"El Club" | Kinostart: 5.11.2015 Ein düsteres Kirchenbild von Pablo Larrain

Kulturthema am 4.11.2015 von Julia Haungs

Der 39-jährige Regisseur Pablo Larrain gehört zu den Erneuerern des chilenischen Kinos, das mittlerweile weltweit beachtet wird. Eines seiner großen Themen ist die Geschichte der Pinochet-Diktatur. Bereits in drei Filmen arbeitete er sich daran ab, wie die Diktatur das Alltagsleben der Menschen beeinflusste und wie die Täter straflos davon kamen. Auch in seinem aktuellen Film "El Club" geht es um ein System der Straflosigkeit und der Repression. Allerdings handelt es sich nicht um eine politische Diktatur, sondern um die katholische Kirche. Bei der diesjährigen Berlinale gewann das Psychodrama um vier gefallene Priester mit dem silbernen Bären den großen Preis der Jury. Morgen startet er im Kino.

"El Club" beginnt mit einem Zitat aus der Bibel: "Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis." Die restlichen 97 Minuten des Films zeigen dann, dass genau das unmöglich ist. Dass es zwar unendlich viele Graustufen gibt, aber keine klare Unterscheidung zwischen hell und dunkel, gut und schlecht, unschuldig und schuldig.

xxxRuhig und differenziert widmet sich Regisseur Pablo Larrain in diesem psychologischen Kammerspiel einem schweren Thema. Vier ehemalige Priester der katholischen Kirche leben in einem abgeschiedenen Haus an der chilenischen Küste. Sie alle sind straffällig geworden, sie haben zum Beispiel Kinder missbraucht oder eigenmächtig Babys zur Adoption freigegeben. Die Kirche hat sie aus dem Verkehr gezogen, bevor die Skandale ruchbar geworden wären.

Inhaftiert im Namen der Kirche

Jetzt leben die alten Herren in einer Art offenem Vollzug unter Aufsicht der Kirche. Eine Nonne passt auf, dass ihr Leben zwischen Gebet, Messe und Abendessen in geordneten Bahnen verläuft. Ganz so streng nimmt sie es allerdings nicht mit den Regeln, sondern hilft selbst mit, dass der hauseigene Windhund bei den lokalen Rennen ordentlich Geld nach Hause bringt. Eines Tages jedoch werden die Priester von ihrer Vergangenheit eingeholt. Ein ehemaliges Missbrauchsopfer des gerade neu angekommenen Priesters Matias steht vor dem Tor und schreit die unschöne Wahrheit laut und in allen Details in die Welt hinaus.

Suche nach der Wahrheit

Der neue Priester erschießt sich. Kurz darauf bekommt die Männer-WG Besuch von einem smarten jungen Priester, der die Sache aufklären – und, das wird schnell klar - einen Grund finden soll, das Haus zu schließen. Er verhört seine Kollegen und stellt nicht nur unangenehme Fragen zu diesem Todesfall, sondern auch zu ihrer Vergangenheit. Alle beginnen um die Wahrheit herum zu lavieren. Von Schuld oder gar Buße will keiner der Priester etwas wissen. Daran, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinander zu setzen, haben sie keinerlei Interesse. Eigentlich wollen sie nur, dass der Eindringling endlich verschwindet und sie sich wieder in Ruhe ihrem Windhund zuwenden können.

Finsteres Bild der katholischen Kirche

So düster-diesig die Kamerabilder in "El Club" sind, so finster ist auch das Bild der katholischen Kirche, das Larrain zeichnet. In diesem System des Verschweigens und Vertuschens sind ausnahmslos alle in Schuld verstrickt. Trotzdem schafft es Larrain, seine Protagonisten in diesem Club der verlorenen Priester nicht als Monster, sondern als Menschen zu zeigen. Es sind fein differenzierte Charakterstudien in einer moralischen Grauzone. Über dem ganzen Film schwebt ein Schleier der Melancholie, eine tiefe Wehmut darüber, dass sich an den Verhältnissen in absehbarer Zeit vermutlich nichts ändern wird. Wenn es ans Eingemachte geht, hält der katholische Club zusammen. Daran scheint Pablo Larrain keinen Zweifel zu haben.

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