"Am Ende ein Fest" - Kinostart 24.9.2015 Israelische Komödie über Sterbehilfe

Kulturthema am 23.9.2015 von Julia Haungs

Das Thema "aktive Sterbehilfe" ist in Israel heiß umstritten. Seit 2006 ist passive Sterbehilfe erlaubt. Ein Gesetzesentwurf vom Juni 2014 schlägt jedoch vor, auch die aktive Unterstützung von Todkranken zu erlauben. In dieser Debatte hat die Kinokomödie "Am Ende ein Fest"“ einen Nerv getroffen. Darin plädiert das israelische Regieteam Sharon Mamoun und Tal Granit offen für ein selbstbestimmtes Sterben. Der Film ist in Israel auf große Resonanz gestoßen, und auch bei den Filmfestspielen von Venedig wurde er preisgekrönt.

Max Finkel will nicht mehr. Der Rentner liegt mit Krebs im Endstadium im Krankenhaus. An Maschinen angeschlossen vegetiert er unter großen Schmerzen vor sich hin. Eines Tages bittet er seine Frau Yana und seine besten Freunde Yehezkel und Levana um einen letzten Liebesdienst. Sie sollen ihn von seinem Leiden erlösen. Die drei Freunde sind hin und hergerissen. Sie stehen vor einer der schwierigsten Fragen der Ethik. Darf man einem Menschen helfen zu sterben? Und wenn ja, wann und wie?

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Wer gibt die Spritze?

Die Freunde bitten einen ehemaligen Tierarzt aus ihrem Seniorenheim, ihnen zu helfen. Der ist zwar bereit, das entscheidende Medikament zu besorgen, die Spritze setzen will er aber nicht. Genauswenig wie die Frau von Max oder seine Freunde. Also macht sich der Tüftler Yehezkel an die Konstruktion einer Maschine. Mit der kann der Kranke selbst auf den entscheidenden Knopf drücken und sich so die todbringende Mixtur zuführen. Die Sache klappt. Doch was als absolute Ausnahme gedacht war, spricht sich herum. Und bald schon kommen andere Alte auf Yehezkel und Yana zu, die von der Suizidmaschine gehört haben. Zum Beispiel der Blumenhändler Dubek, dessen Frau Lungenkrebs hat. Er ist so verzweifelt, dass ihm jedes Mittel Recht ist.

Immer wieder müssen die Freunde neu entscheiden, ob sie dem Wunsch nach Sterbehilfe nachkommen sollen. Ein Dilemma. Tun sie es, machen sie sich rechtlich schuldig. Tun sie es nicht, müssen sie mit der moralischen Schuld leben, einen Menschen unnötig leiden zu lassen.

Schweres Thema mit Humor aufbereitet

Das Sterben in Würde ist für Kranke und Angehörige eine schwierige Angelegenheit. Daran beschönigt das israelische Drehbuch- und Regie-Duo Sharon Maymon und Tal Granit nichts. Und doch beweisen die beiden eine erstaunliche Leichtigkeit im Umgang mit der bleischweren Thematik. Dass das gelingt, liegt neben den komischen Momenten in der Handlung an den großartigen Hauptdarstellern. Sie verkörpern ihre Figuren mit viel Herz und Humor und zeigen, dass es auch im Alter nichts Wertvolleres gibt als Freundschaft. In der Debatte um Sterbehilfe, die in Israel stark religiös geprägt ist, nimmt der Film einen humanistischen Standpunkt ein. Erlaubt ist, was den Menschen gut tut. So ist "Am Ende ein Fest" ein engagiertes Plädoyer für selbstbestimmtes Sterben und fast noch mehr: für einen liebevollen, achtsamen Umgang miteinander – und zwar unabhängig vom Alter.

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