TV-Spielfilm „Das Geheimnis der Freiheit” - mäßig gelungener Film über Berthold Beitz und Golo Mann

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Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR2

Der Industriemanager Berthold Beitz befreite den Stahlkonzern Krupp vom Image des Waffenherstellers mit Nazivergangenheit. Von seiner denkwürdigen Beziehung zu dem Historiker Golo Mann erzählt nun ein mässig gelungener Film im Ersten: „Geheimnis der Freiheit“.

Die Geschichte von Berthold Beitz ist ein deutsches Wirtschaftswundermärchen:  Beitz stammt aus einfachen Verhältnissen in Pommern. Um dem klammen Unternehmen Krupp Glanz zu verschaffen, beauftragt er den Historiker Golo Mann, eine Biografie seines Förderers Alfried Krupp von Bohlen zu schreiben.

Film „Das Geheimnis der Freiheit“ von Dror Zahavi

Das Geheimnis der Freiheit (Foto: ard-foto s1)
Immer weniger Leute heutzutage kennen Berthold Beitz (Sven-Eric Bechtolf), der jedoch wie kaum ein anderer die Geschichte Deutschlands prägte. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Als Großindustrieller erklärte er während des Nationalsozialismus hunderte Jüdinnen und Juden als unverzichtlich und rettete so ihr Leben. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Das fiktionale Porträt wird als Duell zwischen zwei ungleichen Männern erzählt: Beitz gegenüber steht Großbürger Golo Mann (Edgar Selge). ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Im Rahmen eines Buchprojekts begegnen sich die beiden Männern in den Jahren 1973 bis 1981 häufig und ihre Aufeinandertreffen entwickeln sich rasch zu regelrechten Duells. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Im Nationalsozialismus rettete er unzähligen Juden das Leben, Jahre später kooperiert Beitz mit den Tätern von damals. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Golo Mann kann das widersprüchliche Verhalten Beitz' überhaupt nicht verstehen. Er will dem Rätsel Berthold Beitz auf den Grund gehen. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen

Dass „der letzte Krupp“ ein verurteilter Kriegsverbrecher war, wird angesprochen, spielt für den Verlauf des Films aber keine weitere Rolle. Vielmehr geht es um Mann und Beitz und das, was die beiden verbindet und gleichzeitig trennt: ihr Verhältnis zur Geschichte.

Bertold Beitz als Akteur - Golo Mann als Beobachter

Beitz ist Akteur, rettete im zweiten Weltkrieg hunderte Juden in Polen vor der Deportation, dennoch lassen ihn die Gespenster der Zeit nicht los. Einer Ehrung durch die Gedenkstätte Yad Vashem geht er jahrelang aus dem Weg.

Golo Mann ist dagegen vielmehr Beobachter, der versucht, deutsche Geschichte, den Zusammenhang von Schuldgefühlen und demokratischem Wiederaufbau durch diese Figur Bertold Beitz zu verstehen. Seine eigene Vergangenheit, der große Schatten des Vaters Thomas Mann und die demente Mutter Katja, lasten aber auch auf ihm mehr als ihm lieb ist.

Das Geheimnis der Freiheit (Foto: ard-foto s1)
Im Rahmen eines Buchprojekts begegnen sich die beiden Männern in den Jahren 1973 bis 1981 häufig und ihre Aufeinandertreffen entwickeln sich rasch zu regelrechten Duells. ard-foto s1

Edgar Selge und Sven Eric Bechtolf beeindrucken

Der Film gewinnt da an Spannung, wo er den beiden beeindruckenden Schauspielpersönlichkeiten Edgar Selge als Golo Mann und Sven Eric Bechtolf als Bertold Beitz Spielraum lässt. Leider passiert das nicht allzu oft, weil das Drehbuch viel zu sehr damit beschäftigt ist, historische Hintergrundinfos in sperrige Dialoge zu verpacken.

Der Film schwankt immer wieder zwischen Wirtschaftshistorie und Psychostudie. Selbst Edgar Selge hat Mühe, im Vergleich zum schillernden Beitz gegen die Strickjackenhaftigkeit seiner Figur Golo Mann anzuspielen. Am Ende erscheint „Geheimnis der Freiheit“ als ein toller Stoff, der in 90 Minuten Fernsehunterhaltung größtenteils verschenkt wurde.

„Das Geheimnis der Freiheit“ in der ARD Mediathek

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