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Der fünfte Schwarzwald Tatort „Ich hab im Traum geweinet“ ist benannt nach einem Gedicht von Heinrich Heine, das von Robert Schumann zu einem sehr melancholischen Kunstlied verarbeitete. Doch die Kommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg sind mittendrin in der schwäbisch-alemannische Fasnet in Elzach. Und diesmal geht es nicht nur um Mord, sondern auch um das Verhältnis der beiden Ermittler.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
8:07 Uhr
Sender
SWR2

Alemannische Fasnet - ein Festival der Übergriffigkeit

Alemannische Fasnet ist nicht nur Spaß, es ist auch ein bisschen Schrecken. Lust und Bestrafung in einem und natürlich ein Festival der Übergriffigkeit.

Film Tatort „Ich habe im Traum geweinet“ von Jan Bonny

Tatort "Ich habe im Traum geweinet" (Foto: ard-foto s1, Benoît Linder)
Fasnet im Schwarzwald: Da gilt auch für die Komissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) Ausnahmezustand. ard-foto s1 Benoît Linder Bild in Detailansicht öffnen
Doch die beiden Komissare werden aus dem wilden Treiben herausgerissen und zu einem Tatort gerufen. ard-foto s1 Benoît Linder Bild in Detailansicht öffnen
Philipp Kiehl (Andreas Döhler), der seine Frau zu einer Schönheits-OP in den Schwarzwald begleitete, wird in seinem Hotelzimmer erschlagen. ard-foto s1 Benoît Linder Bild in Detailansicht öffnen
Elena Kiehl (Bibiana Beglau) liegt noch in der Klinik, als sie vom Tod ihres Mannes erfährt. Sie ist geschockt, als sie von den Umständen hört. ard-foto s1 Benoît Linder Bild in Detailansicht öffnen
Verbracht hat Kiehl die Nacht offenbar mit Romy Schindler (Darja Mahotkin), die in der Schönheitsklinik Krankenschwester ist. Sie kennt Kiehl von früher, als sie noch als Escortdame arbeitete. ard-foto s1 Benoît Linder Bild in Detailansicht öffnen
Philipp Kiehl hat Romy (Darja Mahotkin) überredet, sie im Hotel noch einmal zu treffen. Ihrem Lebensgefährten, dem Chirurgen David Hans (Andrei Viorel Tacu), hat dieses Treffen angeblich nichts ausgemacht. ard-foto s1 Benoît Linder Bild in Detailansicht öffnen
Die Komissare Tobler und Berg nehmen sowohl Romy Schindler als auch David Hans ins Visier. Der Druck auf die Beziehung der Verdächtigen nimmt immer mehr zu. ard-foto s1 Benoît Linder Bild in Detailansicht öffnen

One-Night-Stand unter Tatort-Kommissaren

Das bekommen Franziska Tobler und Friedemann Berg in diesem Film im wahrsten Sinn am eigenen Leib zu spüren. Nach einer feucht-fröhlichen Fasnetfeier landen die beiden tatsächlich gemeinsam im Bett.

Natürlich gibt es auch in diesem Tatort wieder einen Toten. Verdächtig ist die Schwester einer privaten Schönheitsklinik, Romy, die von ihrer Vergangenheit als Prostituierte in Karlsruhe eingeholt wird. Es ist ein früherer Kunde, mit dem sie die Nacht verbracht hat.

Best-Of-Trailer: „Ich habe im Traum geweinet“

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Jan Bonny zerlegt das gängige Konzept von Liebe

Lust und Bestrafung, das sexuell anregende Spiel mit Rollen, der schmale Grat zur Gewalt und der Punkt an dem die Vernunft aussetzt und man nicht mehr anders kann als so oder so zu handeln, das steht bei diesem Tatort im Mittelpunkt, viel mehr als die Suche nach einem Täter oder Täterin.

Regisseur Jan Bonny zerlegt das gängige Konzept von Liebe und Zweisamkeit ziemlich drastisch. Wie hier Lust und Gewalt teils unmittelbar aufeinander treffen, wie Momente des Glücks von Verlustängsten und Verbitterung überlagert werden, das geht einem an die Nieren, riskiert aber auch Momente von Fremdscham und Verstörung.

Tatort "Ich habe im Traum geweinet" (Foto: ard-foto s1, Benoît Linder)
Philipp Kiehl hat Romy (Darja Mahotkin) überredet, sie im Hotel noch einmal zu treffen. Ihrem Lebensgefährten, dem Chirurgen David Hans (Andrei Viorel Tacu), hat dieses Treffen angeblich nichts ausgemacht. ard-foto s1 Benoît Linder

Das hat vor allem damit zu tun, dass manche Dialoge hart an der Plattitüde vorbei schrammen und ausgerechnet die beiden kantigen Schwarzwaldermittler Tobler und Berg nach ihrem One Night Stand zu nah dran sind am eigentlichen Thema des Films.

Dieser Tatort ist absurd komisch, unheimlich fad, grottenschlecht und gleichzeitig genial!

In gewisser Weise erzählt dieser Tatort vom Wunsch jemand anderes zu sein und dabei zu sich zu finden. Was insbesondere für den Film selbst gilt. Denn eigentlich betreibt er hartnäckige Krimiverweigerung.

Der Film kitzelt aus den Schauspielern Hans-Jochen Wagner, Eva Löbau, aber auch Bibiana Beglau in einer umwerfenden Nebenrolle großartige Charakterfragmente heraus, setzt sie zusammen zu einer Art Rhapsodie über die Liebe, wie man sie am Sonntagabend noch nicht gesehen hat: absurd komisch, unheimlich fad, grottenschlecht und gleichzeitig genial.

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