Film „Judy“– Renée Zellweger überzeugt als Judy Garland

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SWR2

Das Filmmusical „Der Zauberer von Oz“ machte Judy Garland 1939 über Nacht weltberühmt. Die damals 16-Jährige mit der schönen Stimme wurde zu einer der Ikonen der Goldenen Hollywood-Studio-Ära. In ihrem Privatleben ging es jedoch düster zu: mehrere gescheiterte Ehen, Tablettensucht, ein Selbstmordversuch, der Frühe Tod mit 47 Jahren. Das Biopic „Judy“ mit der überzeugenden Reneé Zellweger in der Hauptrolle schildert ihr kurzes unglückliches Leben.

Ein Leben für die Kamera

Im Leben der jungen Judy ist alles Requisite, ihr Leben als vermeintliches Mädchen von nebenan eine Inszenierung für die Medien. Sogar die Party zu ihrem 16. Geburtstag ist gestellt mit Statisten und einer künstlichen Torte, denn der eigentliche Termin fällt in die Dreharbeiten zum nächsten Film.

Film „Judy“ von Rupert Goold

Filmstill: Judy (Foto: Pressestelle, EclairPlay)
Fünf ausverkaufte Konzertwochen in London: Die ganze Stadt fiebert im Winter 1968 den Auftritten von Showlegende Judy Garland (Renée Zellweger) im prominenten Theater „The Talk of the Town“ entgegen. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Das Filmmusical „Der Zauberer von Oz“ machte die erst 16-jährige Judy Garland 1939 über Nacht weltberühmt. Doch 1968 gehören die goldenen Zeiten längst der Vergangenheit an. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
1968 hat Judy Garland mit vielen Problemen zu kämpfen. Sie hat mehrere Millionen Dollar Steuerschulden, ihre Stimme ist nicht mehr das, was sie einmal war und in den USA scheint sich niemand mehr für sie zu interessieren. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
In London brennen die Leute jedoch nach wie vor für die kapriziöse Diva. Das Engagement am "Talk of the Town" Theater scheint der einzige Ausweg für Judy Garland. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Vier gescheiterte Ehen halten Judy nicht vom Glauben an die Liebe ab. Als sie den jungen Mickey Deans (Finn Wittrock) trifft, weiß sie noch nicht, dass er schon bald Gatte Nummer fünf sein wird. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Die erste Show läuft für Judy perfekt: das Publikum bejubelt sie frenetisch. Doch nach dem Konzert kommt das böse Erwachen. Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen
Ihre Kinder, die in den USA bei ihrem Vater geblieben sind, möchten nicht mehr zu ihr zurück. Judy kann sich nichts Schlimmeres vorstellen... Pressestelle EclairPlay Bild in Detailansicht öffnen

Kinderstar auf Tabletten

Und da soll sie schließlich arbeiten und nicht feiern. Echt sind in diesem Kinderstar-Dasein nur die vielen Tabletten – von Appetitzüglern bis zu Schlaftabletten – und die eiserne Arbeitsdisziplin, die ihre Mutter und der Studioboss ihr abverlangen.

Am Ende hochverschuldet

Von diesen frühen, tristen Episoden springt Regisseur Rupert Goold sofort ans Ende des Lebens von Judy Garland ins Jahr 1968: Hochverschuldet sucht die dreifache Mutter nach einer Möglichkeit, Geld zu verdienen.

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Comeback-Versuch in erbärmlichen Zustand

Das bekannte „Talk of the Town“- Theater in London lädt sie ein, über fünf Wochen jeden Abend zu singen. Zu diesem Zeitpunkt ist Garland nach Jahren des Alkohol- und Medikamentenmissbrauchs schon in einem erbärmlichen Zustand, aber zumindest in Europa ist die Amerikanerin immer noch eine gefragte Sängerin mit einer treuen Fangemeinde.

Filmstill: Judy (Foto: Pressestelle, EclairPlay)
In London brennen die Leute jedoch nach wie vor für die kapriziöse Diva. Das Engagement am "Talk of the Town" Theater scheint der einzige Ausweg für Judy Garland. Pressestelle EclairPlay

Magisch angezogen von der Bühne

Renée Zellweger spielt Garland als früh gealterte, hochnervöse Diva. Von Selbstzweifeln zermürbt, ist jeder Auftritt eine Tortur für sie. Und doch kann sie von der Bühne nicht lassen. Wie ein Zirkuspferd zieht es sie in die Manege, sobald die Musik erklingt.

Renée Zellweger überzeugt als Judy

Zellwegers Garland ist launisch und unzuverlässig, aber gleichzeitig auch enorm witzig, warmherzig und zerbrechlich. Vor allem ist sie, im Gegensatz zu ihrer Kinderstar-Kunstfigur, in ihrer Seelenpein so authentisch, dass es schmerzt.

Einsamkeit nach dem Auftritt

Filmstill: Judy (Foto: Pressestelle, EclairPlay)
1968 hat Judy Garland mit vielen Problemen zu kämpfen. Sie hat mehrere Millionen Dollar Steuerschulden, ihre Stimme ist nicht mehr das, was sie einmal war und in den USA scheint sich niemand mehr für sie zu interessieren. Pressestelle EclairPlay

Sei es, wenn sie sich weinend nach ihren Kindern sehnt, nach einem umjubelten Auftritt in der Garderobe einsam in sich zusammensinkt oder bei einem verkrachten Auftritt in ihrer Verzweiflung das Publikum beschimpft.

Renée Zellweger singt selbst

Die Songs im Film singt Zellweger selbst. Eine mutige Entscheidung. Schließlich gilt Garland als eine der begnadetsten Entertainerinnen des 20.Jahrhunderts. Doch 1968 ist sie auch stimmlich nicht mehr in bester Verfassung, was Zellweger die Chance gibt, eine ganz eigene, berührende Interpretation der berühmten Songs von „I’ll go my way by myself“ bis zum unvermeidlichen „Somewhere over the rainbow“ zu finden.

Facettenreiches Porträt

„Judy“ ist ein facettenreiches, manchmal vielleicht allzu gefühlig-gefälliges Porträt Garlands, deren Leben schon früh ins Tragische kippte. Die Art, wie Renée Zellweger sich die Rolle einverleibt, hilft dem Film über manche dramaturgische Schwäche hinweg.

Biopicture einer Ausnahmekünstlerin

Zum 50.Todestag von Judy Garland würdigt das Biopic eine Ausnahmekünstlerin, die resigniert über sich selbst sagte:

„Ich habe mein ganzes Leben versucht, auf die andere Seite des Regenbogens zu gelangen. Aber es klappt einfach nicht.“

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