67. Internationales Filmfest In Mannheim und Heidelberg die Welt schauen

Von Annette Lennartz

50 ungewöhnliche Filme von Newcomern aus aller Welt zeigt das 67. Internationale Filmfestival Mannheim-Heidelberg bis zum 25. November. Das zweitälteste Festival in Deutschland ist der Hot-Spot des Autorenkinos aus aller Welt und wurde zum Sprungbrett für Fassbinder, Truffaut, Wim Wenders und andere. Seit 1992 ist Michael Kötz als Direktor für die Filmauswahl verantwortlich, bereitet allerdings jetzt seinen Abschied vor.

Michael Kötz hat das Internationale Filmfestival zu einem Höhepunkt der Cineasten im der Region gemacht. Eine seiner wichtigen Weichenstellungen war, das Festival auch auf Heidelberg auszudehnen. Das erhöhte sein Budget - und auch die Zuschauerzahlen.

Michael Kötz will Ende 2019 aufhören

Dann startete er in Ludwigshafen 2005 das „Festival des Deutschen Films“. Auch das wurde eine Erfolgsgeschichte. Nun will er Ende nächsten Jahres die Leitung des Internationalen Filmfests abgeben.

Kötz darüber: „Es fühlt sich sehr merkwürdig an. Das Festival ist wie ein Kind für uns, das wir großgezogen haben über 28 Jahre und sich dann vorzustellen, dass das jemand anders macht, das ist eine merkwürdige Vorstellung. Aber es nützt nichts, denn zwei Festivals auf einmal zu machen, das geht nicht.“

Dauer

Newcomer aus Russland, China und aus dem Iran

Das Internationale Festival zeigt Newcomers only: Filme aus den entlegensten Winkeln der Welt, aus Russland, China, aus dem Iran, Frauenfilme, experimentelle und oft politisch brisante Stoffe.

Jahrelang bewiesen 50.000 bis 60.000 Zuschauer, wie sehr sie diese Filmauswahl schätzten. Michael Kötz sagt: „Das ist eine stolze Zahl, denn man muss bedenken, dass das alles Filme von unbekannten Regisseurinnen und Regisseuren sind und auch keine Filmstars. Dass da trotzdem so viele Menschen kommen, das ist natürlich toll“.

In den Filmen eine andere Kultur atmen und leben sehen

Der Intendant verzichtet konsequent auf Streifen, die im Mainstream liegen: „Wir wollen, dass man die jeweilige Kultur darin atmen und leben sieht, und dann hat man auch Ahnung vom Fremden. Das ist heutzutage wichtiger als je zuvor.“

Es ist eine mühsame Suche nach den Filmen, an der viele Scouts beteiligt sind. Über 55 Themen, von einem aserbaidschanischen Lokführer, der die Liebe sucht, über Frauen, die gegen den IS kämpfen, bis hin zu einer Reihe finnischer Kurzfilme.

"Tazzeka" Eröffnungsfilm Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg, 2018 (Foto: Internationales Filmfestival, Pressestelle - N.N.)
In „Tazzeka“ lernt Elias von seiner Oma, wie man aus Weizengries und Öl den Couscous zubereitet. Der Eröffnungsfilm des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg, 2018. Internationales Filmfestival, Pressestelle - N.N.

„Tazzeka“ – von der Kunst des Kochens

Gleich zu Beginn überrascht „Tazzeka“, ein Streifen aus Marokko. Der sei typisch für das gesamte Programm, meint Kötz: „Es geht um die Kunst des Essens und des Zubereitens, aber auch um den Reichtum einer fremden Kultur, die darin stecken kann, in diesem Fall Marokko.“

Geheimnisse der marokkanischen Küche

Elias träumt schon als kleiner Junge davon, Chefkoch zu werden, lernt selbst beim Ziegenhüten französische Kochrezepte auswendig. Seine Großmutter weiht ihn in die Geheimnisse der marokkanischen Kräuter und Gewürze ein.

"Tazzeka" Eröffnungsfilm Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg, 2018 (Foto: Pressestelle, Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg -)
Schließlich gelingt Elias in "Tazzeka" die erhoffte Karriere als Koch in Paris. Pressestelle Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg -

Was ist Lobster?

„Was ist das, Lobster?“, fragt er seine Oma und mischt mit seinen kleinen Händen Weizengries und Öl für den täglichen Couscous. Als Jugendlicher kocht er dann für das kleine Dorfrestaurant, aber sein Ziel ist Paris, Chefkoch in Paris.

Elias schafft es dorthin, lebt dort aber illegal, immer auf der Flucht vor der Polizei. Irgendwann hat er aber eine geniale Idee, und zusammen mit seinem neuen Freund Souleyman macht er Karriere.

Kulinarische und persönliche Integration

Ein positiver, fröhlicher Film, trotz alledem, der von Liebe, Freundschaft und natürlich von köstlichem Essen erzählt. Mit der speziellen Fusion von arabischer und europäischer Kochkunst findet er, ohne seine Wurzeln zu verleugnen, seinen Platz in Paris. Großartige Bilder, fesselnd in Szene gesetzt.

Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg, 2018 (Foto: Internationales Filmfestival, Pressestelle - Foto: Sebastian Weindel)
Internationales Filmfestival, Pressestelle - Foto: Sebastian Weindel
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