Filmfestival Baden-Baden Julia von Heinz- Kluge Stimme einer Filmszene im Wandel

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6:00 Uhr
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SWR2

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Julia von Heinz erhält den Hans Abich Preis 2019, ausgezeichnet wird sie vor allem für ihren Umgang mit Frauenrollen. Eine Kostprobe davon gab sie im Wettbewerb des Fernsehfilm Festivals mit dem SWR-Tatort „Für immer und dich“. Für ihre Regie gab es von der Fernsehfilm-Jury einhelliges Lob.

Tatort als Beziehungsdrama und schillerndes Roadmovie

Baden-Baden ist ein gutes Pflaster für Julia von Heinz. Schon für ihren ersten Fernsehfilm „Katharina Luther“ bekam sie 2017 viel Lob von der Jury und am Ende einen Sonderpreis.

Ihr Tatort „Für immer und dich“ hat nach der Ausstrahlung wegen seiner Gewalt- und Sexszenen für Diskussionen gesorgt. Es ist ein Beziehungsdrama, ein schillernder Roadtrip, zugleich Liebes- und Missbrauchsgeschichte zwischen der 15-jährigen Emily und dem viel älteren Martin.

Hans-Abich-Preis 2019 Regisseurin Julia von Heinz

Regisseurin Julia von Heinz und ihre Werke (Foto: Pressestelle, ARD Foto)
2018 führte Von Heinz erstmals bei einem Tatort Regie. Im Schwarzwald-Tatort „Für immer und dich“ steht ein ungleiches Liebespaar im Fokus. Pressestelle ARD Foto Bild in Detailansicht öffnen
Als der Verdacht aufkommt, dass es sich beim jungen Teenie um ein seit Jahren vermisstgemeldetes Mädchen handelt, ist kluges Handeln gefragt. Pressestelle ARD Foto Bild in Detailansicht öffnen
Komissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ermittelt im Fall eines toten Mopedfahrers. Pressestelle ARD Foto Bild in Detailansicht öffnen
Im Jahr 2015 verfilmte Von Heinz fürs Kino die Biographie des Komikers Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“. Doch auch an Kinderfilmen hat sich die Regisseurin versucht: 2011 drehte sie den zweiten Teil der Reihe „Hanni und Nanni“. Pressestelle picture alliance Bild in Detailansicht öffnen
Im Lutherjahr 2017 führte Julia von Heinz beim ARD-Film „Katharina Luther“ Regie, der von einer Nonne handelt, die durch Martin Luthers Schriften beeinflusst wird. Pressestelle ARD Foto Bild in Detailansicht öffnen
Die Nonne Katharina flieht mit einigen Schwestern aus dem Kloster und heiratet schließlich den Reformator Martin Luther. Pressestelle ARD foto Bild in Detailansicht öffnen

„Für immer und dich“ – ein „weiblicher“ Tatort

Es gibt nicht viele Filme, denen man ansieht, dass sie von einer Frau gemacht wurden. Bei diesem Tatort ist das so. Musik, Blicke, Liebesszenen verraten, warum Julia von Heinz in diesem Jahr den Hans Abich Preis bekommt.

Gendergerechtes Erzählen heißt es im Programmheft über die Art und Weise, wie sie, auch schon in früheren Filmen wie „Hannas Reise“ oder „Katharina Luther“, den Figuren ihren ganz eigenen Raum gibt. Und sich „nebenbei“ für Frauen im Filmbusiness stark macht.

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Julia von Heinz glaubt an die verändernde Kraft des Films

Ihr politisches Engagement ist eine der Triebfedern, warum Julia von Heinz selbst Filme machen wollte. Sozialisiert in der Berliner Antifa-Bewegung ist sie von der sozialen und kulturell verändernden Kraft des Films überzeugt

Ein Regiestudium hat Julia von Heinz nicht absolviert. Sie ist ausgebildete Kamerafrau, was wohl auch dazu geführt hat, dass sie als Regisseurin besonderen Wert auf die Bildgestaltung und die dezidiert filmische Dramaturgie legt.

Regisseurin Julia von Heinz und ihre Werke (Foto: Pressestelle, ARD Foto)
Im Lutherjahr 2017 führte Julia von Heinz beim ARD-Film "Katharina Luther" Regie. Der Film handelt von einer Nonne, die durch Martin Luthers Schriften beeinflusst wird. Pressestelle ARD Foto

Filmische Vorbilder sind Margarethe von Trotta und Andrea Arnold

Entscheidend gefördert hat sie Rosa von Praunheim, er machte Julia von Heinz zu seiner Assistentin an der Hochschule für Film und Fernsehen. Vorbilder sind Regisseurinnen wie Margarethe von Trotta, deren politischen Zugriff sie schätzt oder die Britin Andrea Arnold, von deren jugendlich urbaner Erzählweise sie sich auch einige Scheiben für ihren Tatort abgeschnitten hat.

Regisseurin Julia von Heinz und ihre Werke (Foto: Pressestelle, ARD Foto)
Der Tatort „Für immer und dich“ ist ein Beziehungsdrama, ein schillernder Roadtrip, zugleich Liebes- und Missbrauchsgeschichte zwischen der 15-jährigen Emily und dem viel älteren Martin. Pressestelle ARD Foto

Mehr Mut bei Sendern und Produzenten gefordert

Julia von Heinz ist eine kluge Stimme einer Filmszene im Wandel. Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen und -autoren, junge Filmemacher fordern mehr MItsprache, Individualität wird belohnt von den großen Streaminganbietern, die auf der Jagd nach guten Geschichten sind.

Deutsche Sender und Produzenten müssen sich dem stellen, meint Julia von Heinz, das heißt: gezielte Angebote, künstlerisch konsequent zu Ende denken statt im Zweifel immer wieder den quotentauglichen Mittelweg zu suchen.

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