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Werke des Jahres 2015 Überraschung für sieben Instrumentalisten und Elektronik mit Film von Else (Twin) Gabriel

Stephan Winkler

Gibt es so etwas überhaupt: eine „angekündigte Überraschung“? Zu den unmittelbarsten und intensivsten Überraschungsmomenten jedes Lebens gehören diejenigen des Erschreckt-Werdens. Meist viel kürzer als jene der freudigen Überraschung, rufen Schrecksekunden oft heftige körperliche Reaktionen hervor, die sich unserer Kontrolle größtenteils entziehen und ihrer Unwillkürlichkeit wegen eher Schreckreflexe heißen sollten. Selbst wenn wir wissen, dass wir erschreckt werden, sind sie nicht zu vermeiden. Ist Schreck überhaupt eine Form der Überraschung? Ein paar Äußerlichkeiten scheinen dagegen zu sprechen (Augen-Schließen hier; Augen-Aufreißen da etc.) Aber ganz so klar sind die Grenzen nicht. Ein Schreck-Auslöser ohne explosiven akustischen Beginn (Knall) verursacht Reaktionen, die jenen lehrbuchhaften der Überraschung sehr ähneln. Und von der weit verbreiteten Lust am kontrollierten Erschrecken zeugen die Geisterbahnen früherer Rummelplätze ebenso wie die klickproduzierenden Gewerbe der Gegenwart.

Überraschung sieben Studien über das Warten auf das Erschrecken, die Exaltiertheit des Verlusts der Selbstkontrolle und den Prozess der Wiedererlangung der Fassung.

Stephan Winkler


Der Moment des Erschreckens ist der Augenblick der stärksten Verwandlung und als solcher naturgemäß sehr kurz. Trotzdem ist er von fundamentaler Bedeutung. Eine angenommene Wahrheit wird plötzlich als trügerisch erkannt. Dabei ist es egal, ob es sich um den banalen Schreck handelt, den man erlebt, wenn plötzlich eine Haustür unerwartet laut ins Schloss fällt, oder ob es, wie im Hitchcock-Film Psycho, die völlig überraschende Begegnung unter der Dusche ist (bei der Hitchcock nach vielen Proben mit warmem Wasser für den eigentlichen Dreh unangekündigt das kalte Wasser aufdrehen ließ…).

21st Century Überfrau #2 (der Schreck)– so der Titel der dieser Kooperation zugrundeliegenden Videoarbeit – beinhaltet eine Versuchsanordnung zum Sichtbarmachen des entscheidenden Augenblicks. Die einzelnen Ereignisse sind von Ulf Wrede geplant und von SFX technisch realisiert worden. Die Probantin kennt natürlich das Ziel, weiß aber nicht, was im Detail auf sie zukommt. Die Ergebnisse sind, wie sie sind – wiederholen lässt sich natürlich nichts, ohne aufzugeben, was gezeigt werden soll.

Else Gabriel


Surprise

Is there such a thing as an “announced surprise”? Some of the most immediate and intense moments of surprise in any person’s life are those in which one is shocked. Usually far shorter than those of joyous surprise, seconds of shock often cause strong physical reactions that mostly elude our control and which, because of their involuntary nature, would be better called “shock reflexes”. Even if we know that we are being shocked, the effect is inevitable. Is shock even a form of surprise at all? A few external aspects seem to contradict this (closing eyes here, tearing them open there etc.). But the boundaries aren’t quite so clear. A shock trigger without an explosive acoustic beginning (bang) causes reactions very similar to the textbook examples of surprise. And the widespread enjoyment of controlled shock is demonstrated by the ghost trains at fairgrounds of the past as clearly as by the click-producing industries of the present day.

Surprise – seven studies on waiting to get a shock, the exaltedness of a loss of self-control, and the process of regaining one’s composure.

Stephan Winkler


The moment of being shocked is the moment of greatest transformation, and as such it as naturally very short. Nonetheless, it is of fundamental significance. An assumed truth is suddenly recognized as deceptive. Here it makes no difference whether it is the banal shock one experiences when a front door suddenly slams shut unexpectedly loudly or, as in Hitchcock’s film Psycho, the totally surprising encounter takes place under the shower (and, after rehearsing the scene many times with warm water, Hitchcock turned on the cold water unannounced for the actual filming...).

21st Century Überfrau #2 (der Schreck)– thus the title of the video work on which this cooperation is based – involves an experiment to render the decisive moment visible. Individual events were planned by Ulf Wrede and technically realized by SFX. The test person obviously knows the goal, but does not know what exactly will happen to them. The results are what they are – nothing can be repeated without giving up what is meant to be demonstrated. 

Else Gabriel

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