Fernsehfilm im Ersten: "Teufelsmoor" Gruseln mit Moorleiche

Kulturthema am 17.1.2018 von Karsten Umlauf

Moorlandschaften sind seit Annette von Droste-Hülshoffs Balladen ein beliebtes Spielfeld für Gruselgeschichten. Allerdings hat der Fernsehfilm "Teufelsmoor" mit der gleichnamigen Naturlandschaft um Worpswede in Niedersachsen wenig zu tun. Im Mittelpunkt stehen zwei traumatisierte Frauen, deren Brüder im Moor verschwunden sind und die sich nach langer Zeit wieder begegnen.

Wer hat als Kind keine Höllenangst davor gehabt, im Morast zu versinken? Was dem kleinen Magnus im Teufelsmoor wirklich passiert ist, erfährt man erst am Ende des Films. Klar ist nur, dass er verschwunden ist. Entlang der Frage, wie genau und vor allem wieso sich seine große Schwester Inga ihr Leben lang mit Vorwürfen herumquält, baut sich eine recht ordentliche Spannungskurve auf.

Unbeholfener TV-Mystery-Grusel

Nach dem Tod ihres Vaters muss Inga in ihr Heimatdorf zurück. Mit ihrem sechsjährigen Sohn Max übernachtet sie im alten Familienanwesen. Die Erinnerungen an ihren verschwundenen kleinen Bruder kommen sofort wieder hoch, zusammen mit den Legenden von Moorgeistern und geraubten Seelen.

Immer wieder versucht sich der Film im Mystery-Grusel, allerdings etwas unbeholfen, mit klappernden Fensterläden, blutigen Tierkadavern oder alten Männern, die Mutter und Sohn offensichtlich so schnell wie möglich wieder loswerden wollen.

Reise in die eigene düstere Vergangenheit

Wirklich schaurig geht es im Teufelsmoor allerdings nicht zu. Regisseurin Brigitte Maria Bertele nutzt den Horror letztlich nur als Oberflächenreiz. Der Film lässt die Nebenfiguren etwas lieblos links liegen und verfolgt mit deutlich mehr Verve den Weg von Inga in ihre Vergangenheit und in die Tiefen ihrer Psyche. Was viel mit Verdrängung, kindlichen Ängsten oder verschmähter Elternliebe zu tun hat.

Unterstützt und immer wieder auch provoziert wird sie dabei von Anna, einer ehemaligen Wanderarbeitertochter, von vielen immer noch als "Zigeunerin" beschimpft und ebenfalls auf Wahrheitssuche. Ihr großer Bruder ist damals ebenfalls verschwunden und seitdem unter Verdacht, den kleinen Magnus verschleppt zu haben.

Das Moor als Metapher

Entführung, Mord oder doch eine gespenstische Geisterhand? Das Moor verdeckt nicht nur die Vergangenheit, sondern konserviert sie auch. Eine reichhaltige Metapher für das, was an tiefen Erinnerungen in unseren Ober- oder Hinterstübchen verborgen bleibt, ohne dass wir jemals wieder direkt daran herankommen könnten. Und wie schnell man doch in dem angeblich so festen Boden versinken kann, auf dem sich unsere Identität aufbaut.

Unentschiedenes Drehbuch, beeindruckende Hauptdarstellerinnen

Nur das Drehbuch von Corinna Vogelsang kann sich lange nicht so richtig entscheiden zwischen Grusel, Krimi und Selbsterkundungstrip. So sind es in erster Linie die beiden Schauspielerinnen Bibiana Beglau und Silke Bodenbender, die sich freispielen, die die Nöte eines unbewältigten Kindheitstraumas spürbar machen und die den Film zu einem Psychodrama verdichten, nachdem man jede Wellness-Schlammpackung mit anderen Augen sieht.

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