Film Passionsgeschichte mit Durchhängern –„Ein verborgenes Leben” von Terrence Malick

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6:00 Uhr
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SWR2

Franz Jägerstätter lebt mit Frau und Kindern im österreichischen Ort Radegund, mitten in den Bergen. Hitlers Regime ist nicht zu bremsen und Jägerstätter wird 1943 eingezogen. Der junge Mann sieht allerdings keinen Sinn in diesem Krieg.

Der Film von Regisseur Terrence Malick basiert auf der Biographie von Franz Jägerstätter, der 1907 in St. Radegund geboren wurde.

Vertreibung aus dem Privatparadies

Ein Bild des tiefen inneren Friedens: Mit synchronen Bewegungen mähen der Bergbauer Franz Jägerstetter und seine Frau Fani mit der Sense ihr Feld. Zwei Menschen im Einklang miteinander und mit der Natur. Bald schon werden die beiden Liebenden aus ihrem persönlichen Paradies vertrieben.

Film „Ein verborgenes Leben“ von Terrence Malick

Ein verborgenes Leben von Terrence Malick (Foto: Pressestelle, EclairPlay)
Der Bauer Franz Jägerstätter (August Diehl) lebt mit seiner Frau Franziska (Valerie Pachner) und den Kindern im ganz abgeschieden im kleinen österreichischen Ort Radegund. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Der Hof der Jägerstätters liegt mitten in den Bergen, vom Elend des Zweiten Weltkriegs bekommen sie wenig mit. Franz verbringt zudem viel Zeit in der Kirche, wo er als Mesner tätig ist. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Als Hitlers Regime jedoch nicht mehr zu bremsen ist, wird 1943 auch Franz Jägerstätter zum Wehrdienst eingezogen. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Jägerstätter sieht allerdings keinen Sinn im Krieg, alleine seines Glaubens wegen würde er niemals einen Menschen töten. Er weigert sich, in der Wehrmacht zu dienen. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Für seine Aufsässigkeit wird Jägerstätter inhaftiert und brutal gefoltert, doch er hält an seiner Weigerung fest. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Selbst als ihm eine Hinrichtung droht, bleibt Jägerstätter bis zuletzt davon überzeugt, seinem Gewissen folgen zu müssen. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Getragen wird er nicht nur von seinem tiefen Glauben, sondern auch von der unerschütterlichen Liebe zu seiner Frau und den drei Kindern. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen

Bergidylle contra NS-Massenpsychose

Regisseur und Drehbuchautor Terrence Malick setzt die Bilder des Bergidylls gegen dokumentarische Schwarz-Weiß-Aufnahmen der NS-Massenpsychose: Menschenmassen, die Hitler zujubeln, ein Volk im Gleichschritt, das Kollektiv schluckt das Individuum.

Sinnlosigkeit von Hitlers Krieg

Der Bauer Franz Jägerstetter aus dem oberösterreichischen St. Radegund verweigert den Dienst an der Waffe und wandert wegen „Wehrkraftzersetzung“ ins Gefängnis. Im August 1943 wird er enthauptet.

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Terence Malick erzählt eine Passionsgeschichte

Der historische Jägerstetter saß bis zu seiner Hinrichtung nur fünf Monate im Gefängnis. Malick dehnt die Zeit dagegen nach Art einer Passionsgeschichte aus, zeigt ausführlich, wie die Wärter ihren duldsamen Gefangenen quälen, während er nur standhafter wird in seiner Überzeugung.

Film leidet unter Langatmigkeit

Etwas langatmig schneidet der Film hin und her zwischen dem Gefängnis und St. Radegund, wo Fani auf ihre Weise unter Jägerstetters Entscheidung leidet. Von der Dorfgemeinschaft verstoßen, ist sie mit dem Hof und den drei kleinen Töchtern auf sich allein gestellt. Stützen kann sich Malick dabei auf den historischen Briefwechsel der Eheleute.

Ein verborgenes Leben von Terrence Malick (Foto: Pressestelle, EclairPlay)
Als Hitlers Regime jedoch nicht mehr zu bremsen ist, wird 1943 auch Franz Jägerstätter zum Wehrdienst eingezogen. Pressestelle EclairPlay

Valerie Pachner und August Diehl überzeugen in den Hauptrollen

Diehl gelingt ein eindringliches Porträt dieses einsamen Aufrechten, der keinen tiefen Einblick ins System hat und doch als einer der Wenigen dessen moralische Verwerflichkeit klar benennt und persönliche Konsequenzen zieht.

Über die genauen Motive Jägerstetters erfährt man im Film allerdings nur wenig. Statt auf Dialog setzt Malick wie so oft auf Geraune aus dem Off, atmosphärische Musik und vor allem auf die Poesie der Natur.

Majestätisch-allegorische Naturbilder

Kameramann Jörg Widmer setzt die Alpen mit majestätisch-allegorischen Bildern von aufziehenden Gewittern und steilen Felsklüften in Szene. Der Natur ist es egal, was die Menschen einander antun. Gilt das für Gott auch?

Regisseur Terrence Malick (Foto: Pressestelle, Pandora Film)
Der Film von Regisseur Terrence Malick basiert auf der Biographie von Franz Jägerstätter, der 1907 in St. Radegund geboren wurde. Pressestelle Pandora Film


Persönliche Integrität

Jägerstetter beantwortet die Frage für sich anders als die offizielle Kirche und die Mehrheit seiner Landsleute. Dieser großen persönlichen Integrität setzt Malicks „Ein verborgenes Leben“ ein Denkmal und spannt zugleich den Bogen bis zum Heute, wenn er eine Figur sagen lässt: „Die meisten Menschen bekämpfen die Wahrheit nicht. Sie ignorieren sie einfach.“

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