Film „Wendezeit“: ARD-Spionagethriller aus der Endzeit der DDR

AUTOR/IN
Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR2

30 Jahre nach dem Mauerfall zeigt der ARD-Spionagethriller „Wendezeit“: die bewegende Geschichte einer ostdeutschen Doppelagentin. Saskia Starke, überzeugend gespielt von Petra Schmidt-Schaller, wird als DDR-Agentin in den Westen geschleust und erlebt dort als CIA-Mitarbeiterin den Mauerfall.

„Wendezeit“ im Ersten: Mittwoch, 2. Oktober um 20:15 Uhr
„Wendezeit“ in der ARD Mediathek: bis zum 1. November verfügbar

Wer waren die DDR-Spione im Westen? Wer arbeitete als inoffizieller Mitarbeiter oder Informant? Klarheit darüber erhoffte sich die amerikanische CIA nach der Wende durch die sogenannte Rosenholz-Datei: Stasi-Akten auf Mikrofilmen, die angeblich Klarnamen von allen Westagenten enthalten sollten und auf ungeklärte Art in die USA gelangt sind. Der ARD Film „Wendezeit“ erzählt vor diesem Hintergrund eine Ost-West-Spionagestory.

Festival des deutschen Films Petra Schmidt-Schaller als Doppelagentin in dem Ost-West-Thriller „Wendezeit“

Doppelagentin Saskia Starke (Petra Schmidt-Schaller) und ihr Mann Richard (Harald Schrott) (Foto: ard-foto s2-intern/extern, Bild: rbb/ARD/Volker Roloff)
In Sven Bohses Film „Wendezeit“ gerät Doppelagentin Saskia Starke (Petra Schmidt-Schaller) in einen emotionalen Ausnahmezustand, als sich das Ende der DDR ankündigt. Ihre von der Stasi sorgsam arrangierte Scheinexistenz als CIA-Agentin droht aufzufliegen. ard-foto s2-intern/extern Bild: rbb/ARD/Volker Roloff Bild in Detailansicht öffnen
Im Spielfilm sind Agenten üblicherweise harte Hunde. Furchtlos und entschlossen genug, alles zu tun, wozu sie die Lizenz besitzen. ard-foto s2-intern/extern Bild: rbb/ARD/Volker Roloff Bild in Detailansicht öffnen
Einsame Wölfe, die nichts zu verlieren haben. Saskia Starke (Petra Schmidt-Schaller) - hier mit Ehemann Richard (Harald Schrott) - hat etwas zu verlieren: Kinder, Ehemann, Familie eben. ard-foto s2-intern/extern Bild: rbb/ARD/Volker Roloff Bild in Detailansicht öffnen
Eine „harte Hündin“ ist sie trotzdem: Agentin der Stasi, dem „Ministerium für Staatssicherheit der DDR“, Ende der 1980er-Jahre. Ihr Einsatzort ist das Büro der CIA in West-Berlin. Saskia ist Doppelagentin. ard-foto s2-intern/extern Bild: rbb/ARD/Volker Roloff Bild in Detailansicht öffnen
CIA-Chef Jeremy Redman (Ulrich Thomsen) verkündet: die Mauer ist offen! Kurz danach stürmen Demonstranten die Stasizentrale. Saskias Tarnung droht aufzufliegen. Ihr Leben ist in Gefahr… ard-foto s2-intern/extern Bild: rbb/ARD/Volker Roloff Bild in Detailansicht öffnen
Sven Bohses Film, nach einem Buch von Silke Steiner, stellt die Frage, ob es „ein echtes Leben im falschen“ geben kann auf ganz eigene Art: ard-foto s2-intern/extern Bild: rbb/ARD/Volker Roloff Bild in Detailansicht öffnen
Er konfrontiert die „harte Hündin“ mit der Macht echter Gefühle und wahrer Bindungen. Die Frage, ob sie ihr Leben in den Dienst der falschen Sache gestellt hat, verblasst vor diesem Hintergrund... ard-foto s2-intern/extern Bild: rbb/ARD/Volker Roloff Bild in Detailansicht öffnen

Maulwurf in der West-Berliner CIA-Vertretung


West-Berlin im Oktober 1989: In der CIA-Vertretung der USA herrscht Nervosität, denn es gibt Hinweise, dass sich in ihren Reihen ein Maulwurf befindet, also ein Spion der DDR.

Saskia Starke ist dieser Maulwurf. Und sie steht bald von zwei Seiten unter Stress. Denn nicht nur die CIA schöpft Verdacht. Auch in ihrer Heimat, der DDR, wandeln sich die Verhältnisse rasant. Bald ist ihre geheime Identität nicht mehr sicher.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
22:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Umgedrehte Perspektive einer Stasi-Doppelagentin

Es ist allein diese Umkehrung der Perspektive, die den Film „Wendezeit“ sehenswert macht, von einer Serie wie „Weißensee“ unterscheidet und besser gelungen ist als „Deutschland 83“: Man taucht ein in die Gefühlswelt einer Stasi-Doppelagentin, eingekeilt zwischen der Liebe zu ihrer neuen Familie im Westen und dem Glauben an einen guten Sozialismus, geprägt von einer Ausbildung zu Effizienz und Kälte durch ihren eigenen Vater.

Petra Schmidt-Schaller geht mit grandioser Spiellust zu Werke

Die sonst manchmal etwas ätherisch wirkende Petra Schmidt-Schaller geht hier mit grandioser Spiellust in verschiedenen Verkleidungen zu Werke: als liebevolle Mutter im legeren Business-Outfit West, als sächselndes Dauerwellenmodel oder als toughe Ost-Agentin, der es vor allem darum geht, ihre eigene Stasi-Akte verschwinden zu lassen - und die sich nicht scheut, dafür hart zuzuschlagen

Überlebenskampf in der Wendezeit

Irgendwann fragt man sich, ob dieser auf Thriller getrimmte Film nicht noch mehr zu erzählen haben müsste über die vielbeschworene Wendezeit als den Überlebenskampf einer Doppelagentin. Aber womöglich ging es in den Tagen genau darum: sich selbst über Wasser zu halten und die eigene Biografie irgendwie zu retten angesichts eines Systems, das den Menschen so sehr misstraute, dass es sogar die überzeugtesten von ihnen in einem Labyrinth von Aktenvermerken und Kontaktpersonen verstricken wollte.

Wendezeit (Foto: ard-foto s2-intern/extern)
Als die Mauer fällt, fällt auch Starkes sorgsam aufgebautes Lügengerüst in sich zusammen. ard-foto s2-intern/extern

Hintegrund und Beweggründe der „friedlichen Revolution“ wenig ausgeleuchtet

Ursprünglich war der Stoff von Autorin Silke Steiner für einen längeren Atem angelegt, als Miniserie, das merkt man dem Film an. Und wer die amerikanische Doppelagentenstory „The Americans“ kennt weiß, dass der Kalte Krieg zumindest bei uns noch längst nicht auserzählt ist. Es hätte sich gelohnt, eine schillernde Figur wie Markus Wolf, die hier sehr blass bleibt, stärker zu beleuchten und überhaupt, den politischen Beweggründen von einem anderen Demokratie- und Freiheitsverständnis mehr Raum zu geben. Aber vielleicht ist „Wendezeit“ ja auch ein neuer Anlass, sich mit der auch nach 30 Jahren immer noch unfassbar friedlichen Revolution und was daraus geworden ist, weiter auseinander zu setzen.

AUTOR/IN
STAND