Filmstill: Porträt einer jungen Frau in Flammen (Foto: Pressestelle, Alamode Filmverleih)

Film „Portrait einer jungen Frau in Flammen“ von Céline Sciamma

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Sendedatum
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6:00 Uhr
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SWR2

Die Französin Céline Sciamma gehört zu den wenigen Stars der europäischen Drehbuchautoren-Szene. In Filmen wie „Mein Leben als Zucchini“ oder „Mit siebzehn“ beschrieb die 41-Jährige einfühlsam die Gefühlslage von Jugendlichen. Manchmal führt Sciamma auch selbst Regie, so zuletzt bei „Porträt einer jungen Frau in Flammen“, einem sehr gelungenen Historiendrama über weibliche Selbstbestimmung.

Es ist das Jahr 1770. Die junge französische Adelige Heloise soll gegen ihren Willen nach Mailand verheiratet werden. Vor der Hochzeit will ihr Verlobter allerdings ein Porträt seiner Zukünftigen sehen. Doch Heloise weigert sich, dafür Modell zu sitzen.

Film „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ von Céline Sciamma

Filmstill: Porträt einer jungen Frau in Flammen (Foto: Pressestelle, Alamode Filmverleih)
Im Jahr 1770 führt ein ungewöhnlicher Auftrag die Pariser Malerin Marianne (Noémie Merlant) an die Küste der Bretagne. Pressestelle Alamode Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Sie soll heimlich ein Gemälde von der adeligen Héloise (Adèle Haenel) anfertigen, die bald verheiratet werden soll. Pressestelle Alamode Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Weil Héloise aber nicht verheiratet werden will, weigert sie sich, Modell zu sitzen. Marianne bleibt also nichts anderes übrig, als Héloise bei abendlichen Spaziergängen am Strand zu beobachten. Pressestelle Alamode Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Zwischen den beiden jungen Frauen entsteht eine unwiderstehliche Anziehungskraft. Pressestelle Alamode Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen
Doch trotz der engen Bindung zwischen den Frauen malt Marianne ein Porträt, das Héloise ganz und gar nicht gefällt. Pressestelle Alamode Filmverleih Bild in Detailansicht öffnen

Ein Kino der Blicke: nach einer Stunde das erste Lächeln

„Porträt einer jungen Frau in Flammen“ ist ein Kino der Blicke. Auf den langen Spaziergängen am Strand streichelt die Kamera das schöne aber verschlossene Gesicht von Heloise geradezu: vermisst die Proportionen, stellt sich ihren durchdringenden Blicken, fängt jede Regung ihrer stolzen Gesichtszüge ein. Bis sie sich ein Lächeln entlocken lässt, wird allerdings über eine Stunde Kinozeit vergehen.

Sinnliche lesbische Liebesgeschichte

Marianne sieht ihr Modell nicht nur mit professionellen Augen, sondern auch mit dem Herzen. Langsam lässt Heloise ihre Maske sinken. Zwischen den beiden intelligenten jungen Frauen entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis und schließlich eine leidenschaftliche Liebe.

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Kampf um Anerkennung

Die Art, wie die lesbische Regisseurin und Drehbuchautorin Céline Sciamma von weiblicher Intimität und Begehren erzählt, ist von einer großen Ernsthaftigkeit und zugleich sehr sinnlich. Ins Zentrum ihres Films stellt sie die Liebesgeschichte, verhandelt aber gleich noch mehrere andere große Themen. Es geht um weibliche Eigenständigkeit, den Kampf um künstlerische Anerkennung, die Konstruktion des Selbstbildes.

Moderner Historienfilm

Der Film mag im 18. Jahrhundert spielen, seine Erzählung jedoch mutet völlig modern an. Gemeinsam arbeiten die beiden Frauen an einem Porträt, das sowohl die Persönlichkeit von Heloise einfängt als auch die künstlerische Handschrift Mariannes durchschimmern lässt.

Große Filmkunst mit spezifisch weiblichem Blick

Mit „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ ist Céline Sciamma auf jeden Fall große Kunst gelungen. Mit einem spezifisch weiblichen Blick.

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