Filmkritik Ein Gauner und Gentleman - Robert Redford zurück im Kino

Er ist wieder da: Robert Redford. Lässig wie eh und je spielt der Superstar des New Hollywood einen Bankräuber, der auch ein Gentleman ist. Zugrunde liegt dem Film "Ein Gauner und Gentleman" die wahre Geschichte eines Mannes, der mit 70 Jahren aus dem Hochsicherheitsgefängnis von San Quentin floh und auf Beutezug ging.

Der alte Mann und die Knarre

82 ist das neue 50, und der Kavaliersdelikt ist die neue Moral. Dieser Eindruck bleibt haften, nachdem man sich den neuesten Film mit Robert Redford in der Hauptrolle angesehen hat. "The Old Man & the Gun", "Der alte Mann und die Knarre", so heißt er im Original.

Aber weil das dem deutschen Verleih offenbar moralisch nicht eindeutig genug war, hat er den Film ins Eindeutige umgetauft: "Ein Gauner und Gentleman". Die Knarre ist weg für uns Volk der Pazifisten und ansonsten wissen wir nun wirklich, woran wir sind.

Robert Redford als Charmebolzen und Bankräuber

Es mag ja sympathisch sein, Banken auszurauben und diese von Robert Redford gespielte Figur namens Forrest Tucker ist genau das: Ein Bankräuber. Und zwar ein ziemlich erfolgreicher.

Vor allem ist er ein unglaublich netter Bankräuber. Alle, die von ihm ausgeraubt werden, äußern sich danach nur in den allerhöchsten Tönen. Die Ausgeraubten wissen nicht mehr, ob der Mann eine Waffe dabei hatte oder nicht. Aber sie wissen, dass er höflich war und zuvorkommend. Ein Charmebolzen.

Kinostart 28.03. Ein Gauner und Gentleman von David Lowery

Tom Waits und Danny Glover an der Seite von Robert Redford als Ganoven im Film "Ein Gauner und Gentleman" (Foto: DCM -)
Zur Seite stehen ihm bei den Überfällen seine Komplizen Teddy (Danny Glover) und Waller (Tom Waits). DCM - Bild in Detailansicht öffnen
Für Tucker könnte es nicht besser laufen: die Überfälle glücken und er lernt die Farmbesitzerin Jewel (Sissy Spacek) kennen, mit der sich schnell eine leidenschaftliche Romanze entwickelt. DCM - Bild in Detailansicht öffnen
Das Glück gerät jedoch ins Wanken, als Polizist John Hurt (Casey Affleck) durchschaut, wer hinter den Überfällen der letzten Zeit steckt. DCM - Bild in Detailansicht öffnen
Robert Redford, der in "Ein Gauner und Gentleman" voraussichtlich seinen letzten Auftritt auf der Kinoleinwand hat, spielt einen Ganoven, den es wirklich gab: Forrest Silva Tucker diente mit seiner Vita als Vorbild für den Film. DCM - Bild in Detailansicht öffnen

Jugendliche Ausgabe von Clint Eastwood 

82 Jahre ist Robert Redford, aber man sieht es ihm nicht an. Wie ein elastischer Mittsiebziger, eine jugendliche Ausgabe von Clint Eastwood, federt er durch diesen Film. Er knutscht mit Sissy Spacek, zwinkert einer hübschen Bankangestellten zu, die seine Urenkelin sein könnte und die er leider gerade überfällt, ausgerechnet an ihrem ersten Tag im Job.

Er hat auch das Flirten nicht verlernt. Auf der Flucht nach einem Überfall hilft er, ganz Gentleman, einer Frau, die eine Wagenpanne hat. So lernt er die Farmbesitzerin Jewel kennen, die von Sissy Spacek gespielt wird. Die Szenen, in denen die beiden anbandeln, sind besondere Perlen dieses Films.

Die Geschichte? Nebensache.

Die Geschichte? Sie ist an diesem Film wirklich das Nebensächlichste. Denn "Ein Gauner und Gentleman" ist das perfekte Beispiel für das, was man in Amerika "Star-Vehikel" nennt. Ein ganz unverstellter Anlass, um einen ungemein beliebten Schauspieler wie Redford möglichst problemlos in Szene zu setzen, und ihm viel Gelegenheit zu geben, einfach im Bild zu sein, und sich von seinen besten Seiten zu zeigen.

Derer hat Robert Redford viele. Ein schöner Mann, der schöne Dinge tut. Zum Beispiel Banken überfallen. Denn auch der Bankraub ist im Kino vor allem zur Choreographie da, zur coolen Bewegung von Blicken und Körpern durch den Raum, die in ihrem Selbstzweck etwas Tänzerisches hat. 

Zweikampf zweier Genrationen 

Gejagt wird Tucker von einem Detektiv, der von ihm, seinem Mut und seiner handwerklichen Perfektion fasziniert ist. So entwickelt sich ein durchaus ehrenhafter Zweikampf zwischen Polizist und Räuber, der auch der Zweikampf zweier Generationen, zweier Modelle von Männlichkeit ist. 

Sissy Spacek und Robert Redford verliebt im Kino im Film "Ein Gauner und Gentlemen" (Foto: DCM -)
Für Tucker könnte (Robert Redford) es nicht besser laufen: die Überfälle glücken und er lernt die Farmbesitzerin Jewel (Sissy Spacek) kennen, mit der sich schnell eine leidenschaftliche Romanze entwickelt. DCM -

Ein Film von zeitloser Eleganz

Was Robert Redford und die von ihm gespielte Filmfigur auszeichnet, ist etwas Vergessenes, dennoch sehr Zeitloses, das nichts mit Old-School zu tun hat und Verhalten von Gestern. Eleganz und Lässigkeit.

Es ist die Freude am Handwerk, die auch diesen Film selbst auszeichnet, der tatsächlich so wirkt wie jenes elegante Kino aus den 60er oder 70er Jahren, als Redfords Karriere begann. Filme wie sie heute nicht mehr gemacht werden, weil sich die Welt und Hollywood verändert hat.

Robert Redford - ein Mann, der einfach alles kann 

Toxische Männlichkeit? Von derlei Modedebatten ist das Gemüt und das Antlitz dieses Mannes komplett verschont. Wenn einer für untoxische Männlichkeit steht, dann er.

Es gibt also noch Hoffnung für alle Männer: Robert Redford, Symbol für dauerhaften Erfolg und ewige Jugend spielt am liebsten solche Rollen, in denen die Figur mit seinem persönlichen Starimage verschmilzt. Der perfekte Auftritt für einen Held unserer Zeit: Ein guter Gangster.

Dieser Mann kann einfach alles. Wahrscheinlich wird er hundert und hält noch die Erderwärmung auf.

STAND