drei Jahrzehnte hinweg.

Sehr unterhaltsamer Gansterfilm

Der 25. Spielfilm des italoamerikanischen New Yorker Meisterregisseurs Martin Scorsese ist ein über zweieinhalb Stunden langer sehr unterhaltsamer Gangsterfilm. Intelligent und kurzweilig, bezaubernd charmant und altmodisch.

Scorsese blieb immer auf Distanz zu Hollywood

Seit seinem Welterfolg „Taxi Driver“ gehört Martin Scorsese zu den besten Kinokünstlern seines Landes. Er hat über ein Dutzend maßgeblicher, auch stilprägender und stargespickter Werke gedreht und blieb trotzdem immer auf Distanz zu Hollywood.

Film „The Irishman“ von Martin Scorsese

The Irishman von Martin Scorsese (Foto: Pressestelle, Netflix)
Frank Sheeran kämpfte einst im Zweiten Weltkrieg in Italien. Dort lernte er Italienisch, was ihm schon kurz darauf die Türen in die Welt des organisierten Verbrechens öffnen sollte: Als Geldeintreiber und Problemlöser heuert er für den Mafiaboss Russell Bufalino (Joe Pesci) an. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Weil Sheeran seine Sache gut macht und sich als loyal erweist, wird er schon bald zum Bodyguard des mit der Cosa Nostra verbandelten Gewerkschaftsführers Jimmy Hoffa (Al Pacino) befördert. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Bereits nach kurzer Zeit entwickelt sich zwischen den Männern eine tiefe Freundschaft. Mit den Jahren steigt Sheeran immer mehr in den Rängen der Mafia. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Als Sheeran den Auftrag erhält, Hoffa zu ermorden, ändert sich jedoch alles. Er steht zwischen den Stühlen und weiß nicht, was er tun soll. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur Martin Scorsese versuchte mehr als zehn Jahre, das Sachbuch "I heard you paint houses" von Charles Brandt über den Mafiakiller Frank Sheeran zu verfilmen - doch die Finanzierung bekam er nie zusammen. Nun ist Netflix eingesprungen. Pressestelle Netflix Bild in Detailansicht öffnen

Eine Handvoll knallharte Männer

Ungerührt, romantisch und liebevoll, zugleich klarsichtig und kritisch erzählt „The Irishman“ von einer Handvoll knallharter Männer. Ihr Leben besteht aus Männerrivalitäten, aus Angeberei, schicken Anzügen, glänzenden Autos und schönen Frauen, aus Drinks und Knarren.

Und aus einem immer schon fragwürdigen Ehrbegriff, der nicht nur viel mit Frauen und Verbrechen zu tun hat, sondern noch viel mehr und vor allem mit der Fähigkeit zu schweigen.

An der Schnittstelle zwischen Mafia und Gewerkschaft

Der Film ist die Adaption eines 15 Jahre alten Sachbuchs über Frank Sheeran, einen Mann der die Schnittstelle zwischen der Mafia und der mafiös unterwanderten amerikanischen Fernfahrergewerkschaft bildete.

Gewerkschaftler Hoffa gegen Justizminister Kennedy

Diese war seit Mitte der 50er Jahre für zwei Jahrzehnte mit dem Namen von Jimmy Hoffa verbunden, eines legendären Gewerkschaftspräsidenten, der die Regierenden in Washington offen herausfordere, besonders den demokratischen Justizminister Robert Kennedy, der erfolglos versuchte ihm das Handwerk zu legen.

Jimmy Hoffa als Medienheld

Hoffa wurde zu einem Medienhelden. 1975 verschwand er spurlos, 1982 wurde er für tot erklärt; ein aufregender, bis heute rätselhafter Fall.

Meilenstein digitaler Kinotricks

Dieser Film ist ein Ereignis! Auch weil er ein neuer Meilenstein der digitalen Technologie und ihrer Fähigkeit zu Bildermanipulation bedeutet. Denn alle Figuren altern oder verjüngen sich hier mit vor allem technischer Unterstützung über Jahrzehnte.

Martin Scorsese zieht in „The Irishman“ Bilanz

In „The Irishman“ zieht Martin Scorsese Bilanz. Er zeigt eine Handvoll jener alten weißen Männer, von denen derzeit so viel und gern geredet wird, und zeigt, wie sie alle (ob sie den Film überleben oder eher nicht), letztlich Gescheiterte sind.

Einer der besten Filme von Scorsese braucht die große Leinwand

Er ist eine Rückkehr zu Scorseses Ursprüngen und zu einigen seiner besten Filme. Ein Film, der das Kino mit seiner großen Leinwand unbedingt verdient. Auf einem kleineren Bildschirm, egal was für einem, sollte ihn nicht sehen. Da verpasst man zuviel.

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