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Für Paare bedeutet eine Trennung eine große Belastung und häufig Schuldzuweisungen. Manchmal werden Kinder zum Spielball, indem sie dem Partner bewusst entfremdet und entzogen werden. Eine besondere Eskalation im Streit um das Sorgerecht schildert der SWR-Film „Weil du mir gehörst“ mit Felix Klare und Julia Koschitz in der Rolle der Eltern.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR2

Patchwork-Harmonie

Eigentlich fühlt sich Anni bei ihrem Vater und seiner neuen Freundin ziemlich wohl. Die Oma kocht Krautwickel, später geht es in den Tierpark und danach wieder zurück zu Mama.

Aber ein paar Monate später will sie von ihrem Vater nichts mehr wissen, das Gefühl ist umgeschlagen in kalte Ablehnung

Film „Weil du mir gehörst“ von Alexander Dierbach

Filmstill: Weil du mir gehörst von Alexander Dierbach (Foto: ard-foto s1)
Julia (Julia Koschitz) und Tom (Felix Klare) sind frisch geschieden und teilen sich das Sorgerecht für ihre gemeinsame Tochter Anni (Lisa Marie Trense). ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Jedes zweite Wochenende verbringt Anni bei ihrem Vater, den sie sehr liebt. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Auch mit Jenny (Merle Collet), der neuen Freundin von Tom, versteht sich Anni prima. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Doch Julia kommt mit der Situation nicht zurecht. Sie ist noch immer allein und beginnt, ihre Tochter zu manipulieren. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Nach einem Jahr bringt Julia ihren Ex-Mann vor Gericht und fordert das alleinige Sorgerecht für Anni. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Julia versucht, Anni aus Toms Leben zu werfen. Je mehr der Sorgerechtsstreit jedoch eskaliert, desto verstörter scheint das Mädchen zu werden... ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen
Tom versteht die Welt nicht mehr: obwohl nichts vorgefallen ist, möchte Anni partout nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er braucht lange um zu begreifen, was Julia im Schilde führt. ard-foto s1 Bild in Detailansicht öffnen

Geschichte einer Entfremdung

Der Film „Weil du mir gehörst“ erzählt die Geschichte dieser Entfremdung, an der die kleine Anni keine Schuld trägt. Es beginnt damit, dass der Vater am Papa-Wochenende zum verabredeten Zeitpunkt nicht da ist und die Mutter kurzerhand entschließt mit Anni zu den Großeltern zu fahren.

Dauer

Gute Karten vor Gericht

Parental Alienation Syndrome, kurz PAS, wird das genannt, was dem Vater hier widerfährt. Eine gezielte Entfremdung, die auf die Aberkennung des Sorgerechts zielt. Die Mutter zieht weg, belügt das Kind systematisch, indem sie dem Mädchen jegliche Kontaktmöglichkeit entzieht und permanent die Glaubwürdigkeit des Vaters erschüttert. Nicht kaltherzig, aber dennoch berechnend. Vor Gericht hat sie damit gute Karten.

Filmstill: Weil du mir gehörst von Alexander Dierbach (Foto: ard-foto s1)
Tom versteht die Welt nicht mehr: obwohl nichts vorgefallen ist, möchte Anni partout nichts mehr mit ihm zu tun haben. Er braucht lange um zu begreifen, was Julia im Schilde führt. ard-foto s1

Julia Koschitz als böse Mutter

Dem konsequenten, überraschenderweise selten bösartigen Spiel von Julia Koschitz und vor allem Felix Klare ist es zu verdanken, dass die Gefühlslagen beider Eltern nachvollziehbar werden und der Film sich dennoch auf die Rechtsfragen fokussieren kann, ohne als rein juristische Fallstudie daherzukommen.

Juristisches Basiswissen

Natürlich muss er viel erklären über Persönlichkeitsrecht, Aufenthaltsbestimmung oder Umgangsrecht. Die Manipulation der kleinen Anni gerät etwas zu einfach, ganz schlüssig ist das Verhalten der Mutter nicht.

Filmstill: Weil du mir gehörst von Alexander Dierbach (Foto: ard-foto s1)
Nach einem Jahr bringt Julia ihren Ex-Mann vor Gericht und fordert das alleinige Sorgerecht für Anni. ard-foto s1

Kindeswohl wird zuerst geopfert

Dass das Kindeswohl das Erste ist, was in der Situation unter die Räder gerät, macht der Film aber in aufrüttelnder Weise deutlich. Und er zeigt, wie hilflos auch andere Väter in der Situation sein können.

Juristisches System wird in Frage gestellt

So gerät der Film auch zu einer Klage gegen ein juristisches System, das sich viel zu sehr auf Gutachterurteile verlässt und dabei Eltern nicht als gemeinsame Erziehungsberechtigte ernst nimmt, sondern ihnen eher eine Art Besitzrecht am Kind zu- oder eben abspricht.

Schluss mit Klischees

„Weil du mir gehörst“ wirft somit wichtige Fragen auf,  die in Sorgerechtsfragen viel zu selten gestellt werden und die gleichzeitig das Klischee von der herzensguten Mutter und dem verantwortungslosen Vater wohltuend aufweichen.

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