Film Der letzte Star-Wars-Film „Der Aufstieg Skywalkers“: Gut, dass es vorbei ist

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Beginn mit Verweisen auf die Ursprünge in den Siebziger-Jahren

Am Anfang sieht man die Hauptfigur Rey im Yoga-Schneidersitz drei Meter über dem Boden schweben. Um sie herum schweben auch alle möglichen Steine im Raum, allein durch ihre Konzentration in die Luft gehoben. Das ist zu Beginn ein fast schon ironischer Verweis auf die Ursprünge des Star-Wars-Stoffes aus den 70er-Jahren mit ihrer Spät- Hippie-Philosophie, einer Mischung aus Zen-Buddhismus, Wassermann-Zeitalter, Terrorismus.

Film „Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers“ von J.J. Abrams

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (Foto: Pressestelle, Walt Disney)
Nach dem Tod von Luke Skywalker ist der Widerstand mutiger denn je. Die Kämpfer sind bereit, sich in das letzte Gefecht gegen die Erste Ordnung zu werfen. Pressestelle Walt Disney Bild in Detailansicht öffnen
Die Rebellen stehen unter der Führung von Generalin Leia (Carrie Fisher). Pressestelle Walt Disney Bild in Detailansicht öffnen
Da sie dem Feind jedoch zahlenmäßig unterlegen sind, müssen Leias Rebellen die Truppen von Kylo Ren aus dem Hinterhalt angreifen. Pressestelle Walt Disney Bild in Detailansicht öffnen
Die Hoffnungen des Widerstands ruhen auf Rey (Daisy Ridley), die nun die letzte Jedi ist. Pressestelle Walt Disney Bild in Detailansicht öffnen
Zusammen mit Finn (Oscar Isaac) und C3PO zieht Rey in den endgültigen Kampf gegen die Sith. Pressestelle Walt Disney Bild in Detailansicht öffnen
Als jedoch klar wird, wer der dunkle Strippenzieher hinter Kylo Ren (Adam Driver) ist, scheint der Kampf verloren. Pressestelle Walt Disney Bild in Detailansicht öffnen

Später kommt so etwas nicht mehr im Film vor. Aber wie in allen Star-Wars-Filmen geht es auch hier durchaus um die Macht des Geistes und die Macht der Gefühle, um den Ausgleich von Yin und Yang

Weltraumabenteuer über universalen Kampf von Gut gegen Böse

So ist auch dies zuerst ein Weltraum-Abenteuer, das vom universalen Kampf von Gut gegen Böse erzählt. Auf der großen Ebene vom Imperium gegen die Rebellion. Auf der kleinen, persönlichen Ebene von der Familie: Söhne gegen Väter, Geschwister gegeneinander, Mütter gegen Söhne. Im Zentrum steht eine messianische Erlöserfigur mit magischen Kräften. Sie heißt Rey, also „König“ auf Spanisch. Diese Frau muss sich selber finden, sich definieren und erwachsen werden.

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Der neunte Star Wars Film - vor allem ein Produkt des Hier und Jetzt

Es war schon immer Unsinn, in diesen Film eine Utopie hinein zu interpretieren, einen ernstzunehmenden philosophischen Zukunftsentwurf. Auch dieser neunte Star-Wars-Film ist vor allem ein Produkt des Hier und Jetzt, ein Spiegel des augenblicklichen Zeitgeistes, in seiner Betonung von Diversität aller Art, in der Gleichberechtigung der Frauenfiguren. Auch darin, dass Star Wars 9, der Aufstieg Skywalkers, ein ganz dunkles, düsteres und auch ziemlich chaotisches Szenario entwirft.

Die Star-Wars-Welt - eine rätselhafte Wirklichkeit

Star Wars hat längst die Unschuld und den Optimismus seiner Anfänge verloren. Die Welt ist böse. Überstehen ist alles. Die Welt erscheint als Labyrinth und Achterbahn zugleich. Die Guten leben im Dschungel. Alte Schriften tauchen auf, die keiner mehr entziffern kann, Texte, die wir nicht verstehen und nicht lesen kann.

Zwischen Mission und Vision irrt jeder der Charaktere herum. Keiner durchschaut das Ganze. Diese Welt ist eine grundsätzlich rätselhafte Wirklichkeit, der mit Aufklärung, Vernunft, Wissenschaft und Analyse nicht beizukommen ist, in der auch Kommunikation ihre Grenzen hat.

Der Film zur Extinction-Rebellion-Bewegung

Ein Zeitgeist-Produkt ist der Film auch insofern, als er vom Verhältnis der Jungen, von der Macht der Alten über die Jungen, erzählt. Die Jungen sind hier die Rebellen. Sie kündigen den Generationenvertrag des Imperiums auf. Schluss aus, Ende. Alte Säcke, die mit Mönchskutten in dunklen Höhlen hausen und eine Oldschool-Machtpolitik praktizieren, die die Welt in die Selbstzerstörung führt, wollen wir nicht mehr.

Literaturwissenschaftler Lars Banhold: Alles, was Leute triggert

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Dies ist der Film zur Extinction-Rebellion-Bewegung. Das reicht bis zum Zeichen, unter dem die Rebellen schließlich siegen, einem X aus zwei gekreuzten Laserschwertern. Statt Familie und den Zwängen der Identität, der Tradition, des Blutes und der Gene vererbt dieser Film die Absage an die Biologie, feiert Wahlverwandtschaften und die Freiheit der Selbstbestimmung.

Sprunghafte Handlung unter dem Diktat der Gesamterzählung

Ansonsten bietet auch dieser neunte Star-Wars-Film das Übliche: Spielereien mit faschistischer Ästhetik, Opfer-Mythologie, Schlachten und endlose Verfolgungsjagden. Wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her.

Allerdings ist alles sehr sprunghaft. Dauernd sind wir woanders, dauernd muss eine Nebenhandlung verfolgt werden, dauernd muss man alles im Kopf zusammenhalten und innerlich aufholen. Was hat jetzt diese Figur noch mal vor? Wodurch ist jene Figur gefährdet? Und alles steht unter dem Diktat der Gesamterzählung.

Harrison Ford und andere frühere Figuren bekommen ihr Solo

Schließlich tauchen alte Figuren auf, Harrison Ford und ein halbes Dutzend anderer. Eine alte Band, die ein letztes Mal auf Tournee geht. Jeder bekommt noch mal sein Solo. So überwiegt am Schluss der Gedanke: Gut, dass es vorbei ist. Ab jetzt könnte in neuen Fantasy-Universen die Zukunft anbrechen.

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